Über die strategische Asset Allocation, die wachsende Bedeutung von Private Markets im Portfolio und Nachhaltigkeit beim HVB Pension Fund sprach Oliver Postler, Chief Investment Officer, mit Antje Schiffler.

“Es ist eine unserer Grundüberzeugungen, auch in schwierigen Phasen an unserer strategischen Asset Allocation festzuhalten. Wir haben auch im letzten Jahr gesehen, dass wir mit der Schwankung, die die Märkte für uns bereitgehalten haben, ganz gut umgehen konnten. Volatilität am Markt gibt es immer wieder und bietet immer wieder auch Chancen, die wir nutzen können und konnten“, sagt Postler vom HVB Pension Fund im Rückblick auf das turbulente Jahr 2020. Entsprechend haben die Münchner die Gelegenheit genutzt und Aktien und Unternehmensanleihen zugekauft. So wurde im Laufe des vergangenen Jahres die Aktienquote sukzessive auf 11 Prozent hochgefahren, nachdem zu Jahresbeginn noch mit 4 Prozent Aktien ein taktisches Untergewicht bestand. Insgesamt, resümiert Postler, war 2020 „ein sehr spannendes, aber unter dem Strich erfreuliches Anlagejahr“.

Der HVB Pension Fund steuert die Altersvorsorge über zwei Vehikel. Der HVB Trust e.V. übernimmt für die Trägerunternehmen die treuhänderische Verwaltung der Vermögen für die Altersversorgungsverpflichtungen und ist als CTA gemäß IAS 19 aufgesetzt. Dort sind primär die aktiven Mitarbeiter abgedeckt, es fließen also kontinuierlich Gelder ein. In dem Verein werden Altersversorgungsvermögen, Altersteilzeitansprüche, Auszahlplanansprüche, fondsgedeckte „Deferred Compensation“ sowie Vermögen aus Sabbatical-Ansprüchen verwaltet.

Die HVB Trust Pensionsfonds AG wurde 2009 eingerichtet und verwaltet das Vermögen für Versorgungsempfänger, regelt also die Auszahlungen. Gehen Mitarbeiter in den Ruhestand, erfolgt unregelmäßig die Übertragung der Assets aus dem Verein. Daneben gibt es noch eine geschlossene Pensionskasse, gegründet 1888, auf Basis eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit. Sie verwaltet das Vermögen für die ehemaligen Mitarbeiter der HypoBank.

Die strategische Asset Allocation wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst, erläutert Postler: „Für beide Gesellschaften sind jeweils Master-Spezialfonds eingerichtet, über die für die Sub-Segmente wie Aktien, Anleihen oder Private Markets Assetmanager beauftragt werden.“

Zins: Vom Winter in die Eiszeit

Weitaus größter Posten in der Asset Allocation ist derzeit noch mit rund 71 Prozent der Bereich Fixed Income. Allerdings soll sich dies verschieben zugunsten der Investments in Private Markets. Denn die langfristige Ausrichtung als Einrichtung der betrieblichen Altersvorsorge und die Zuflüsse der aktiven Mitglieder erlauben dem HVB Pension Fund einen „gewissen Mix“ mit weniger liquiden Asset-Klassen – und perspektivisch höheren Renditen dank Risiko-, Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien.

Der Bereich Private Equity soll in den kommenden Jahren von zurzeit 4 auf 17 Prozent ausgebaut werden und dann auch Private Debt und Infrastructure enthalten, so die Pläne. Der Fixed-Income- Bereich wird indes künftig eher an Bedeutung verlieren. „Über die letzten Jahre haben wir uns ja quasi vom Zins-Winter in die Zins-Eiszeit bewegt. Da werden wir wohl auch noch eine ganze Weile bleiben. Nichts tun ist keine Lösung. War es noch nie. Aktives Management ist gefragt. Reale Vermögenswerte sind und bleiben interessant“, betont Postler.

Klima: Von der Eiszeit in die Heißzeit

Nachhaltigkeit und ESG, so ist Postler überzeugt, sind der dominierende Megatrend. „Wenn etwas die Märkte bewegt und treibt, dann ist es das Thema ESG“, betont der Anlageexperte. „Klimageschichtlich bewegen wir uns von der Eiszeit zur Heißzeit. Selbst wenn das ein sehr langer Weg ist, die Klimaveränderung wird greifbarer. Auch das Klima bezüglich klimaneutraler Anlagen hat sich verändert. Der politische Wille ist eindeutig: Es geht um einen Beitrag auch durch institutionelle Investoren zur Finanzierung des Transformationsprozesses hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft. Daneben dürfte der fiskalische Impuls deutlich ansteigen und nachhaltige Innovation fördern. Das bringt auch Anlagechancen mit sich“, sagt Postler.

ESG beim HVB Pension Fund: Ein fortlaufender Prozess

So benennt der HVB Pension Fund als oberste Ziele in der Kapitalanlage neben stabiler Wertentwicklung und Diversifikation auch die Integration von Nachhaltigkeitskriterien. Das mehrstufige Verfahren beginne bereits bei der Auswahl der Manager. Die sollten laut dem Kapitalanlage-Chef die UN PRI unterzeichnet haben. Sie setzen Ausschlusskriterien von bestimmten Sektoren um.

Zudem werden für einzelne Emittenten ESG-Ratings genutzt, die mit den schlechtesten Ratings werden ausgeschlossen. Das Monitoring erfolgt täglich. In quartalsweisen ESG- und Carbon-Footprint-Reportings kann zudem die Entwicklung des Portfolios unter Nachhaltigkeitsaspekten nachvollzogen werden.  Die Implementierung ist dabei ein fortlaufender Prozess, betont Postler. So untersucht die Bank als Trägerunternehmen beispielsweise gerade bestimmte Finanzierungen und erwägt, aus bestimmten Segmenten in den kommenden Jahren sukzessive auszusteigen. Daran werde sich auch der HVB Pension Fund orientieren.

Bei der Implementierung der E-, S- und G-Kriterien müsse zudem eine Balance gefunden werden. „Aus unserer Erfahrung sind die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien und eine gut diversifizierte Anlage mit einer guten Wertentwicklung überhaupt kein Widerspruch. Dies ist bei uns bereits seit einigen Jahren über ein mehrstufiges Verfahren implementiert. Es ist wie eine Reise. Man startet und geht dann Schritt für Schritt weiter. Es geht auch um einen Lernprozess. Setzt man die Kriterien zu eng, verliert man vielleicht Teile des Anlageuniversums, die man haben möchte“, so Postler. „Es kann ja zum Beispiel durchaus Sinn machen, Geld in Unternehmen zu investieren, die eine klare strategische Planung zu einer klimaneutralen Ausrichtung in den kommenden Jahren haben, auch wenn sie da heute noch nicht sind.“

ESG ist allerdings ein permanenter Prozess, wie Postler betont: „Wichtig ist, dass man mit einem klaren Ziel anfängt. Ich bin überzeugt, dass wir schon auf einem hohen Niveau sind. Aber wir werden in der Zukunft sicher noch weitere Optimierungen vornehmen. Wie gesagt, es ist eine Reise.“

Lesen Sie mehr zu HVB Pension Fund in der dpn-Ausgabe Februar/März 2021.

 

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