Nachhaltig Investieren kann nachhaltig riskant sein – je nach Anlagestil. Und was nachhaltig ist, da scheiden sich die Geister.

Die grösste US-Pensionskasse CalPERS setzt auf nachhaltige Investments, auch wenn’s weh tut. So gestand CalPERS vor zwei Jahren ein, dass der Ausstieg aus den Titeln der Tabakproduzenten rund 3 Milliarden Dollar an verpassten Gewinnen gekostet hat. Trotzdem blieb die Pensionskasse bei ihrem Entscheid. So konsequent sind lange nicht alle Kassen, die sich zur Nachhaltigkeit bekennen.

Die Zürcher Beratungsgesellschaft PPCmetrics beschäftigt sich in einem aktuellen Strategiepapier mit dem Thema und unterscheidet grob zwei Investionsansätze der nachhaltigen Vermögensanlage: Zum einen der „Voice“-Stil, wo Investoren mittels Aktionärsengagement agieren und zum andern der „Exit“-Stil, wo ein nachhhaltiger Anlagensatz auch durch Ausstieg aus einem Unternehmen oder einer Branche verfolgt wird.

Dieser Grundsatzentscheid hat unterschiedlichen Einfluss auf den Tracking Error gegenüber einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index. Die Stimmrechtsausübung hat keinen Einfluss auf den Tracking Error, weil weiterhin das gesamte Anlageuniversum genutzt wird. Beim Best-in-Class-Ansatz ist der Tracking-Error nur leicht erhöht. Hier bestehen keine grossen Abweichungen zum Index, da weiter in die nachhaltigsten Unternehmen der verschiedenen Branchen investiert wird.

Grösser sind die Abweichungen, wenn ganze Branchen oder Industriezweige ausgeschlossen werden. Bei sogenannten „Active Ownership“-Fonds erhöhen sich die Abweichungsrisiken, da es grosse Stimmanteile braucht, um wirklich Einfluss auf das Management nehmen zu können. Dies bedingt konzentrierte Portfolios.

Den grössten Tracking Error haben – so PPCmetrics – typischerweise Themenansätze und Impact Investing, da hier nur in ein stark reduziertes Anlageuniversum investiert wird. Bei nicht kotierten Impact Investments gibt es häufig auch gar keinen Vergleichsindex.

Der Teufel steckt im Detail

Auf den ersten Blick ist der Ausschluss nach bestimmten Kriterien, wie zum Beispiel geächtete Waffen, einfach. Doch bei der Implementierung steckt der Teufel oft im Detail. Was gilt als Waffenproduktion? Werden auch problematische Lieferanten oder Kunden des Unternehmens berücksichtigt? Ab welchem Umsatzanteil wird ein Unternehmen ausgeschlossen? Und in einzelnen Anlagekategorien wie etwa Hedge Fonds oder Rohstoffe sei „eine  zweckmässige Form der Nachhaltigkeit generell nur schwer zu erreichen“, folgern die Autoren.

PPCmetrics macht auch Marktscreens zu nachhaltigen Vermögensanlagen. Am angeführten Vergleich nahmen 43 Vermögensverwalter teil, die insgesamt 11 600 Milliarden Franken bewirtschaften, davon 742 Milliarden nachhaltig. Das sind 6,4 Prozent. Nur einer der Asset Manager verwaltet das Vermögen ausschliesslich nachhaltig. Es sind fast ausnahmslos Nischenplayer, die einen Grossteil des Vermögens nachhaltig bewirtschaften.

In den verschiedenen Anlagestilen und Anlagekategorien sind nachhaltige Anlagelösungen unterschiedlich stark verbreitet. Aktive Lösungen gibt es für Aktien, aber auch für Anleihen und börsennotierte Immobiliengesellschaften. Spärlich sind die Angebote im Bereich Impact Investing, Green Bonds und bei gemischten Mandaten. Passive Anlagelösungen werden meist nur für die weltweiten Aktienmärkte angeboten.

Die Vermögensverwalter investieren unterschiedlich strikt: In der Anlagekategorie Aktien Welt bezeichnen die strengsten Anbieter über 90 Prozent dieser Titel als nicht nachhaltig und schliessen sie aus, während andere das Universum nur minimal reduzieren. Im Schnitt werden 21 Prozent der Titel ausgeschlossen. Das Fazit daraus: Nachhaltigkeitsanalysen sind letztlich politische Beurteilungen der verschiedenen Geschäftspraktiken.

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