Investments in Erneuerbare Energien bieten institutionellen Investoren zu vielen anderen Assetklassen unkorrelierte Erträge. Geben feste Stromabnahmeverträge (PPA) Anlegern Preissicherheit?

Der Wind korreliert nicht mit Aktienkursen, die Sonne nicht mit dem Goldpreis. Wohl aber gibt es beispielsweise über lange Zeit hinweg eine negative Korrelation zwischen der Sonneneinstrahlung in Deutschland und der Windgeschwindigkeit in Dänemark. Daher sollten Anleger ihr Erneuerbaren-Portfolio über Regionen und Technologien hinweg diversifizieren, sagt Thomas Seibel. CEO von re:cap global investors.

Davon profitieren institutionelle Investoren vor allem in turbulenten Zeiten. “Ganz aktuell bestätigt sich das an den Entwicklungen der Märkte im Zeichen der Corona-Krise“, so Seibel. Die Windausbeute im ersten Quartal 2020 in Europa und insbesondere in Deutschland war eine der stärksten der vergangenen zehn Jahre. Anleger mit Investments in Erneuerbare Energien konnten somit in einer Zeit sehr volatiler Kapitalmärkte besonders profitieren.

Mittelfristig steht die Erneuerbare-Energien-Branche vor einer Umstellung: Einspeisevergütungen für Projekte wie sie in Deutschland zum Beispiel durch das EEG-Gesetz gesichert sind, laufen aus – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Teilen Europas. Mit dem Wegfall staatlicher Anreize müssen privatwirtschaftliche Instrumente Projekt-Planern ausreichend Sicherheit bieten, so dass die neue Windkraftanlage oder der avisierte Solarpark wirtschaftlich tragfähig sind.

Power Purchasing Agreements (PPA) sollen Investoren auf Sicht von zehn Jahren und länger diese Planungssicherheit geben, wie Seibel erläutert. So können für Projekte, die in der Regel Laufzeiten von 25 bis 30 Jahren haben, zumindest für die erste Periode gesicherte Einnahmen kalkuliert werden.

PPAs sind langfristige Stromlieferverträge, die zwischen dem Anbieter eines EE-Projektes – dem Stromlieferanten – und einem Abnehmer – beispielsweise einem industriellen Großverbraucher (Corporate PPA) oder einem Energieversorger (Utility PPA) – geschlossen werden (Lesen Sie hierzu auch das Gespräch mit Professor Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Beirat von Aquila Capital, sowie Dr. Dieter Rentsch, Mitgründer und CIO von Aquila Capital).

Erste PPA-Kontrakte geschlossen

In Deutschland hat die Deutsche Bahn im September 2019 den ersten PPA-Kontrakt für den Bezug von grünem Strom mit Innogy geschlossen. Ab 2024 will die Bahn über einen Zeitraum von fünf Jahren Strom aus dem Offshore-Windpark Nordsee Ost beziehen.

Auch in Südeuropa und Skandinavien laufen entsprechende Kontrakt-Konstellationen bereits an. So hat Innogy 2019 mit der spanischen Audax Renovables ein PPA für das erste förderfreie Solar-Projekt geschlossen. Die Vertragslaufzeit geht über zehn Jahre und beginnt im ersten Halbjahr 2020. Innogy-Tochterunternehmen Belectric beliefert demnach Audax aus einem neu errichteten 50-MW-Solarkraftwerk.

Ein erstes Projekt in Frankreich hat die Bahntochter SNCF Energie mit Voltalia für stolze 25 Jahre geschlossen. Der Kontrakt deckt rund 3 bis 4 Prozent des gesamten für die Jahre 2022/2023 prognostizierten Strombedarfs der Transport-Muttergesellschaft SNCF ab. Zum vereinbarten Abnahmepreis machte Innogy keine Angaben.

Investoren tragen somit – je nach Wetterlage und betrieblichen Faktoren – zwar noch ein Mengenrisiko. Das Preisrisiko ist allerdings für einen großen Teil der Projektlaufzeit abgesichert, wie Seibel betont. Entsprechend gelte es, nicht nur Technologien und Regionen zu streuen, sondern auch eine Durchmischung der staatlichen Förderlaufzeiten beziehungsweise PPA-Kontraktspannen zu berücksichtigen.

