Bei der ZEIT-Stiftung stehen Umschichtungen des Portfolios an. Über Hintergründe, Ziele und Vorgehensweise sprach Antje Schiffler mit dem Vorstandsmitglied Achim Lange.

dpn: Herr Lange, wie ist die Asset Allocation der ZEIT-Stiftung aufgestellt?

Achim Lange: Zurzeit sind wir zu 45 Prozent in Aktien investiert, 35 Prozent in Anleihen und 15 Prozent in Immobilien. Rund 5 Prozent verteilen sich auf die Felder Liquidität, Festgelder und Sonstiges, wobei die Festgelder demnächst auslaufen werden. Zusammen ergibt das zurzeit ein Vermögen von ungefähr einer Milliarde Euro.

Um die Fördersumme stabil halten zu können oder sogar auszubauen, müssten wir eine Performance von rund 3,7 Prozent erzielen. Nur so ist auch der reale Kapitalerhalt langfristig sicherzustellen und die laufenden Kosten können abgesichert werden. Der Betrieb unserer beiden Tochtergesellschaften Bucerius Kunst Forum und Bucerius Law School ist natürlich mit finanziellen Verpflichtungen verbunden.

Die Zielgröße von 3,7 Prozent haben wir in den vergangenen Jahren im Schnitt auch erzielt. Damit hatten wir bis zu ein Drittel des Ertrags für die Rücklagen, also für den Stiftungskapitalerhalt, zur Verfügung.

Allerdings liegt die erwartete Rendite unseres Portfolios zurzeit bei nur 2,9 Prozent, was dem niedrigen Zinsumfeld geschuldet ist. Die mittel- bis langfristige Erwartung der Aktienrendite haben wir von 8 auf nun 6 Prozent heruntergeschraubt. Im Anleihensegment erwarten wir eine Rendite von 0,2 Prozent, abgeleitet von den aktuellen Kursen am Kapitalmarkt. Wir sind in der Asset-Klasse eher konservativ aufgestellt, das heißt, wir sind ausschließlich in Anleihen mit Investment Grade investiert.

Für unser Immobilien-Portfolio rechnen wir mit einer Rendite von 2,5 Prozent. Die Negativrendite für unsere Liquidität liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Selbst wenn der Einlagenzins der Banken künftig neutralisiert würde, was wohl der erste Schritt der Notenbank sein wird, erwarten wir nicht, dass Banken dies an ihre Kunden eins zu eins weitergeben werden. Deshalb gehen wir bis auf weiteres von einer Verzinsung der Liquidität von minus 0,5 aus. Wir schauen vorsichtig optimistisch in die Zukunft.

Wie wollen Sie diese Lücke zwischen den 2,9 und 3,7 Prozent schließen?

Lange: Wir haben zunächst auf der Kostenseite angesetzt und einen Masterfonds implementiert. So haben wir nur noch eine Kapitalverwaltungsgesellschaft – die Universal Investment-Gesellschaft – und konnten dadurch Skaleneffekte generieren. Außerdem verschieben wir den Blickwinkel von reiner Rendite auf Performance und stellen auch unsere Allokation um. Die Anleihenquote haben wir bereits reduziert und werden sie auch weiterhin kontinuierlich senken. Im Aktienbereich stehen wir vor der Entscheidung: Value versus Growth, also Dividende versus Wachstum.

Außerdem nehmen wir in vielen Branchen Strukturbrüche wahr, die sich auch in unserem Portfolio widerspiegeln sollen. Laut interner Vorgaben können wir insgesamt bis zu 50 Prozent in Aktien investieren. Wir sind für Asien und Amerika positiv gestimmt und wollen uns deshalb aus Europa heraus diversifizieren. Die Region Asien haben wir im Value-Bereich bereits aufgestockt und werden dies weiterverfolgen. Gleiches planen wir für US-Value-Titel. Allerdings laufen wir bereits an eine zweite Obergrenze: den Anteil der Fremdwährungstitel im Portfolio. Historisch haben wir immer versucht, Währungsrisiken möglichst zu minimieren. Nun stehen wir vor der Abwägung, ob wir dieses selbst gesetzte Limit noch einmal nach oben anpassen.

