Von steigenden Aktienmärkten zu profitieren, bei fallenden Kursen jedoch nach unten abgesichert zu sein, scheint der Traum institutioneller Investoren zu sein. Doch Wandelanleihen haben auch ihre Kehrseite. In der Krise zeigen sie sich aber stabiler als andere Anlageklassen.

Wandelanleihen haben sich in der Corona-Krise bisher gut geschlagen. Die Nachfrage der institutionellen Anleger ist ungebrochen. Im Jahr 2020 verzeichnete der Wandelanleihenmarkt das drittgrößte Neuemissionsvolumen seit Beginn der Datenerfassung 2003. Auch dieses Jahr scheint sich der Wachstumskurs fortzusetzen. Erst im April kühlte sich das Emissionsgeschehen etwas ab, so Stefan Krause, Experte für Wandelanleihen bei Swisscanto Invest.

Einzelne Neuemission wiesen ein Volumen von über einer Milliarde US-Dollar auf, so beispielsweise die Papiere von Ford, Spotify oder auch Twitter. Und so gut wie jede Wandelanleihe war vollständig gezeichnet, was die die hohe Nachfrage der institutionellen Investoren unterstreiche.

“Mittlerweile macht es sich jedoch bemerkbar, dass die professionelle Anlegerschaft eine unattraktive Prämienausgestaltung nicht mehr akzeptiert”, sagt Krause. Insofern sei der Wandelanleihenmarkt kein Selbstläufer mehr für Emittenten. Aufgrund der Emissions-Entwicklungen in 2020 und 2021 liege der Wandelanleihenmarkt, der generell zwischen 500 und 600 Milliarden US-Dollar pendelt, aktuell am oberen Ende des Korridors.

“Für Wandelanleihen-Investoren ist die Neuemissionsflut einerseits vorteilhaft in punkto Diversifikation, andererseits drückt sie auf Kurse bestehender Titel. Deren Bewertungen sind häufig von fair auf nun günstig gestuft worden”, so Krause.

Renditen noch leicht im Plus

Die Rendite im Jahr 2021 wurde allerdings nach dem guten Jahresauftakt wegen der Korrektur bei Technologie-Werten, die sehr stark im Wandelanleihen-Universum vertreten sind, gedrückt. Dennoch ist sie im Vergleich zum Jahresbeginn aktuell leicht im Plus.

“Unter der Voraussetzung weiterhin stabiler Aktienmärkte erwarten wir ein solides Wandelanleihenjahr auf dem Niveau des langjährigen Durchschnitts. Dies erscheint trotz aller Risiken möglich”, sagt Krause.  “Es bleibt dabei: sowohl für Anleger, die ihr Aktienexposure angesichts der Höchststände reduzieren möchten, als auch für Fixed Income-Investoren im Niedrigzinsumfeld sind Wandelanleihen eine sinnvolle Alternative.“

Wandelanleihen kombinieren die Risiko-Eigenschaften einer herkömmlichen Unternehmensanleihe mit dem Renditepotenzial einer Aktie. Das bedeutet: Der Investor legt sein Kapital in einer Anleihe an und sammelt regelmäßig die vereinbarten Zinsen ein. Bloß hat er bei der Wandelanleihe – im Gegensatz zum gewöhnlichen Produkt – zu einem bestimmten Zeitpunkt die Option, auf die Kapitalrückzahlung zu verzichten. Der Anleger kann die Wandelanleihe stattdessen in Aktien umwandeln.

Wandelanleihen versprechen Renditepotenziale bei gleichzeitigem Kapitalschutz

Mit dieser Eigenschaft soll sich die Wandelanleihe gerade in Zeiten, zu denen die Aktienmärkte besonders volatil sind, rentieren. Steigen die Aktienpreise, so wird es für den Investor immer lohnender, in Wandelanleihen zu investieren. Denn es besteht die Aussicht, zum Wandlungszeitpunkt die Anleihe in wertvollere Aktien zu tauschen und somit einen Gewinn einzufahren. Da sich die Aktien sogleich verkaufen lassen, erhält man den Gewinn unmittelbar.

Sinken während der Haltezeit die Aktienkurse, kann sich der Investor immer noch auf die Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des Kapitals durch den Emittenten der Wandelanleihe verlassen. In dem Fall, in dem die Wandlungsoption nicht gezogen wird, verhält sich die Wandelanleihe wie ihr herkömmliches Pendant.

„Wandelanleihen eignen sich besonders für Investoren, die auf Aktien-Exposures setzen, zugleich aber von defensiven Eigenschaften traditioneller Anleihen profitieren wollen“, kommentiert Marc Basselier, Head of Convertible Bonds bei der Union Bancaire Privée (UBP). „Auf lange Sicht bieten Wandelanleihen Aktien-ähnliche Renditen, dafür aber eine signifikant niedrigere Volatilität sowie eine Absicherung nach unten hin. Zudem sind sie nicht so anfällig für Zinsänderungen.“

Dieses Profil lockt vor allem institutionelle Investoren an: Vorsorgeeinrichtungen etwa sind nur in eingeschränktem Maße bereit, hohe Verlustrisiken beim Anlegen – wie zum Beispiel bei reinen Aktieninvestments – einzugehen. Versicherungen und Pensionskassen sind mit Wandelanleihen daher auf der sicheren Seite, da sie ihr angelegtes Kapital nicht verlieren und die Zinserträge kassieren.

Entwickelt sich der Markt positiv, so besteht die Möglichkeit, das Renditepotenzial noch besser auszuschöpfen – und das vor dem Hintergrund eines gleichbleibenden Risikos.

Hauptrisiko bei Wandelanleihen: Kapitalverlust durch Kreditrisiken

Das klingt verlockend? Wie jede Asset-Klasse bleiben aber auch Wandelanleihen mit Blick auf Nachteile und mögliche Risiken nicht verschont. Zunächst bringt die Wandelanleihe dieselben Risiken wie eine traditionelle Unternehmensanleihe mit. Wird der Emittent etwa zahlungsunfähig, verhält sich die Wandelanleihe nämlich wie ein Kredit. In diesem Szenario sind die Kapitalrückzahlung sowie die Zinszahlungen an den institutionellen Investor nicht mehr gewährleistet.

Hinzu kommt: Die Absicherung gibt es nicht kostenlos. Tendenziell sind Wandelanleihen wegen Prämien- oder Aufschlagszahlungen teurer als herkömmliche Anleihen. Zugleich versprechen sie niedrigere Zinsen als Unternehmensanleihen. Erhöht das Unternehmen vor der Wandlung außerdem seine finanziellen Mittel, kommt es zu einer Kapitalverwässerung.

Des Weiteren sollte der Investor genau auf die Produktbeschreibung achten. Falls nämlich keine Wandlungsoption, sondern eine Wandlungspflicht – und diese vielleicht noch zu einem festen Zeitpunkt – besteht, drohen massive Verluste, wenn die Aktienkurse eingebrochen sind und der Investor gezwungen ist, seine Anleihen zu einem schlechteren Kurs zu tauschen.

Zuletzt sollte jeder institutionelle Investor vor Augen haben, dass Wandelanleihen Aktieninvestments nicht ersetzen. Sie sind lediglich eine defensive Alternative, um von der Volatilität der Aktienmärkte zu profitieren, ohne das gleiche Risiko eines Aktienkaufs einzugehen.

 

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