Herr Martin, wie hat die Asset-Klasse Erneuerbare Energie in der Krise performt?
Bei Erneuerbaren Energien handelt es sich in der aktuellen Krise wahrscheinlich um die Asset-Klasse mit der besten Resilienz. Die Strompreise an den Spot-Märkten reagieren zwar infolge geringerer Stromnachfrage negativ, doch dieser Effekt dürfte temporär sein.
Ohnehin haben die Portfolios entweder noch einen hohen Anteil an Feed-In-Tarife, das heißt sie profitieren von staatlich garantierten Strompreisen, oder verfügen über langfristig kontrahierte Power Purchasing Agreements (PPA), also Stromabnahmeverträge. Dadurch ist der temporäre Impact gesunkener Strompreise nahezu nicht spürbar. Die Performance (IRR) unseres gemischten europäischen Core-Renewables-Portfolios etwa bleibt relativ stabil auf über 97 Prozent unserer Prä-Corona-Prognosen.
Durch die hohe Quote regenerativer Energien – im April lagen wir in Deutschland bei rund 60 Prozent – werden fossile Energieträger in der Stromproduktion weiter verdrängt. Die Krise wird diesen langfristigen Trend trotz aktuell niedriger Ölpreise nicht aufhalten.
Wie nehmen Sie aktuell das Interesse der institutionellen Anleger an dieser Asset-Klasse wahr?
Über Anlageklassen hinweg spüren wir starkes und weiter wachsendes Interesse der institutionellen Investoren an Erneuerbare-Energie-Assets, nicht zuletzt aufgrund der immer wichtiger werdenden ESG-Thematik.
Wie wird sich die Krise auf nachhaltiges Investieren auswirken?
Kurzfristig ist ESG durch das Krisenmanagement des „schwarzen Schwans“ Covid-19 auf der Prioritätsliste der Investoren von Platz 1 verdrängt worden. Dies wird sich definitiv wieder umkehren. Insbesondere, da sich positive ESG-Parameter durchaus in dieser Krise zu einer relativen Robustheit der Assets geführt haben. Neben Renewables gibt es dafür auch Beispiele im Aviation-Segment. Hier hat sich etwa wie erwähnt die treibstoffeffizientere Neo-Generation im Vergleich zu älteren Widebodies deutlich besser geschlagen. Daher wird an ESG kein Weg vorbeiführen, weder seitens der Stakeholder oder Regulatoren noch in Bezug auf eine „harte“ wirtschaftliche Risikobetrachtung.