Auch bei der Immobilienquote liegen wir bereits nahe an unserer internen roten Linie. Wir haben in diesem Bereich gerade einen weiteren Spezial-AIF erworben. In den Gremien wird nun diskutiert, auch diese Obergrenze noch ein wenig nach oben anzupassen. Zudem gibt es erste Vorüberlegungen, Private Equity und Infrastructure ins Portfolio aufzunehmen. Die Hauptfrage hierbei ist für uns, ob dies geeignete Asset-Klassen für eine deutsche Stiftung im jetzigen Niedrigzinsumfeld sind.

Wir sind hier in einer frühen Phase, Absprachen mit dem Kuratorium und der Aufsichtsbehörde stünden dann natürlich noch aus, zumal wir uns mit diesem Schritt auch noch weiter Richtung Illiquidität bewegen würden. Eine weitere Aufgabe für 2021 und 2022 ist die qualitative Überprüfung unseres Spezialfonds. Wir schauen uns aktuell unsere Aktiv- versus Passiv-Strategie an und ob wir wirklich den richtigen Asset-Manager in jedem Segment haben.

Was für eine Performance konnten Sie in den vergangenen Jahren erzielen?

Lange: Die hat sich durch die Corona-Pandemie natürlich stark verändert. Lagen wir 2019 noch bei 13,5 Prozent, stehen wir für das Jahr 2020 ungefähr bei der schwarzen Null, da besonders dividendenstarke Titel im Jahr 2020 sehr gelitten haben, was sich allerdings in diesem Jahr gerade umkehrt. Negativ wirkte für Dividendentitel unter anderem, dass es in Frankreich staatlich verordnete Dividendenkürzungen gab und auch in Deutschland staatliche Corona-Hilfen teilweise mit Dividendenstreichungen verbunden sind.

Wie nehmen Sie das Spannungsfeld zwischen Förderung und dem Erhalt des Stiftungskapitals wahr?

Lange: Gerade in der Pandemie gibt es natürlich viele Bereiche, die eben jetzt auf Fördermittel angewiesen sind. Zukünftige Viertklässler zum Beispiel, die im nächsten Jahr auf weiterführende Schulen kommen, brauchen dieses Jahr die Unterstützung und nicht erst in zwei Jahren. Und auch Künstlerinnen und Künstler haben aktuell natürlich erhöhten Bedarf. Wir versuchen aber, die Förderung konstant zu halten mit dem Wissen, dass die Erträge durch das niedrige Zinsumfeld rückläufig sind.

Das Stiftungsrecht wird zurzeit stark diskutiert. Welchen Standpunkt vertreten Sie?

Lange: Ich denke, mit der Stiftungsrechtsreform sind wir auf einem sehr guten Weg, auch wenn wir heute das endgültige Ergebnis noch nicht kennen. Es ist sinnvoll, das Stiftungsrecht von Landes- auf Bundesebene zu heben. Ein anderer wichtiger Punkt ist die Umschichtungsrücklage. Bisher ist es so geregelt, dass beispielsweise Kursgewinne aus Aktienverkäufen in die Umschichtungsrücklage fließen und nicht auf der Ertragsseite gebucht werden können.

Damit stehen sie dann nicht für die Finanzierung von Projekten zur Verfügung. In dem im Februar vorgelegten Regierungsentwurf zur Stiftungsrechtsreform wird dies flexibler gestaltet und außerordentliche Erträge könnten dann ausgeschöpft werden, wenn es die Satzung zulässt. Dies würde in jedem Fall eine Erleichterung für viele insbesondere kleinere Stiftungen bedeuten. Es stellt sich in diesem Zusammenhang grundsätzlich die Frage, ob es nicht auch sinnvoll wäre, den ordentlichen Ertrag und einen Teil der Kursgewinne – wirklich nur einen Teil und auch nur im Notfall – für den Stiftungszweck heranzuziehen.

Bei Spezialfonds ist dies auch jetzt schon möglich. Wie wichtig diese Anpassung im Niedrigzinsumfeld ist, zeigt sich im Fixed-Income-Bereich. Wenn eine Stiftung ältere Anleihen, die noch einen nennenswerten Coupon haben, verkauft, kann sie damit aktuell zwar das Stiftungskapital aufstocken, aber die Couponzahlungen entfallen nach dem Verkauf natürlich. Neue Anleihen haben aber oft einen Coupon von null und dann ist man auf die Kursgewinne angewiesen.

Ansonsten vertreten wir die Meinung, dass der rechtliche Rahmen breit genug gefasst ist und Stiftungen diesen Rahmen auch vollständig ausnutzen sollten. Manche legen sich selbst aber mit ihrer Satzung Handschellen an, etwa weil sie sich bei der Geldanlage sehr stark auf Sicherheit fokussieren.

