Batteriespeicher im Infrastrukturformat

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dpn: Die lange Zeit durch Klimaziele getriebene europäische Energiewende verliert in der Öffentlichkeit an Zuspruch. Warum ist sie dennoch wichtig?

Chris Deves: Die Energiewende ist nicht mehr nur ein ökologisches Gebot, es geht inzwischen um sehr viel mehr als nur um Klimapolitik. Das wurde 2022 mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine klar. Und nach dem Militärschlag gegen Iran haben wir eine erneute Volatilität auf den globalen LNG- und Gasmärkten gesehen. Investoren und politische Entscheidungsträger in Europa suchen Wege, wie sie davon unabhängiger werden können. Europa ist abgesehen von ein paar Ausnahmen nicht im Besitz fossiler Energieträger, der Weg nach vorn kann daher nur erneuerbar sein.

Sie investieren nur in baureife Greenfield-Projekte. Warum nicht früher?

Man kann eine ausgezeichnete Rendite erzielen, wenn man in die Frühphase der Entwicklung investiert, aber das bringt Risiken mit sich. Von vier oder fünf investierten Projekten erreichen vielleicht drei das Licht der Welt. Diese hohe Mortalität ist für unsere Investoren inakzeptabel. Wir können uns auch keine Vorlaufzeiten von mehreren Jahren erlauben. Wenn dieses Frühphasenentwicklungsrisiko vorbei ist, gibt es eine Genehmigung und einen klaren Pfad, das Projekt zu bauen. Dann liegt ein Teil des Risikos hinter uns, aber es besteht noch viel Spielraum zur Wertschöpfung, wenn man über die richtigen Fähigkeiten verfügt. Und am Ende sollte man das haben, was wir ein Brownfield-Asset nennen: ein operatives Asset, das man an diejenigen verkaufen kann, die dieses sehr risikominimierte, ertragsstarke Produkt bevorzugen. Ein Fokus liegt bei Ihnen auf Batteriespeichern, die häufig noch als volatil und stark technologiegetrieben wahrgenommen werden.

Wie strukturieren Sie Ihre Investments, damit Batteriespeicher das Risiko-Rendite-Profil „echter“ Infrastrukturwerte liefern?

Entscheidend für uns ist die Fähigkeit, stabile und planbare Cashflows zu generieren. Wir investieren nicht in ein Batterieprojekt, um die Batterie selbst zu betreiben und am Markt zu handeln, wo wir Markterlösen ausgesetzt sind. Dieses Risiko gehen wir nicht ein. Wir suchen Partner wie Versorger oder Energieunternehmen, die mit uns einen Vertrag abschließen, die Batterie nach Belieben im Tagesbetrieb handeln und uns im Gegenzug einen festen Umsatzbetrag dafür bezahlen, dass wir die Batterie verfügbar machen. So wird daraus „echte“ Infrastruktur: Man liefert dem Investor stabile und absehbare Cashflows aus kritischer Infrastruktur, die eine Rolle im Energiesystem spielt. Technologierisiken bestehen dabei natürlich, aber damit können wir umgehen, indem wir die Erlöse langfristig festlegen. Und wenn die Batterietechnologie am Ende deutlich besser ist, machen wir ein Repowering – wir ersetzen die Ausrüstung durch neue. Zudem kalkulieren wir bewusst mit höheren Investitionskosten, obwohl Batterien künftig viel günstiger sein werden.

Info

CV

CHRIS DEVES

  • Partner und Head of Investor Relations bei Sosteneo, Teil von Generali Investments
  • verantwortet weltweit Fundraising und Kundenbetreuung
  • vor seinem Wechsel zu Sosteneo in verschiedenen Rollen für AMP Capital tätig

Traditionell haben Versorger solche Infrastrukturprojekte selbst entwickelt und betrieben. Warum übernehmen zunehmend Finanzinvestoren die Führung?

Viele Versorger sind angesichts des Zinsumfelds bilanziell angespannt. Daher gibt es eine größere Bereitschaft, sich zusammen mit Spezialkapital an Projekten zu beteiligen, die früher von den Versorgern selbst finanziert wurden. Denn sie wollen weiterhin Erträge aus sauberer Energie erzielen und in Transformation investieren. Dafür bieten sich Kooperationen mit Finanzdienstleistern an. Es ist aber wichtig, dass die Finanzdienstleister Spezialisten sind und die Technologie ebenfalls verstehen. Wir sind eine Partnerschaft im Batteriebereich mit einem großen italienischen Versorger eingegangen. Dabei hat es geholfen, dass wir die Batterietechnologie wirklich sehr gut verstanden haben. Es wird mehr von solchen Kooperationen geben, denn die bilanzielle Anspannung der Versorger wird noch andauern. Sie legen gerade Ihren zweiten Fonds auf.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten Fonds und wie fließen sie in den neuen ein?

Eine unerwartete Erkenntnis war, dass es eine echte Investorennachfrage nach sauberer Energieinfrastruktur gibt, die wirklich Infrastruktur ist. Wir hatten viel Zuspruch von Investoren, die den Sektor zuvor eher in einer Private-Equity-ähnlichen Weise erlebt hatten und von den Ausschüttungen enttäuscht waren. Denn wenn man in ein Unternehmen investiert, hängt man stärker vom Exit ab. Die Investoren waren daher sehr empfänglich für die Idee, in einem echten Infrastrukturformat Zugang zu dem Sektor zu bekommen, mit einer Renditekomponente und in konkreten Projekten. Wir haben diese Erkenntnis mitgenommen und setzen sie im zweiten Fonds fort. Fonds Nummer 2 steht für Kontinuität. Es ist dieselbe Strategie, die wir im ersten Fonds erfolgreich umgesetzt haben. Die Investitionen in Batteriespeicher waren rückblickend sehr erfolgreich. Der Markt zieht nun nach, also müssen wir uns weiterentwickeln. Die nächsten interessanten Märkte nach Großbritannien und Italien sind Deutschland und Spanien. In Spanien fehlt noch der passende regulatorische Mechanismus, es gibt keinen Kapazitätsmarkt. Der wird aber kommen, wenn er wird benötigt. In diesen beiden Märkten ergeben sich Opportunitätsfenster, die wir nutzen möchten.

Sponsor

Patrick Daum ist Chef vom Dienst bei dpn-online. Er berichtet über alle Themen rund um das institutionelle Asset Management.

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