Kalenderwoche 18: Europa wagt die ersten Lockerungen nach dem Lockdown.

30.04. Inflationsgebundene Staatsanleihen sind laut AXA Investment Managers eine interessante Anlagemöglichkeit. Denn diese sollten vor allem durch die Wiederaufnahme und Ausweitung der quantitativen Lockerungsprogramme der Zentralbanken gestützt werden. Da sie meist von gut bewerteten Staaten ausgegeben werden, sind sie für Anleger insbesondere aufgrund der damit einhergehenden Zahlungsfähigkeit interessant. Darüber wird die Liquidität der meisten inflationsgebundenen Anleihen unterstützt, da sie Bestandteil von Programmen zur quantitativen Lockerung sind.

“Wir gehen davon aus, dass die Realzinsen weiter sinken werden und glauben, dass in einem Umfeld, in dem die Zentralbanken Geld drucken, um Haushaltsausgaben zu finanzieren, inflationsgebundene Staatsanleihen wieder attraktiv werden.”
Jonathan Baltora, Head of Sovereign, Inflation und FX bei AXA Investment Managers

 

29.04. Seit Beginn der Corona-Krise Mitte Februar schwankt der Goldpreis außerordentlich heftig und erreichte nach einem tiefen Fall Mitte März vier Wochen später ein neues Allzeithoch in Euro. Im weltweiten Börsencrash stürzte Gold zwar ebenfalls ab, weil sich Anleger von liquiden Assets trennten und der Verfall des Ölpreises dazu führte, dass viele Zentralbanken ihre Goldkäufe einstellten – aber gleichzeitig konnte das Angebot an physischem Gold kaum mit der Nachfrage mithalten.

“Wohin sich der Goldpreis entwickeln wird, ist heute unmöglich zu sagen. Hohe Schwankungen und auch Gewinnmitnahmen sind wahrscheinlich. Offensichtlich erscheint nur, dass die globale Wirtschaft noch länger unter den Sperren und Einschränkungen durch die Corona-Pandemie und dem Ölpreisverfall leiden wird. In dieser Situation lohnt sich Gold als Teil eines gut diversifizierten Portfolios, da es sowohl knapp als auch äußerst liquide ist und zudem kaum mit anderen Vermögenswerten korreliert. Das kann Gold nicht nur zu einem Wertspeicher, sondern auch zur Versicherungspolice machen.“
Ritu Vohora, Investment Director im Aktienteam bei M&G

 

29.04. Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal 2020 eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahr liegt das Minus bei 4,8 Prozent. Damit kommt der bisher längste Aufschwung der USA zu einem abrupten Ende. Auch die Zahlen für das 2. Quarrtal dürften ähnlich aussehen, da der Lockdown in den USA erst Ende des 1. Quartals erfolgte.

 

29.04. In der aktuellen Krise mangele es sowohl an Liquidität als auch an Solvenz, beobachten die Experten von MFS Investment Management. Beides müsse sich ändern: Unternehmen und Mitarbeiter brauchen Cashflow, und die Märkte müssen funktionieren. Weil zurzeit ein sehr großer Teil der Unternehmen geschlossen ist, sind bei der Analyse von Investmentchancen sowohl Liquidität als auch Solvenz maßgebliche Faktoren.

“Eine weitere wichtige Lektion ist, dass eine Krise immer auch eine Chance ist. Für eher langfristige Investoren bedeuten Markteinbrüche Investmentchancen. Die Wertpapiere sind billiger, die Bewertungen günstig. Bei einem Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren können Investmentmanager die längerfristige Solvenz im Blick haben und müssen nicht auf Grundlage der kurzfristigen Liquidität entscheiden. Hinzu kommt, dass aktive Manager die Spreu vom Weizen trennen und Unternehmen auswählen können, die mit größerer Wahrscheinlichkeit den Sturm überstehen und möglicherweise hohe Erträge einfahren.”

William J. Adams, CFA, Chief Investment Officer Global Fixed Income bei MFS Investment Management

 

28.04. Im Schatten der Coronavirus-Auswirkungen bleibt nicht viel Platz für andere Themen. Doch gerade die Pandemie stelle unter Beweis, wie sinnvoll der Faktor Nachhaltigkeit auf allen Ebenen ist, kommentiert Swisscanto Invest.

„Gesellschaftliches Zusammenrücken hat wieder an Bedeutung gewonnen und Klima sowie Umwelt werden, wenn auch gezwungenermaßen durch politische Restriktionen, durch den Verzicht von Flügen, Reisen und vielem mehr geschont. Daher kann mitten in der Covid-19-Krise testiert werden: Nachhaltigkeit ist wichtiger denn je und sollte beim Investieren nicht fehlen. Dies erkennen mehr und mehr der vielen Anbieter und ebnen entsprechend den Weg für Investoren, aus einer zunehmenden Auswahl an nachhaltigen Produkten wählen zu können.”

Jan Sobotta, Leiter Sales Ausland, Swisscanto Asset Management International S.A

 

28.04. Laut Lombard Odier Investment Managers werden qualitativ hochwertige, finanzkräftige Unternehmen, die der Krise standhalten können, derzeit auf attraktiven Niveaus gehandelt. Sie bieten interessante Neuemissionsprämien. Zudem ist der Asset Manager überzeugt, dass sich “Fallen Angels” erholen werden, wenn der Druck durch Abverkäufe nachlässt und sich die Unternehmen wieder auf die Verbesserung ihrer Kreditkennzahlen konzentrieren können. Wenngleich die Märkte wahrscheinlich volatil bleiben, bieten die derzeitigen Renditen von 3,7 Prozent, beziehungsweise 5,7 Prozent, für Euro- und globale Crossover-Portfolios einen attraktiven Einstiegszeitpunkt für langfristig orientierte institutionelle Investoren, so Lombard Odier.

