Dr. Holger Sepp, im Vorstand des Privatbankhauses Hauck & Aufhäuser unter anderem verantwortlich für das Kerngeschäftsfeld Asset Servicing, zu den Trends im Verwahrstellengeschäft.

Laut der kürzlich veröffentlichten Verwahrstellenstatistik des BVI ist das von Depotbanken verwahrte Vermögen deutscher Fonds im Jahr 2019 um rund 16 Prozent gestiegen. Geht die Wachstumsstory vor dem Hintergrund der Corona-Krise auch in 2020 weiter?

Die Nachfrage nach Asset-Servicing-Dienstleistungen im Allgemeinen und nach Verwahrstellen im Speziellen steigt auch weiterhin – wenngleich durch das Coronavirus etwas gebremst. Wir beobachten sowohl für Financials als auch für Real Assets derzeit keinen Einbruch des Geschäfts, auch wenn die Volumina im Bereich der Financial Assets marktbedingt im März zirka 15 Prozent verloren haben. Im vergangenen Jahr hat insbesondere die Verwahrung von Sachwerten überproportional zugelegt. Hier gehen wir auch für das laufende Jahr weiterhin von einem starkem Wachstum aus.

Welche Auswirkungen der Corona-Krise beobachten Sie im Verwahrstellengeschäft?

Wie in vielen anderen Wirtschaftsbereichen auch, war gerade zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland eine gewisse Unsicherheit an den Kapitalmärkten seitens unserer Kunden zu beobachten. Das ist aber ganz natürlich und die Situation hat sich mittlerweile beruhigt und stabilisiert. Viele Vermögensverwalter haben in dieser Phase schnell und vor allem weitsichtig reagiert, um sich und ihre Kunden zu schützen. Noch ist es aber zu früh, um erste Aussagen zu der gesamten Entwicklung des Verwahrstellengeschäfts zu treffen. Mögliche Konsequenzen für uns und unsere Kunden werden wir vermutlich erst in einigen Wochen erfassen können.

Wie ist die strategische Ausrichtung von Hauck & Aufhäuser? Wo liegen Ihre Schwerpunkte?

Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die weitere Internationalisierung unserer Geschäftsbereiche – besonders im Bereich Asset Servicing. Im April dieses Jahres haben wir die Vertriebszulassung für einen unserer Fonds in Hongkong erhalten. Zukünftig wollen wir auch unsere Drittfondspartner bei der Zulassung ihrer Produkte in Hongkong unterstützen. Mit der Akquisition von Crossroads Capital Management Limited (CCM) im Juni 2019 wollen wir zudem den Ausbau unserer Dienstleistungen in Irland vorantreiben. Irland ist mit 2,7 Billionen Euro Assets under Administration nach Luxemburg der zweitgrößte Asset-Servicing-Markt in Europa. Dort beabsichtigen wir, neben der ManCo-Funktion von CCM auch eine Fondsadministration sowie eine Verwahrstellenlösung aufzubauen, um so auch in Irland eine One-Stop-Shop-Lösung anzubieten.

Die weitere Digitalisierung ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Datenerfassung und -evaluation (mit Hilfe von künstlicher Intelligenz) und Prozessverbesserung (mit Hilfe von Robotics Processing Automation) sind hier wichtige Bestandteile des technologischen Fortschritts für Asset Servicing. So können wir langfristig den digitalen Bedürfnissen der Vermögensverwalter gerecht werden. Mittels Analyse, Aufbereitung und Weitergabe der Daten können wir unseren Kunden dabei helfen, ihr eigenes Geschäft zu verbessern und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Gleichzeitig arbeiten wir auch an Lösungen, die sich mit weiterführenden Technologien wie Distributed Ledger Technologie (DLT), Blockchain und Kryptoassets befassen. Hier eröffnet sich für Verwahrstellen ein neuer, hochinteressanter Markt.

Wie nehmen Sie das Interesse der institutionellen Anleger in den Bereichen Blockchain und Kryptoassets wahr?