Eine Umfrage des Forschungsinstituts V.E.R.S. Leipzig und der Commerz Real im vergangenen Jahr zeigte, dass Erneuerbare Energien, Infrastruktur und Immobilien bei institutionellen Investoren hoch im Kurs stehen. So wollten 83 Prozent der Befragten die Investitionen in Alternative Investment Fonds (AIF) ausweiten. Rund die Hälfte plante einen Ausbau der Investitionen in Fonds für Erneuerbare Energien.

PPAs in Schweden und Spanien besonders günstig

Die Strompreise variieren in Europa stark, je nach dem regionalen Strommix und der Last der Abgaben. Entsprechend klafft auch die Spannbreite der Preise, die europaweit erzielt werden, um bis zu 30 Euro die Megawattstunde auseinander. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) hervor.

So hat Schweden mit 30,50 Euro je MWh die günstigsten Onshore-Windenergiepreise für Unternehmen, während Spanien mit 35,50 Euro je MWh die günstigsten Preise für Solarenergie vorweisen kann. Besonders teuer wird es indes im Vereinigten Königreich. „An den PPA-Preisen ist zum Teil ablesbar, wo sich die besten Standorte für eine bestimmte Technologie befinden. So überrascht es nicht, dass spanischer Solarstrom in Europa am günstigsten ist”, so Seibel. Längere Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren bedeuten Auf- oder Abschläge von rund 1,50 bis 2,50 Euro pro MWh gegenüber den weiter verbreiteten Laufzeiten von 10 bis 15 Jahren.

Drei Branchentrends

Ausblickend sieht der Experte drei Trends für die Erneurbare-Energien-Branche:

1. Digitalisierung treibt den Stromverbrauch:
Autonomes Fahren, 5G, Industrie 4.0, Smart Cities, vernetzte Haushalte, Streaming, Cloud-Lösungen, Big Data, Kryptowährungen und Blockchain: Durch die weltweite Digitalisierung wird der Stromverbrauch in den kommenden Jahren enorm ansteigen: Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet bis 2040 mit einem Plus von 25 Prozent. Das bringt die moderne Gesellschaft in ein Dilemma. „Der wachsende Energiebedarf stellt die angestrebten EU-Klimaziele mit einer Reduktion der CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 unter enormen Handlungsdruck“, so Seibel.

2. Weniger Ölkriege, aber neue Risiken:
Der Ausbau der regenerativen Energien wird die internationalen Beziehungen und Geopolitik stark beeinflussen. „In Zukunft werden die Länder, die frühzeitig in Erneuerbare investiert haben, an politischem Einfluss gewinnen. Für die weltweite Energieversorgung wird dann weniger relevant sein, wer über Ressourcen verfügt, sondern über die nötige Infrastruktur und Technologie“, sagt Seibel. Es bestehen jedoch Konfliktrisiken: Der Wegfall ganzer Rohöl-Absatzmärkte könnte die zu ernsten Verwerfungen führen.

3. Portfoliostratgien müssen an den Klimawandel angepasst werden:
Extreme Wetterlagen häufen sich auch in Europa und werden zur neuen Normalität. Erneuerbare-Energien-Portfolios müssen diese Entwicklung bei der Asset-Allokation berücksichtigen. In der Auswahl von Windportfolios muss beispielsweise berücksichtigt werden, dass sich durch die zunehmende Erwärmung der Pole und der sich dadurch verringernden Geschwindigkeit in den obersten Luftschichten es zu einer Stabilisierung der Windsituationen – als Windflauten oder Starkwindereignisse – kommen wird. Eine Streuung glättet das Risikoprofil des Portfolios, denn Investoren können von den unterschiedlichen und teilweise negativ korrelierenden Standorten sowie verschiedenen Erzeugungsarten profitieren.

Re:cap wurde 2010 gegründet. Der M&A-Berater und Asset Manager verwaltet aktuell rund 1,3 Milliarden Euro. Er hat 58 Wind- und Solarparks für vier Erneuerbare-Energie-Fonds erworben, die pro Jahr rund 360.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen und insgesamt 2 Millionen Tonnen CO2 eingespart haben.

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