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Redaktioneller Hinweis:
Dieser Artikel erschien erstmals in der dpn-Print-Ausgabe 1/2026. Redaktionsschluss war der 30.01.2026.
PAUL JACKSON, GLOBALER MARKTSTRATEGE, INVESCO
1. Können sich Gold und Silber vom Risikohedge zu einem Renditetreiber für das institutionelle Portfolio entwickeln?
In letzter Zeit haben Gold und Silber
eher zur Rendite beigetragen als zum
Schutz, da sich auch die meisten anderen Vermögenswerte gut entwickelt haben. Die Geschichte zeigt jedoch, dass sie eine Diversifizierung bieten, die eine wichtige strategische Rolle in Portfolios spielen könnte,
auch wenn die langfristigen Renditen tendenziell begrenzt sind.

2. Welche Strategie empfehlen Sie institutionellen Investoren, die ihr Rohstoff-Exposure ausweiten möchten?
Da wir mit einer Beschleunigung der Weltwirtschaft rechnen, bevorzugen wir zyklische Rohstoffe wie Energie und Industriemetalle. Außerdem stellen wir fest, dass Agrarrohstoffe real günstiger sind als üblich. Daher erscheint ein Engagement mit einer breiten Palette von Rohstoffen angemessen, beispielsweise durch breite Indizes.
3. Können Minenunternehmensaktien ihr ewiges Zukunftsversprechen renditeseitig einlösen?
Getrieben durch den Anstieg der Metallpreise, schnitten unter den globalen Sektoren die Grundstoffe im Jahr 2025 am besten ab. Aktien solcher Unternehmen gelten in der Regel als Hebel auf die Metallpreise, da die Gewinne schneller steigen als die Preise. Wenn Vertrauen in die Metallpreise besteht, erwarte ich auch eine gute Performance von Bergbauunternehmen.
II. MARION BALESTIER FONDSMANAGERIN FÜR ROHSTOFFE, OFI INVEST ASSET MANAGEMENT

1. Können sich Gold und Silber vom Risikohedge zu einem Renditetreiber für das institutionelle Portfolio entwickeln?
Edelmetalle sind Vermögenswerte, die keine laufenden Erträge abwerfen. Sie dienen dazu, die Portfolioallokation zu diversifizieren, was angesichts der derzeit hohen Korrelation von Anleihen und Aktien immer wichtiger wird. Die hohen Staatsschulden stellen insbesondere US-Staatsanleihen zunehmend in Frage und erhöhen das Interesse an Gold.
2. Welche Strategie empfehlen Sie institutionellen Investoren, die ihr Rohstoff-Exposure ausweiten möchten?
Investitionen in Rohstoffe können über drei Wege getätigt werden: physische Käufe durch Lageraufwand und Illiquidität, Aktien von Rohstoffproduzenten oder die direkte Anlage via ETCs und UCITS-Fonds. Letztere ermöglichen einen direkten Marktzugang ohne die spezifischen Nachteile durch physische Lagerung oder einzelne Unternehmensrisiken.
3. Können Minenunternehmensaktien ihr ewiges Zukunftsversprechen renditeseitig einlösen?
Bergbauunternehmen profitieren von derzeit hohen Metallpreisen, tragen aber (geo-)politische Risiken: Ressourcenreiche Länder fordern oft höhere Gewinnanteile durch Vertragsneuordnungen oder Betriebsübernahmen. Zudem belasten steigende Kosten. So kletterten die Goldförderkosten binnen zehn Jahren um 50 Prozent auf über 1.500 US-Dollar pro Unze in 2025.
III. JAMES JOHNSTONE, CO-HEAD EMERGING AND FRONTIER MARKETS TEAMS, REDWHEEL
1. Können sich Gold und Silber vom Risikohedge zu einem Renditetreiber für das institutionelle Portfolio entwickeln?
Gold und Silber werden zu Kernanlagen in einer Welt, in der die Glaubwürdigkeit von Fiat-Währungen schwindet. Sie wandeln sich von defensiven Anlagen zum aktiven Bestandteil strategischer Renditeportfolios. Angesichts fiskalischer Expansion in den Industrieländern bieten sie Schutz und Kapitalwertsteigerung.

2. Welche Strategie empfehlen Sie institutionellen Investoren, die ihr Rohstoff-Exposure ausweiten möchten?
Die Diversifizierung hat an Bedeutung gewonnen. Wir setzen auf gezielte Engagements in Rohstoffe, hinter denen Wachstumsthemen stehen: Energiewende, die Neugestaltung der Lieferketten und mehr Urbanisierung und Konsum in den Schwellenländern. Einher geht eine Ausrichtung auf Kupfer, Lithium, Uran und Edelmetalle. Wir versuchen, von den
physischen Engpässen zu profitieren.
3. Können Minenunternehmensaktien ihr ewiges Zukunftsversprechen renditeseitig einlösen?
Fundamentaldaten und Bewertungen von Bergbauaktien entwickeln sich positiv. Viele Unternehmen verbinden solide freie Cashflow-Renditen mit realen Vermögensoptionen auf Rohstoffpreise. Der Markt bewertet diese jedoch weiter unter Wert – zum Teil aufgrund der Erinnerungen an vergangene Zyklen. Für langfristige Anleger heißt dies: Cashflow heute
und Aufwärtspotential morgen.
IV. LUTZ WELGE, LEITER VERMÖGENSVERWALTUNG, BANK JULIUS BÄR

1. Können sich Gold und Silber vom Risikohedge zu einem Renditetreiber für das institutionelle Portfolio entwickeln?
Während sich Aktien als Beteiligungen an produktiven Assets über viele Jahre besser als Gold und Silber entwickelt haben, ändert sich dies seit 2024. Der relative Chart von Gold zum S&P500 hat beispielsweise im letzten Jahr wichtige technische Marken überwunden. Gold und Silber können marktphasenabhängig eine stärkere Wertentwicklung aufweisen.
2. Welche Strategie empfehlen Sie institutionellen Investoren, die ihr Rohstoff-Exposure ausweiten möchten?
Ein Ansatz kann darin bestehen, sich eine Kombination aus Edelmetallpositionen wie Gold und Silber zusammenzustellen, die von der angespannten geopolitischen Lage profitieren, und Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium, die durch einen Nachfrageüberhang unterstützt sind. Minenunternehmen können einen operativen Hebel auf die Entwicklung dieser Rohstoffe verfügen.
3. Können Minenunternehmensaktien ihr ewiges Zukunftsversprechen renditeseitig einlösen?
Die Versorgung mit kritischen Metallen ist Teil der nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Dies kann neben der Nachfrage aus der Elektrifizierung zu einem positiven Preismomentum bei Industriemetallen wie Kupfer oder Aluminium führen. Aufgrund knapper Kapazitäten und langer Vorlaufzeiten für neue Projekte sollten sich Mineninvestitionen im aktuellen Zyklus
auszahlen.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

