Katastrophenanleihen dürften sich künftig immer mehr zur „Mainstream“-Anlage etablieren, sagt Brett Houghton, Managing Director bei Fermat Capital und Manager des GAM Star Cat Bond.

Was spricht für Investitionen in Cat-Bonds in Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben? Wird ihre Bedeutung in Zukunft zunehmen?

Die Vorteile von Investitionen in Cat-Bonds oder Katastrophenanleihen gelten seit Ausbruch des Coronavirus auch weiterhin. Die fehlende Korrelation von Cat-Bonds zu traditionellen Anlageklassen hat bei Anlegern für Kapitalerhalt und ein ruhiges Gewissen in einer extrem volatilen und unsicheren Zeit an den breiteren Finanzmärkten gesorgt.

Nachdem sie ihren Wert erneut unter Beweis gestellt haben, bleiben Cat-Bonds eine permanente und wachsende Kapitalquelle für die Bewältigung der weltweiten Risiken. Künftig dürften sie sich immer mehr zur „Mainstream“-Anlage etablieren, denn das Verständnis der Investoren für diese Anlageklasse wächst. Durch die Bereitstellung einer strukturellen Lösung für die Rück-/Versicherungsbranche tragen diese Wertpapiere dazu bei, die zunehmende Katastrophenlücke* zu schließen. Sie bieten dringend benötigtes Kapital, welches das Wachstum und das effiziente Funktionieren des globalen Rück-/Versicherungsmarktes unterstützt. Darüber hinaus ermöglichen sie es Versicherern und staatlichen Stellen, systemische Katastrophenrisiken mit einem effizienten, vorausschauenden Ansatz zu managen. Wir sind der Meinung, dass sie dadurch einen messbaren positiven Einfluss auf die Lebensqualität der Menschen haben. Gleichzeitig erzielen sie attraktive und wirklich unkorrelierte risikobereinigte Renditen für die Anleger.

*Die Differenz von wirtschaftlichen und versicherten Verlusten.

 Wie haben Cat-Bonds im Vergleich zu anderen Anlageklassen in der Krise performed?

Im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen haben Katastrophenanleihen (im Folgenden als Swiss Re Global Cat Bond Index gemessen) auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise eine beträchtliche Isolierung von den breiteren Marktturbulenzen erzielt. Dank der geringen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen wie globale Aktien, Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen, von denen viele im März akute Kurseinbrüche erlitten haben, haben Cat-Bonds sich im Allgemeinen wie erwartet entwickelt und das Anlegerkapital geschützt.

Was sind die Nachteile der Katastrophenanleihen?

Die Hauptrisiken bestehen darin, dass schwere Naturkatastrophe eintreten können. Unser größtes Risiko ist ein „Great Miami Hurricane“, wie er sich zuletzt im Jahr 1926 ereignete. Ein solches Ereignis würde zu einem Nettokapitalverlust von minus 25 Prozent für unsere Cat-Bonds führen. Wenn Anleger jedoch bereit sind, auch ohne weitere Finanzspritze investiert zu bleiben, dürfte ein gut geführtes Portfolio aus Cat-Bonds einen solchen Verlust innerhalb kurzer Zeit wieder ausgleichen. Der Grund hierfür sind steigende Prämien für die Rück-/Versicherung von Katastrophen nach einem solch traumatischen Ereignis in der Versicherungsbranche. Zum Vergleich: Wenn wir auf die globale Finanzkrise zurückblicken, dann hat diese in den Portfolios genauso viel Schaden angerichtet, wie eine Katastrophe vom Ausmaß des „Great Miami Hurricane“ von 1926.

Was wir bisher während der Covid-19-Krise gesehen haben, ist, dass abgesehen von einer kleinen Anzahl spezifischer “pandemischer Anleihen”, Cat-Bonds weitgehend immun waren. Wie bereits erwähnt, kann ein Marktcrash nicht zu einem Wirbelsturm oder einem Erdbeben führen, und auch wenn diese furchtbaren Naturkatastrophen eintreten – und mit der Zeit dürften Draw-Downs eintreten -, so sind sie doch unabhängig von den laufenden Aktivitäten an den traditionellen Finanzmärkten.

Warum gehören Cat-Bonds ins Portfolio institutioneller Investoren?

  1. Stabile Quelle alternativer Renditen: Cat-Bonds oder auch Katastrophenanleihen sind eine Form der versicherungsgebundenen Wertpapiere – Insurance-Linked Security (ILS). Sie sind eine effiziente Lösung für Rückversicherer/Versicherer, die Versicherungsrisiken aus ihren Bilanzen auf die Kapitalmärkte zu transferieren und bieten so gleichzeitig institutionellen Anlegern stabile, attraktive Renditen im Niedrigzinsumfeld.
  2. Unterschiedliche Renditequellen: Die Renditen sind eher an das Eintreten von Katastrophen – wie Erdbeben oder Stürme – als an wirtschaftliche Faktoren geknüpft. Daher entwickeln sich Cat-Bonds tendenziell unabhängig von den traditionellen Anlageklassen, denen viele institutionelle Portfolios ausgesetzt sind.
  3. Geringe Exposition gegenüber traditionellen Risiken: Die unkorrelierte Natur der Anlageklasse gegenüber dem breiteren Markt bedeutet, dass es eine geringe Exposition gegenüber Kredit-, Zins- und Finanzmarktrisiken gibt.
  4. Solide Erfolgsbilanz: Die Leistungsbilanz mit positiven Renditen in unterschiedlichen Märkten untermauert den Wert dieser Anlageklasse als Portfoliodiversifikator.

 

Besten Dank für das Gespräch, Herr Houghton!

 

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