Die Regulierung des Kryptoverwahrgeschäfts schafft erstes Vertrauen. Doch die Recherche unter institutionellen Anlegern in Deutschland zeigt: Die Zweifel an der Sicherheit von Investments in Kryptowerte sind noch groß.

Die Blockchain ist politisch gewollt. Die Bundesregierung hat das Potenzial erkannt und will es gezielt nutzen. Deutlich wurde es schon im Koalitionsvertrag aus 2018. Das Ziel ihrer Blockchain-Strategie: Deutschland als digitalen Standort massiv zu stärken und zu unterstützen. Erreicht werden kann das zunächst nur mit eindeutigen und stabilen Rahmenbedingungen. Der erste Schritt in diese Richtung ist getan: Das Kryptoverwahrgeschäft ist als neue Finanzdienstleistung in das Kreditwesengesetz (KWG) aufgenommen worden. Seit Januar 2020 müssen Unternehmen und Finanzintermediäre, die das Kryptoverwahrgeschäft anbieten oder künftig anbieten wollen, eine Erlaubnis der Bundesfinanzaufsicht (BaFin) beantragen. Die Frist läuft noch bis November 2020.

Nach Paragraph 1 des Kreditwesengesetzes erfüllt den gesetzlichen Tatbestand des Kryptoverwahrgeschäfts, wer Kryptowerte oder private kryptografische Schlüssel, die dazu dienen, Kryptowerte zu halten, zu speichern oder zu übertragen für andere verwahrt, verwaltet und sichert. Mehr als 40 Unternehmen haben bereits formlos und unverbindlich mitgeteilt, dass sie das Krypto-Verwahrgeschäft derzeit erbringen oder künftig erbringen wollen, teilt die BaFin auf dpn-Nachfrage mit. Daneben sind auch förmliche Absichtsanzeigen und Erlaubnisanträgen eingegangen.

Rechtssicherheit in Deutschland zieht auch Custodians aus dem Ausland an

Unter den Antragstellern ist auch das Schweizer Unternehmen Crypto Finance mit seiner Tochtergesellschaft Crypto Storage Deutschland. Das Tochterunternehmen betreibt in Deutschland das Kryptoverwahrgeschäft. Die Crypto Finance Gruppe, die die drei Bereiche Asset Management, Brokerage und Storage Technologie abdeckt, ist in diesen Bereichen seit etwa zwei Jahren Vorreiter in der Schweiz. Im Bereich Storage haben sie bereits elf klassische Schweizer Banken an Bord. Was zeigt, dass sich auch Banken zunehmend an den sich wandelnden Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten und sich der Blockchain-Technologie peu á peu öffnen.

„Wenn aber der Markt in Europa wächst, mit Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien, dann ist der Schweizer Markt ein kleiner Teich dagegen“, sagt Jan Brzezek, CEO der Crypto Finance AG. Sollte es zu einem Durchbruch im institutionellen Bereich kommen, wäre der europäische Markt sehr groß. Ein Grund für die Crypto Finance AG, sich vorausschauend internationaler aufzustellen. „In Deutschland haben wir mit der Änderung des Kreditwesengesetzes nun Rechtsklarheit“, erklärt Brzezek den Schritt, ins Nachbarland zu gehen. Mit Sitz in Frankfurt bietet das Unternehmen erstmals selbst den Verwahrservice an, im Gegensatz zur Technologie, welche aus der Schweiz vertrieben wird.

„Wir haben eine funktionierende Technologie, die seit zwei Jahren bei Banken im Einsatz ist“, so Jan Brzezek weiter. Er sieht sein Unternehmen dadurch im Vorteil. Die patentierte Lösung für die Verwahrung von Krypto-Assets vertreibt das Unternehmen an Finanz-Intermediäre, wie regulierte Banken und Family Offices. Auf der Storage-Technologie wird bereits ein dreistelliger Millionenbetrag verwahrt.

Die nötige Infrastruktur ist da

Institutionelle Investoren können schon heute auf rechtlich sichere Weise in Kryptowährungen investieren. Möglich ist das etwa auf der Plattform Digital Exchange (BSDEX), hinter der mit der Börse Stuttgart eine traditionelle Wertpapierbörse steht. Zwar bewegen sich die Angebote für institutionelle Investoren derzeit noch in einem kleineren Rahmen, die Infrastruktur entwickelt sich aber kontinuierlich weiter.

