Der weltweit größte Asset Manager BlackRock tut‘s, die Bundesregierung auch und die EU will’s sowieso: raus aus der Kohle. Ist die Branche für Anleger damit verbrannt?

Kein anderer Industriezweig ist wohl im Zuge des ESG-Trends so stark in den Fokus gerückt wie die Erzeugung und Verbrennung von Deutschlands einst wichtigstem Energieträger. Institutionelle Investoren sollten also lieber zweimal hinschauen, wenn zu viele Wertpapiere auf den geschmähten Brennstoff im Portfolio sind:

  • „Wir werden uns von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten“, schrieb BlackRock CEO Larry Fink in seinem diesjährigen Brief an CEOs.
  • Der Bund und die Länder mit Braunkohle-Anbau haben sich am späten Mittwoch darauf geeinigt,  Kohlekraftwerke wohl schon bis 2035 vom Netz zu nehmen. Die Kohlekommission hatte zuvor das Jahr 2038 vorgeschlagen.
  • Die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen setzt in ihrem „Green Deal“ ebenfalls einen Fokus auf den Ausstieg von der Kohleverstromung. 100 Milliarden Euro sollen demnach für Regionen in Europa bereit gestellt werden, die durch die Energiewende betroffen sind – etwa die Kohleregionen Lausitz und das Rheinland.
  • Die Versicherungsbranche prescht ebenfalls vor: Die Zahl der Versicherer, die sich aus dem Versicherungsschutz für Kohle zurückziehen, hat sich 2019 mehr als verdoppelt, berichtet die Initiative „Unfriend Coal“. 17 der weltgrößten Versicherer, die zusammen 46,4 Prozent des Rückversicherungsmarktes und 9,5 Prozent des Erstversicherungsmarktes ausmachen, haben demzufolge den Ausstieg aus der Kohle angekündigt.

Und welche Branchen stehen noch in einem schlechten ESG-Licht?

  • Fossile Brennstoffe allgemein: Nicht nur Kohle, auch Öl und Erdgas stehen immer häufiger auf der schwarzen Liste der Investoren. So kündigte BlackRock neue Anlageprodukte an, die Investments in fossile Brennstoffe ganz ausschließen.
  • Petrochemie: Hohe Emissionen, und dann noch die Sache mit dem Kunststoffmüll…
  • Bekleidungsindustrie:  Sie ist für 20 Prozent der weltweiten industriellen Wasserverschmutzung verantwortlich, sagt Mark Lewis, Leiter Nachhaltigkeitsforschung bei BNP Paribas Asset Management, im dpn-Gespräch.
  • Lebensmittelsektor: Er werde im Zusammenhang mit Entwaldung und Biodiversität weiter in den Mittelpunkt rücken, ist sich Lewis sicher.
  • Pharmasektor: Unternehmen, die den Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten verteuern, oder etwa mit der US-Opiodkrise in Verbindung stehen, fallen ebenfalls in der Investorengunst.

 

 

 

 

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