Rohstoffe

Rohstoffe als Anlage: vielfältig aber risikobehaftet

Direkt-Investments, Fonds oder Aktien – Möglichkeiten in Rohstoffe zu investieren gibt es viele. Wann lohnen sich Commodities für institutionelle Investoren?

Bildquelle: agnormark/iStock/Getty Images

Rohstoffe sind als Sachwerte eine eigene Anlageklasse. Sie gehören den Real Assets, die wiederum zu den alternativen Anlagen gehören. Genau wie Infrastruktur und  Immobilien haben die sogenannten Commodities den Vorteil, dass sie eine unkorrelierte Wechselbeziehung zu anderen, traditionellen Anlagen haben. Allerdings gelten Rohstoffe als spekulatives Investment.

Klassifizierung von Rohstoffen

Eine eindeutige Definition, welche natürlichen Ressourcen zu Rohstoffen gezählt werden, gibt es nicht. Von Strom bis hin zu Orangensaft, wird unter dem Begriff Commodities vieles an der Börse gehandelt. Grob lassen sich Rohstoffe in „weiche“ Soft Commodities und „harte“ Hard Commodities unterteilen.

Soft Commodities

Soft Commodities, auch Agrarrohstoffe genannt, sind nachwachsende Rohstoffe, die unbearbeitet in der Natur vorkommen. In der Theorie sind sie zeitlich unbegrenzt verfügbar. Diese Rohstoffe können allerdings sehr volatil sein: Da sie ein Verfallsdatum haben, kann sich der Preis sich kurzfristig ändern. Außerdem kann es saisonale Preisschwankungen geben und sie werden durch externe Faktoren wie Wetter und Umweltbedingungen stark beeinflusst. Soft Commodities spielen deshalb vor allem auf dem Futures-Markt eine gewichtige Rolle. Zu den „weichen Rohstoffen“ gehören beispielsweise Kaffeebohnen, Getreide, Reis, Weizen, Vieh und Zucker.

Hard Commodities

Hard Commodities gelten als weniger volatil, da ihre Haltbarkeit nicht abläuft. Allerdings sind sie aufgrund ihres Vorkommens oder fehlender Abbaumöglichkeiten erschöpflich und werden irgendwann zwangsläufig nicht mehr verfügbar sein. Bei den Hard Commodities wird zwischen Energie und Metallen unterschieden.




 

Rohstoffe: diverse Anlagemöglichkeiten

Für Rohstoff-Investments gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Neben Direkt-Investments werden für diese Asset-Klasse zum Beispiel Zertifikate, Fonds, ETFs und Aktien angeboten.

Rohstoff-Direktinvestments

Mit Direktinvestments erwerben institutionelle Investoren tatsächlich das Eigentum an dem jeweiligen Sachwert. Das können bei Rohstoffen zum Beispiel Edelmetalle, Holz, seltene Erden oder auch Diamanten sein. Hierfür sollten Anleger Lagerplatz- und kosten einkalkulieren.

Die meisten Metalle waren 2019 laut Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer der Stabilitas GmbH auf Jahressicht im Plus. Edelmetalle legten jeweils zweistellig zu: Silber gewann 15 Prozent und lag Ende Dezember 2019 bei 17,86 US-Dollar je Feinunze. Gold beendete das Jahr 2019 mit 1.517 US-Dollar, was einem Plus von 18,1 Prozent auf Jahressicht entspricht. Das Jahreshoch von 1.552 US-Dollar wurde im September 2019 erreicht.

Rohstoff-ETFs

Institutionelle Investoren können auch in Form von ETFs in Rohstoffe Investieren. Diese funktionieren mithilfe von Futures-Kontrakten: Die Entwicklung von Rohstoffpreisen wird abgebildet, ohne, dass der Rohstoffhändler seine tatsächliche, physische Lieferpflicht erfüllen muss. Durch die Glattstellung (Offsetting) der Verträge hält somit der institutionelle Investor den Rohstoff zu keinem Zeitpunkt tatsächlich in der Hand.

Rohstoff-Aktien

Rohstoffaktien sind  Aktien von Unternehmen, die Rohstoffe fördern oder verkaufen. Beispiele hierfür sind Mineralölgesellschaften, Goldminen-Betreiber oder Salzförderer. Zu den handelbaren Rohstoffen zählen Edelmetalle, aber auch Rohöl oder Erdgas.

Ob eine Rohstoffaktie erfolgreich ist, hängt davon ab, wie sich der Rohstoffpreis entwickelt. Steigt dieser, ist dies zunächst gut für das Unternehmen, welches damit handelt: Durch den Verkauf kann es höhere Einnahmen erzielen und dadurch steigt in der Regel wiederum der Aktienkurs. Somit bieten Rohstoffaktien theoretisch gute Renditechancen. Es gibt allerdings ein Risiko: Auf lange Sicht kann ein hoher Preis sich negativ auf die Nachfrage nach dem Rohstoff auswirken. Denn wenn zum Beispiel Salz überdurchschnittlich teuer wird, gibt es weniger Käufer.

Rohstoff-Investments: Vorteile

Rohstoffe haben einen realen Wert. Zudem sind sie nur begrenzt verfügbar. Der Preis entwickelt sich dabei nicht zwangsläufig mit Wertpapieren, sondern ist zum Beispiel abhängig von der Inflation. Zudem steigt die Nachfrage nach Rohstoffen zum Beispiel durch Industrialisierung in Schwellenländern. Wie risikobereit man dabei agiert, hängt von den jeweiligen Rohstoffen ab. Während in Krisenzeiten viele Investoren auf Gold als sicheren Hafen setzen, gelten Industriemetalle eher als riskant. Vor der Weltwirtschaftskrise hatten Metalle wie Kupfer, Nickel und Blei noch deutlich zugelegt, die Preise waren 2008 aber eingebrochen.

Rohstoff-Investments: Risiken

Generell können Rohstoff-Investments eine hohe und kurzfristige Volatilität aufweisen. Politische und regulatorische Faktoren oder sogar Wetterbedingungen können sich negativ auf Rohstoffpreise auswirken. Zudem können auch ökologische und ethische Bedenken Gründe gegen ein Rohstoff-Investment sprechen.

Kein anderer Industriezweig ist wohl im Zuge des ESG-Trends so stark in den Fokus gerückt wie die Erzeugung und Verbrennung von Deutschlands einst wichtigstem Energieträger: Kohle. Institutionelle Investoren sollten also lieber zweimal hinschauen, wenn zu viele Wertpapiere auf den geschmähten Brennstoff im Portfolio sind. Rohstoffe eignen sich für institutionelle Anleger somit in erster Linie zur Portfolio-Diversifikation.

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