Kryptowährungen könnten gerade auch in Zeiten von Inflation und Wirtschaftskrise, wo nachweislich knappe Güter nachgefragt werden, interessante Assets sein. „Die technische Architektur der Bitcoin ist analog zur Architektur von Gold“, erklärt Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt Finance School im Interview mit dpn. „Bitcoin ist ein knappes Asset wie Gold. Wer heute Gold kauft, könnte künftig Bitcoin kaufen.“ Dem vielfach verwendeten Argument, Kryptowährungen unterliegen starken Schwankungen, weshalb Investments riskant seien, entgegnet Sandner vehement: „Auch Aktien sind enorm volatil, selbst ohne Krise.“

Um aber die Faszination rund um den Bitcoin nachvollziehen zu können, müsse man sich eingehend mit der Thematik beschäftigen. „Das Thema ist technisch diffizil und nicht über Vorträge und Beratungen allein zu verstehen ist. Um Kryptowährungen zu verstehen, muss man sich intensiv damit beschäftigen und investieren: Kaufen Sie für 100 Euro Bitcoin und Sie merken, wie es operativ und technisch funktioniert“, sagt er. Wer sich jetzt keine Zeit für nehme, verpasse den Zug.

Investoren zweifeln noch an Sicherheit

Obschon die Regulierung des Kryptoverwahrgeschäfts erstes Vertrauen schafft, zeigt die Recherche unter institutionellen Anlegern in Deutschland: Die Zweifel an der Sicherheit von Investments in Kryptowerte sind noch groß.

„Ein konkretes operatives Risiko sehen wir darin, dass Wallets, in denen Kryptowährungen gehalten werden, gehackt werden können. Während – vereinfacht ausgedrückt – die Buchhaltung in der Blockchain selbst durch mathematische Methoden inhärent gesichert ist, kann die Identität des Wallet-Inhabers, also sein Private Key, hier zum Beispiel durch einfaches Ausspähen von Passwörtern gestohlen werden“, sagt Dr. Jörn Matthias Häuser, Vorstandsmitglied der Deutsche Oppenheim Family Office AG. Direkte Investments in Krypto-Assets hält er daher in den meisten Fällen für institutionelle Investoren für ungeeignet.

Die Blockchain-Technologie funktioniert über zwei Schlüssel, den Public Key und den Private Key. Soll Geld in eine bestimmte Wallet überwiesen werden, braucht es den Public Key. Dagegen ist der Private Key notwendig, um auf die Wallet selbst zuzugreifen und Transaktionen vorzunehmen. Geht der Private Key verloren, kann nicht mehr auf die Geldbörse zugegriffen werden – auch die Assets sind damit verloren.

„Wie sicher der Private Key ist, hängt von mehreren Faktoren ab“, erklärt Stijn Vander Straeten, CEO von Crypto Storage AG. Im ersten Schritt sei die Sicherheit des „Generators“ entscheidend, über den der Schlüssel generiert und verwahrt werde. „Wir machen das in einem Hardware-Security-Modul, ein abgeschlossenes Stück Hardware von Securosys. Diese Hardware wird auch von der Schweizer Nationalbank verwendet, um den Zahlungsverkehr abzusichern.“

Verschiedene Ansätze für Autorisierung von Transaktionen

Im weiteren Schritt stelle sich die Frage nach der Transaktionsautorisierung. Denn gleich wie sicher der Schlüssel verwahrt sei – er werde für jede einzelne Transaktion benötigt, um diese zu signieren. Bei Privatpersonen stellt dies grundsätzlich kein Problem dar. Bei einer Custody-Bank (respektive bei regulierten Finanz-Intermediären), die zwischen zwei bis drei Milliarden Euro verwahrt und Transaktionen über 200 Millionen Euro tätigt, kann das zu neuen Herausforderungen bei der Governance über die Transaktion führen. Hier gibt es verschiedene Ansätze die Transaktionsautorisierung umzusetzen, einerseits mittels Software oder Hardware.

„Wir haben eine Hardware-Lösung eingeführt und patentiert, auf die unser Bankkunde jede Transaktion noch einmal signieren muss“, so Stijn Vander Straeten. Dies trage dem Umstand Rechnung, dass bei Krypto-Transaktionen besondere Sorgfalt gewährleistet werden müsse, um operationelle Risiken zu minimieren. Die Kunden könnten ein beliebiges Approval-Framework definieren, indem sie etwa die Anzahl von Personen einer Gruppe bestimmen, die eine Transaktion genehmigen müssen. Die Hardware-Lösung lasse sich an die Governance-Struktur der Bank anpassen und könne gleichzeitig Cyber-Crime ausschließen, sagt Vander Straeten.

Steigt die Nutzerakzeptanz, wenn der Gesetzgeber nachzieht?

Wie sich Kryptowerte weiter entwickeln werden, hält Dr. Jörn Mathias Häuser, Deutsche Oppenheim, für nicht eindeutig vorhersehbar. „Neben der Entwicklung der Nutzerakzeptanz und der Weiterentwicklung der Technologie und der Geschäftsmodelle ist hierbei ein wesentlicher Faktor, wie Gesetzgeber, Regulatoren und Zentralbanken zukünftig in diesem Bereich agieren werden.“ Die Deutsche Oppenheim investiert derzeit in ihrer eigenen Vermögensverwaltung nicht in Kryptowerte oder in darauf basierende Finanzprodukte. Damit steht das Family Office nicht alleine da. Die Nutzerakzeptanz im institutionellen Markt könnte aber steigen, wenn der Gesetzgeber nachzieht.

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