“Die Märkte haben in der COVID-19-Krise zwei Phasen durchlaufen: eine anfängliche Flucht in Qualität, da die Investoren aus schwächeren Krediten ausgestiegen sind, gefolgt von der Flucht in Liquidität. Hohe Abflüsse und sinkende Liquidität haben dazu geführt, dass Investoren willkürlich Assets verkauft haben, um unabhängig von der Kreditqualität Liquidität aufzubauen. Wir sehen in diesem Abverkauf eine Chance, da sich die Spreads bei geringerer Differenzierung zwischen den Emittenten erheblich ausweiten. Wir überwachen die Risiken in unseren Portfolios weiterhin und erkennen, dass Rating-Herabstufungen unvermeidlich sind – insbesondere in Sektoren, die moderat bis stark von der Krise betroffen sind.”
Yannik Zufferey, CIO Fixed Income bei Lombard Odier Investment Managers

 

27.04. Seit der globalen Finanzkrise liegt die Inflation mit einer durchschnittlichen Rate von 1,3 Prozent in der Eurozone und 1,6 Prozent in den USA hartnäckig unter der historischen Norm und den Zielwerten der Notenbanken. Die demographische Entwicklung, Globalisierung und technologische Fortschritte haben die Kosten gedrückt. Der Anteil der Löhne am US-BIP ist auf den niedrigsten Stand seit 1929 gesunken und hat für Abwärtsdruck auf die Inflation gesorgt. Die strukturellen deflationären Kräfte wirken zwar immer noch, werden aber schwächer, und wenn sich die Volkswirtschaften letztlich erholen, hält Jupiter Asset Management mittel- bis langfristig auch eine Rückkehr der Weltwirtschaft zu einer moderaten Inflation für wahrscheinlich.Was ist bei dieser Krise anders?

“Zwar bleiben die deflationär wirkenden strukturellen Faktoren bestehen. Trotzdem halten wir eine Phase mit einer moderat höheren Inflation für wahrscheinlich. Allerdings nicht notwendigerweise sofort: Bis die Wirtschaft den durch die Pandemie verursachten Nachfrage-Schock verdaut hat, könnten Jahre vergehen. Tiefe Rezessionen sind immer deflationär…Wir müssen aber auch die längerfristigen Perspektiven im Blick behalten, da es sowohl eine nachfrageinduzierte Inflation als auch eine Kostendruckinflation gibt. Für die Regierungen und Notenbanken wird es schwierig werden, die in der Krise umgesetzten Maßnahmen wieder zurückzunehmen. Die Haushaltsdefizite werden vermutlich strukturell höher sein und freigestellte Arbeitnehmer könnten die Arbeit schneller wieder aufnehmen als nach einem normalen Konjunkturabschwung, wodurch sich die Produktionslücke schneller schließen dürfte. Die Notenbanken dürften ein Überschießen ihrer Inflationsziele tolerieren – zum einen, um die vielen Jahre zu niedriger Teuerungsraten zu kompensieren, und zum anderen, um die Staatsverschuldung über eine steigende Inflation real zu reduzieren.

Außerdem dürften die Volkswirtschaften aufgrund der Art der Krise und der politischen Reaktionen zusätzliche Kosten zu schultern haben, wenn die Lieferketten neu konfiguriert und neue Abwägungen zwischen dem Einsatz von Kapital und Arbeitskräften getroffen werden. Zudem könnten einige der deflationären strukturellen Faktoren an Bedeutung verlieren. Die Globalisierung zum Beispiel wurde durch die Handelskonflikte bereits untergraben. Jetzt hat die Pandemie einige der inhärenten Schwächen globalisierter Lieferketten offengelegt. Daher rechnen wir damit, dass sich die nationalen Regierungen für eine Rückverlagerung systemrelevanter Produktion in den Heimatmarkt einsetzen werden. Außerdem hat die Krise deutlich gemacht, wie abhängig die Gesellschaften von relativ schlecht bezahlten systemkritischen Berufsgruppen sind, nicht nur im Gesundheitswesen, sondern in allen Bereichen des öffentlichen und privaten Sektors. Die öffentliche Unterstützung für eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für diese Berufsgruppen könnte nachhaltig zunehmen.”
Mark Richards und Matthew Morgan von Jupiter Asset Management

 

27.04. Im März 2020 sind Unternehmensanleihen im Umfang von 92 Milliarden US-Dollar in den Hochzinsbereich abgerutscht, und ein Ende der Abwärtsspirale ist laut Scorable nicht in Sicht. In den nächsten Wochen wird die Zahl der Emittenten, die das Investment-Grade-Rating verlieren – sogenannte “Fallen Angels” / “gefallene Engel” – weiter ansteigen.

“Wir sehen derzeit bei fast der Hälfte aller Unternehmen, die wir analysieren, ein stark erhöhtes Kreditrisiko. Besorgniserregend für Investoren ist aber vor allem, dass unsere Analyse bei mehr als einem Drittel der Emittenten mit BBB-Rating eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Rating-Herabstufung anzeigt. Institutionelle Anleger müssen das natürlich genau beobachten.“
Oliver Kroll, CPO bei Scorable

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