Der Kunstmarkt stellt Family Offices vor Herausforderungen: Die Sorge vor Fälschungen und Intransparenz erschweren den Einstieg. Die langfristige Performance der Assetklasse kann sich indes sehen lassen.

Kunstinvestments präsentierten sich in der Finanzkrise stabiler als Aktien oder Immobilien. Und doch strömen institutionelle Gelder dieser Assetklasse nicht in demselben Maße zu. „Während der Liquiditätsschwemme der letzten Jahre hat sich das Gesamtvolumen der Kunstinvestments – anders als in anderen Anlageklassen – nicht wesentlich erhöht. Die Informationsasymmetrie erschwert institutionellen Investoren, die sich sonst auf Due Dilligence-Verfahren verlassen, den Einstieg“, sagt Dr. Arne Freiherr von Neubeck, Geschäftsführender Gesellschafter der The Global Fine Art GmbH.

Ohnehin spielt die Musik nicht in Kontinentaleuropa. Laut dem „Global Art Market Report 2020“ der Art Basel und UBS entfielen 82 Prozent der weltweiten Transaktionen im Jahr 2019 auf die Schwergewichte USA, Vereinigtes Königreich und China. Wenngleich die USA mit Blick auf die reinen Zahlen weiterhin mit großem Abstand Platz 1 auf dem Kunstmarkt einnehmen, so wird das Duell um den wichtigsten Handelsplatz in den nächsten Jahren laut von Neubeck zwischen den USA und China ausgetragen werden.

Insgesamt summierten sich die Verkäufe von Kunst und Antiquitäten im Jahr 2019 auf einen geschätzten Wert von 64,1 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht tatsächlich einem Rückgang von 5 Prozent gegenüber 2018 und bringt den Markt wieder zurück auf etwas über das Niveau von 2017. Insgesamt beläuft sich die Marktgröße laut dem Deloitte „Art and Finance Report 2019“ allerdings auf stolze 1,74 Billionen US-Dollar.

Die durchschnittliche Performance eines Kunstinvestments liegt bei zirka 7 Prozent bei einer durchschnittlichen Haltedauer von knapp über 12 Jahren, wie von Neubeck mit Bezug auf Untersuchungen ausführt. Der Experte empfiehlt einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahren.

Preise noch stabil, aber Volumina sinken wegen Corona

Natürlich bricht auch bei einer gesamtwirtschaftlichen Rezession wie 2008/2009 oder in der aktuellen Corona-Krise Nachfrage weg. Zurzeit leidet der Markt etwa durch den Ausfall wichtiger Branchenveranstaltungen wie beispielsweise der Art Basel Hong Kong. Wenn sich Angebote und Nachfrage nicht treffen können, geht auch das Transaktionsvolumen zurück. Alles in allem präsentiert sich die Assetklasse in der Breite aber weniger volatil als andere. Extreme Überhitzungen und tiefe Abstürze wie am Kapitalmarkt sind bei den führenden Branchenindizes wie dem artnet Index der Top 100 Künstler nicht zu sehen.

„Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Kunstmarkt hart von den Folgen und Einschränkungen von Covid-19 getroffen wird. Sämtliche wichtige Messen sind abgesagt, abgebrochen oder verschoben worden“, so von Neubeck. Das gleiche gelte für die wichtigen Auktionen, denn kein Haus möchte eine Schlüsselauktion in wirtschaftlich völlig unklarem Umfeld durchführen. „Insofern wird das Jahr 2020 sicher ein sehr schwieriges und viele Galerien, vor allem auch kleine, werden diese Phase leider nicht überstehen. Die Preise angebotener Werke fallen im Moment noch nicht, aber das gehandelte Volumen geht eben stark zurück. Deswegen könnte die Krise zu einer Relativierung übertriebener Preise beitragen. Zweifelsfrei wird sich der Kunstmarkt nach überstandener Krise wieder erholen, möglicherweise schneller als wir es uns derzeit, im Krisenmodus befindlich, vorstellen können“, so die Einschätzung des Experten.

Fondsmarkt in chinesischer Hand

Weltweit gab es in der Spitze 115 Kunstfonds, die meisten davon in China. Seit diesem Höhepunkt im Jahr 2012 waren die Zahlen aber stark rückläufig und so spielt in Europa diese Form des Art-Investments fast keine Rolle mehr.
Ein Problem liegt in der Natur der physischen Kunstinvestition. In der Regel wird eine Buy and Hold-Strategie verfolgt. Die Buchwerte akkumulieren sich dabei idealerweise – doch schwieriger wird es mit der Liquidation. Denn nicht jedes Schlüsselwerk im Portfolio lässt sich jederzeit verkaufen. Deloitte bemängelt die Transparenz in diesem Segment. Kunstfonds haben sich aus der Öffentlichkeit in private Kreise zurückgezogen, so das Fazit der Experten.

Blockchain-Technologie verändert Kunstinvestments

Abhilfe zu diesen Problemen soll der digitale Handel bringen. Statt des Gemäldes oder der Statue erwirbt der Anleger lediglich Anteile an einem Kunstwerk. Möglich macht dies die so genannte Tokenisierung und der anschließende Blockchain-basierte Handel dieser digitalisierten Vermögenswerte.

Weitere Pluspunkt dieser Sammelstrategie: Das Portfolio kann diversifiziert werden. Warum denn alles auf einen Picasso setzen, wenn auch ein bisschen französischer Impressionismus und US-amerikanische Popkunst dem Portfolio beigemischt werden kann? Lösen lässt sich auf diesem Wege auch das Problem mit der langen Haltedauer, mit dem Investoren bei illiquiden Anlagen konfrontiert sind.

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