Eine andere Frage ist natürlich, ob eine Stiftung auf Ewigkeiten ausgelegt werden muss oder nicht. Der Gesetzgeber hat ja bereits 2013 Verbrauchsstiftungen ermöglicht und damit wird der Erhalt des Stiftungsvermögens nicht mehr gefordert. Es kann damit von Anfang an mehr Kapital für gute Zwecke eingesetzt werden. Wenn dieser Ansatz verfolgt wird, besteht trotzdem keine Verpflichtung, gleich 100 Prozent des Stiftungskapitals in die Verbrauchsstiftung einfließen zu lassen. Dies kann flexibel gestaltet werden, weil die rechtlichen Möglichkeiten dafür gegeben sind.

Kommen wir noch einmal auf die Kapitalanlage zu sprechen. Sie sagten zuvor, Sie schauen sich Ihre passiven versus aktiven Mandate noch einmal genauer an.

Lange: Ja. Unsere Aktien- und Anleihen-Investments sind alle extern gemanagt. Passiv angelegt sind wir zum Beispiel am deutschen Aktienmarkt, weil wir bezweifeln, dass aktives Management in diesem Segment auf Dauer Alpha generieren kann. In der Region Asien ist das nach meiner Einschätzung anders. Ich bin überzeugt, dass man dort mit aktivem Management einen Mehrwert generieren kann.

Wir haben bisher aber noch ein recht kleines Asien-Exposure, wenngleich wir dies zuletzt im Aktienbereich bereits aufgestockt haben und weiter aufstocken werden. Im Zusammenhang mit unserem Vorhaben, zusätzlich auch auf Wachstumstitel zu setzen, stellt sich aber die Frage, wie wir weiter vorgehen. Ob uns für die USA etwa der Nasdaq 100 für eine gute passive Strategie reicht, haben wir noch nicht entschieden.

Wie sind Sie im Bereich der Immobilienanlage aufgestellt?

Lange: Unser Portfolio besteht aus hochwertigen Immobilien – Core und Core plus. Direkt-Investments verbinden wir, wenn möglich, gern mit unserem Stiftungszweck. Unter anderem sind Bildung und Wissenschaft zentrale Förderbereiche, und deshalb sind wir auch in Studierenden- und Auszubildendenwohnheime mit der ZEITt-Stiftung investiert. Eigengenutzte Immobilien haben wir zudem mit der Bucerius Law School, die ebenfalls in den Bereich Bildung fällt.

Wir versuchen, eine Harmonisierung zu erreichen, die sowohl stiftungskapitalerhaltend als auch fördernd mit Sozialcharakter ist.
Im jeweiligen Fonds sind zumeist sehr gemischte Objekte enthalten – Logistik, Handel, Büro, Wohnen, denn wir versuchen, Klumpenrisiken zu vermeiden und einen breiten Mix abzubilden.

Als Stiftung spielt Nachhaltigkeit bestimmt eine große Rolle.

Lange: Wir versuchen, in den großen Anlagevolumina natürlich immer den Stiftungszweck zu implementieren. Nachhaltige Anlagen finden sich derzeit in den Bereichen Wissenschaft und Bildung. Auch in Sachen Klimaschutz haben wir schon einiges implementiert und werden diesen Ansatz zunächst über Ausschlusslisten weiterverfolgen.

Wir arbeiten generell schon lange mit Ausschlusskriterien. Investi-tionen in Unternehmen, die beispielsweise Streubomben herstellen, sind für uns tabu, genauso wie auf Agrar-Rohstoffe zu spekulieren, weil wir nicht von Ressourcenknappheit profitieren wollen.

Wie gehen Sie mit dem Währungsrisiko im Portfolio um?

Lange: Auf der Aktienseite sind Währungsrisiken nach meiner Einschätzung gar nicht so gravierend. Oft gleicht sich der Währungseffekt bei global aufgestellten Unternehmen aus.
Das ist auf der Anleihenseite zwar anders, aber wir sind in dem Segment nur in Europa investiert.

Achim Lange Bildquelle: ZEIT-Stiftung

Achim Lange ist seit März 2021 als Vorstandsmitglied bei der ZEIT-Stiftung verantwortlich für den Bereich Finanzen, Verwaltung und Personal. Zuvor leitete er das Portfoliomanagement im Bereich Private Banking bei der Hamburger Sparkasse (HASPA). 

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