Laut Nik Hardingham von Franklin Templeton Fixed Income sollten institutionelle Investoren bei der Auswahl von Emerging Market Debt genau hinschauen. So bieten sich viele Chancen in dem Investment-Universum, allerdings wird sich die Kluft zwischen den einzelnen Ländern vertiefen.

Einige Indikatoren sprechen für Emerging Markets: So prognostiziert der Internationale Währungsfonds den Schwellenländern für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von durchschnittlich 6 Prozent. Besonders hervor sticht China, dessen Wirtschaftswachstum sich um 8,2 Prozent beschleunigen dürfte. Das Reich der Mitte ist wegen des hohen Importbedarfs gerade für rohstoffabhängige Volkswirtschaften besonders wichtig. Im Vergleich dazu werden Industrieländer den Erwartungen zufolge um knapp 4 Prozent Wachstum sehen.

Aber auch das Zinsniveau spricht für das Gros der Emerging Markets. Alles in allem werfen beispielsweise Staatsanleihen von Schwellenländern jährlich rund 4 Prozent höhere Renditen ab als als Staatsanleihen von Industrieländern. Daher bleiben laut Hardingham diese Titel durchaus interessant für institutionelle Investoren.

Aber auch Unternehmen aus den Schwellenländern geben durchaus attraktive Anleihen aus. Sie zahlen in der Regel höhere Zinssätze als Unternehmen aus Industrieländern, und haben zudem im Schnitt sogar bessere Kreditratings. Einige dieser Unternehmen sind zudem staatlich besichert, wie etwa der brasilianische Ölkonzern Petrobras oder der chinesische Online-Händler Alibaba. Diese Widerstandsfähigkeit gegenüber der Covid-19-Krise wird den Markt für Unternehmensanleihen aus Emerging Markets nach Einschätzung von Hardingham im Jahr 2021 ankurbeln.

Kluft zwischen Emerging Markets vertieft sich

Allerdings werde sich die Kluft zwischen diesen Ländern in den kommenden Monaten vertiefen. Insgesamt sind die Emerging Markets gut ins Jahr 2020 gestartet. Doch als Folge der Coronakrise werden nach Einschätzung von Franklin Templeton einige Länder im Jahr 2021 besser abschneiden als andere.

Gut aufgestellt sind etwa Chile und Polen. Die Regierungen verfügen über genügend Puffer, um höhere Defizite zu finanzieren und die Schuldenstände auf einem tragbaren Niveau zu halten.

Anders sieht es aus bei den Volkswirtschaften, die bereits vor der Krise einen hohen Schuldenstand aufwiesen und große Teile des Haushalts für Zinszahlungen aufwenden müssen. Dies schränkt die Möglichkeit für höhere Staatsausgaben ein. Allerdings sind die Kapitalmärkte dieser Länder – zu dieser Gruppe zählt Hardingham beispielsweise Südafrika und Brasilien – gut entwickelt. Die Verschuldung in Fremdwährung ist vergleichsweise gering.

Dann gibt es wiederum eine dritte Ländergruppe, deren Fremdwährungsreserven deutlich unter der Auslandsverschuldung liegen. Bereits vor Ausbruch der Coronakrise waren diese Länder mit hohen Rückzahlungsverpflichtungen konfrontiert, häufig in einem ohnehin schwachen konjunkturellen Umfeld. Der Covid-19-Schock hat die Krise verschärft, teilweise ist die Finanzierung über Privatkapital versperrt. Zu dieser Gruppe gehören etwa Sri Lanka oder Surinam.

Breites Spektrum an Risiko-Ertrags-Profilen bei Schwellenländern

Laut Franklin Templeton weitet sich das Spektrum der Risiko-Ertrags-Kombinationen in diesem Umfeld deutlich aus. Bei der Zusammenstellung des institutionellen Portfolios sei daher eine gründliche Analyse der Chancen und Risiken der einzelnen Anleihen nötig.

Zudem gelte es, Extremrisiken im Auge zu behalten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts, beispielsweise am Persischen Golf oder im Südchinesischen Meer? Werden mehr Länder die Schuldenstopp-Initiative „Debt Service Suspension Initiative“ (DSSI) der G20 nutzen? In wie fern beträfe dies private Anleger?

Lesen Sie mehr zum Thema Emerging Markets in der dpn-Ausgabe Dezember 2020 / Januar 2021. Die dpn-Umfrage zum Thema Emerging Markets finden Sie hier. Auch beim dpn-Roundtable Emerging Markets hieß es: Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland.

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