Bernhard Matthes von der Bank für Kirche und Caritas (BKC) rät Stiftungen zu mehr Mut in der Kapitalanlage.

Stiftungen haben noch Einschätzung von Bernhard Matthes oftmals noch genug Spielraum, die Kapitalanlage zu optimieren. „Viele Stiftungen sind in ihrem Denken und Handeln noch in den Zeiten vor der Niedrigzinsphase verhaftet und haben ihre Allokation noch nicht an die neue Welt angepasst“, sagt Matthes, Bereichsleiter BKC Asset Management und Portfolio Manager des BKC Treuhand Portfolios.

Nach Erfahrung von Matthes vertrauen viele Stiftungen weiterhin zu viel auf Anleihen. Die Quoten liegen teils noch um die 80 bis 90 Prozent. Aktien hingegen sind oft untergewichtet. Dabei haben Stiftungen vergleichen mit anderen institutionellen Investoren den Vorteil, weitgehend frei über ihre Anlagestrategie entscheiden zu können. Denn anders als Pensionskassen oder Versicherungen unterliegen sie keiner umfangreichen Regulatorik.

Illiquiditätsprämien vereinnahmen

Zudem bietet der „auf Ewigkeit“ ausgerichtete Anlagehorizont Spielraum, Illiquiditätsprämien zu vereinnahmen.

Statt auf Bundesanleihen zu setzen, lohnt sich laut Matthes der Blick ins Ausland: Anleihen aus Emerging oder Frontier Markets bieten oft weiteraus höhere Coupons bei überschaubarem Risiko. Auch Papiere aus dem Dollarraum bieten vergleichsweise günstige Konditionen. In Europa winken Opportunitäten jenseits des Euroraums, etwa in der tschechischen Republik. Die Notenbank dort schaue sehr auf die Geldwertstabilität, die Krone habe in den vergangenen Jahren eher aufgewertet.

Zurückhaltung sei aber bei High Yield Anleihen geboten, so Matthes. „Viele Stiftungen fühlen sich wohler mit High Yield als mit Aktien, wohl weil Anleihen mehr Sicherheit zugeschrieben wird“, vermutet er. Dabei seien die Schwankungen am Aktienmarkt für Investoren mit einem langen Anlagehorizont in der Regel gut zu verkraften. „Volatilität ist gegenüber dem Risiko des dauerhaften Kapitalverlusts, wie er bei Ausfällen von Junk Bonds eintreten kann, das geringere Problem“, wie Matthes betont.

Zu den Kapitalmärkten unkorrelierte Erträge bieten Katastrophenanleihen. „Cat Bonds sind eine der wenigen verbleibenden Asset-Klassen, in der Risiken angemessen kompensiert werden. Es können Risikoprämien erzielt werden, die nicht durch die Geldpolitik verzerrt sind,“ lautet die Einschätzung von Matthes.

Gold als Inflationsschutz

Auch Gold empfiehlt der Anlageexperte als Inflationsschutz fürs Portfolio. Konkret rät er Stiftungen, den Rentenanteil abzubauen zu Gunsten von Aktien und dem Edelmetall. Die höhere Aktienquote generiert Erträge, Gold hingegen biete die Sicherheitsfunktion einer Anleihe. Natürlich kostete dieses Engagement Ausschüttungsbeiträge. Doch als „Selbstverteidigungsinstrument“ gegen die rasant wachsende Geldmenge sollte dem Stiftungsportfolio eine Quote von 10 bis 20 Prozent des Edelmetalls beigemischt werden, so seine Überzeugung.

Im Aktiensegment rät Matthes angesichts der Inflationsgefahr, Unternehmen mit Preissetzungsmacht zu bevorzugen. Diese finden sich vor allem in den Bereichen Rohstoffe und Energie sowie in der Industrie. Vulnerabel sind indes beispielsweise Unternehmen in den klassischen Konsumgütersegmenten.

Auch “exotischere” Investments in Agrar und Forst eignen sich für das langfristig ausgelegte Stiftungsportfolio. Pluspunkt: Erlöse etwa aus dem Verkauf von Holz sind ebenfalls weitgehend unkorreliert zu den Kapitalmärkten. Größeren Stiftungen biete sich die Möglichkeit, direkt in diese Anlageklassen zu investieren, während den kleineren Häusern beispielsweise der Einstieg über Agrar-REITs möglich ist.

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