Wir beobachten ein überproportional steigendes Interesse in diesem Bereich. Dies ist auf die stetig steigenden Möglichkeiten zur Tokenisierung von Assetklassen zurückzuführen. Dies bietet ein nahezu grenzenloses Anlageuniversum, das vor allem durch die kostengünstigen Prozesse für Investoren sehr attraktiv ist. Einzig in der Regulatorik gilt es noch einige Punkte zu klären, denn derzeit gibt es noch keine allumfassende und klare Gesetzgebung für institutionelle Investoren. Diese können momentan rein rechtlich noch nicht alle Investitionsmöglichkeiten ausschöpfen – sonst wäre das Interesse vermutlich noch viel größer.

In unserer Umfrage 2019 nannten Sie unter anderem das Stichwort ESG-Reporting als stark von institutionellen Investoren nachgefragt. Welche Fortschritte haben Sie in dem Bereich im letzten Jahr gesehen? Wo sind die Stolpersteine?

Hier ist insbesondere Frankreich ein Vorreiter und hat in einem Energiewendegesetz institutionelle Anleger verpflichtet, Informationen darüber zu veröffentlichen, wie sie die ESG-Kriterien hinsichtlich der Zielsetzungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung in ihrer Anlagepolitik berücksichtigen. In Deutschland ist dies noch nicht genau geregelt und die ESG-Kriterien sind noch nicht einheitlich definiert. Auch bei uns werden Asset Manager zukünftig die Einhaltung der Kriterien sicherstellen müssen, die Verwahrstellen werden diese im Sinne der Anlagerichtlinien kontrollieren. Wie sich die Umsetzung jedoch gestaltet, ist derzeit noch nicht klar.

Welche regulatorischen Themen beschäftigen Sie zurzeit am stärksten?

Zum Januar 2020 wurde das Kryptoverwahrgeschäft als neue Finanzdienstleistung in das Kreditwesengesetz (§ 64y KWG) aufgenommen. Das Gesetz sieht eine Lizensierung der Verwahrstellen durch die BaFin vor, der Weg durch das Lizenzverfahren ist jedoch für alle Marktteilnehmer mit großen Anstrengungen verbunden.

Im Rahmen der europäischen Verordnung über Wertpapierzentralverwahrer (CSDR) werden zudem in der zweiten Jahreshälfte 2020 harmonisierte Normen zur Steigerung der Abwicklungsdisziplin für alle CSDs in der Europäischen Union eingeführt. Dazu gehören zum Beispiel Strafzahlungen bei Lieferverzügen, sowie verpflichtende Eindeckungsgeschäfte.

Auch das Gesetz zur Umsetzung der zweiten Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II) hat Auswirkungen für Verwahrstellen. Als Intermediäre sind diese zu einer Verwendung gemeinsamer Formate für die Übermittlung von Daten und Mitteilungen verpflichtet und müssen sich an die neuen Vorgaben anpassen.

Welche weiteren Trends lassen sich aktuell am Verwahrstellenmarkt beobachten?

Die Branche unterliegt nach wie vor einem zunehmenden Wettbewerbs- und Margendruck, der durch Corona natürlich noch verstärkt wird. Daher ist es gut denkbar, dass der Trend zur Konsolidierung am Markt noch deutlicher wird. Vor zehn Jahren waren auf dem deutschen Verwahrstellenmarkt rund fünfzig Häuser aktiv, heute sind es rund vierzig. Ein Grund dafür sind die strengeren regulatorischen Anforderungen an Verwahrstellen und der gestiegene Investitionsbedarf in Technologie und Innovation. Die heutigen Marktteilnehmer müssen sich regelmäßig auf veränderte Kundenbedürfnisse einstellen, ihre Betriebsmodelle anpassen und kontinuierlich in Technologie investieren, um mittel- und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei sollten sie Trends in den Anlageklassen wie etwa die Zunahme im Bereich Real Assets und Kryptowährungen genau verfolgen, um mögliche Alternativstrategien zu entwickeln und Differenzierungspotenziale zu nutzen.

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