Auf rund 17 Prozent will der HVB Pension Fund die Investments in Private Markets ausbauen. Neben Private Equity kommen dann auch Private Debt und Infrastructure Equity ins Portfolio. Oliver Postler erläutert das geplante Vorgehen.

Herr Postler, Sie planen für den HVB Pension Fund einen deutlichen Ausbau der Investments in Private Markets. Wo stehen Sie und was sind Ihre Ziele?

Oliver Postler: Der HVB Pension Fund hat vor einigen Jahren einen eigenen Fonds für Private Markets aufgelegt. Der Fonds befindet sich noch in der Aufbauphase und ist bislang ausschließlich in Private Equity Buyouts und Secondaries investiert. Die Kapitalzusagen entsprechen cirka 7 Prozent der Assets und werden in eine Zielquote von 5 Prozent gemessen am NAV münden.

Wir sind aktuell mit ungefähr 4 Prozent in Private Equity investiert. Der Anteil soll über die nächsten Jahre auf 17 Prozent ausgebaut werden und dann neben Private Equity auch Private Debt und Infrastructure Investments enthalten. Zusammen mit unseren bestehenden Investments in Immobilien haben wir eine Zielquote von 30 Prozent definiert. Entsprechend planen wir einen sukzessiven Abbau der Gewichtung auf der Bond-Seite. Was aber nicht heißt, dass wir dort Volumen herausnehmen müssen, weil wir ja auch Mittel hinzubekommen. Wir können dies aus den Zuflüssen steuern.

Oliver Postler Bildquelle: HVB

Welchen Zeitraum haben Sie hierfür eingeplant?

Postler: Um auf diese Zielquote von 17 Prozent zu kommen, werden wir voraussichtlich vier bis fünf Jahre benötigen. Es ist auch in diesem Segment Teil unserer Strategie, eine gute Diversifikation zu erzielen, auch über den kompletten Zyklus im Wirtschafts- und Kapitalmarktgeschehen.

Die Immobilienquote bleibt also konstant?

Postler: Ja. Es hat sich auch im letzten Jahr in der Corona-Krise gezeigt, wie robust diese Asset-Klasse ist. Das Gesamtergebnis war auch im letzten Jahr sehr erfreulich. Wir sind über verschiedene Spezialfonds in Immobilien investiert und konzentrieren uns dabei auf Deutschland. Schwerpunkt ist im Bereich Wohnen, und zwar in der Regel Mehrfamilienhäuser.

Diese verfügen oft über Ladenflächen im Erdgeschoss mit Nahversorgern für den täglichen Bedarf. Da gab es so gut wie keine negativen Auswirkungen durch Covid-19. Wir planen allerdings keine weiteren Investments. Stattdessen erhöhen wir die Quote in Private Markets, um die Renditeerwartung insgesamt etwas zu erhöhen.

Und die Bond-Seite fahren Sie herunter.

Postler: Ja, genau. Der Anteil der realen Vermögenswerte soll über die nächsten Jahre deutlich nach oben gehen. Das bleibt gerade vor dem Hintergrund des wohl noch länger anhaltenden Niedrigzinsniveaus strategisch sehr interessant. Wir werden natürlich als Einrichtung der betrieblichen Altersvorsorge einen Teil der Veranlagung in Anleihen halten, um einen gewissen Match mit der Verpflichtungsseite zu haben. Das ist sozusagen die defensive Seite unserer Aufstellung.

Aber auf der ertragssuchenden, offensiven Seite der strategischen Asset Allocation kommen andere Komponenten stärker ins Spiel. Und da sehen wir als Renditetreiber und Inflationsschutz den Mix aus Real Estate, Private Equity, Private Debt und Infrastructure als interessant an. Natürlich muss man bereit sein, eine gewisse Illiquidität zu akzeptieren. Weil wir aber ein lebendes Konstrukt mit vielen aktiven Mitarbeitern sind, bekommen wir auch neue Mittel zur Verfügung gestellt.

Entsprechend können wir eine gewisse Illiquidität akzeptieren. Und das sehen wir als Chance: Neben den Risikoprämien werfen die alternativen Investments auch Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien ab. Und sie liefern einen Diversifikationsbeitrag zu den traditionellen liquiden Anlageklassen.

Wie planen Sie die Aufteilung bei den Private Markets Investments?

Postler: Im Rahmen der Portfoliokonstruktion legen wir großen Wert auf robuste Portfolios, die die Volatilität dämpfen und Abwärtsrisiken gut eindämmen, eine gute Downside Protection liefern, ohne die Renditeerwartung zu reduzieren. Für den weiteren Aufbau in Private Markets legen wir dafür einen Umbrella-Fonds auf, um flexibel auf Marktzyklen und Opportunitäten reagieren zu können und auch eine optimale Steuerung zwischen den Asset-Klassen zu gewährleisten.

Die strategische Asset Allocation sieht bei Alternatives ohne Immobilien rund die Hälfte bei Private Equity und den Rest dann ungefähr gleich verteilt auf Private Debt und Infrastructure Equity vor. Es braucht natürlich ein bisschen Zeit, um dahin zu kommen. Unser Private-Equity-Portfolio haben wir über einige Jahre aufgebaut und sind sehr gut diversifiziert. Wir haben darauf geachtet, dass wir differenziert in Manager investieren, die in unterschiedlichen Faktoren, Sektoren, Regionen und Größenordnungen spezialisiert sind. Wir kaufen keine Fund of Funds, sondern wir investieren direkt in die einzelnen Zielfonds.

Also keine Dachfonds?

Postler: Wir gehören mit unseren Zielgrößen aus meiner Sicht eher zu den „mittelgroßen“ Investoren. Wir haben uns bewusst für den Weg über Managed Accounts entschieden, wo wir unter Zuhilfenahme von Beratern direkt in die einzelnen Zielfonds investieren. Das passt zu unserem Set-up. Wir sind überzeugt, dass wir über die direkte Selektion besser aussteuern können, in welche Regionen, Sektoren und Manager wir investieren. Und auch, in welche Art von Zielfonds wir anlegen. So können und wollen wir Einfluss nehmen auf die Portfoliokonstruktion und -gestaltung. Aktuell sind wir in gut 25 Zielfonds allokiert, die wir über die Jahre aufgebaut haben.

In welchen Regionen sind Sie investiert?

Postler: Wir sind derzeit global über einen Core-Satellite-Ansatz unterwegs, aber mit dem Schwerpunkt in Europa. Das wollen wir so beibehalten.

Worauf achten Sie noch bei Ihren Private Markets Investments?

Postler: Private Equity nutzen wir unter anderem zur Diversifikation und zielen nicht ausschließlich auf Renditemaximierung um jeden Preis. Wir haben einen klaren Fokus auf nachhaltige, risikoadjustierte Renditen und geben bei Private Equity ein Renditeziel von Aktienmarkt + 300 BP vor. Dies erreichen wir über globale Buyouts – und hier über alle möglichen Größenordnungen hinweg, also von Small über Mid bis Large Cap Buyouts – und ausgewählte Secondaries. Natürlich müssen wir auch da Risiken nehmen. Wir gehen aber eher einen defensiveren Ansatz. Im Bereich Venture Capital haben wir bislang keine Investments getätigt.

Ähnlich werden wir uns auch im Bereich Private Debt aufstellen und uns auf Direct Lending, insbesondere Senior Debt, konzentrieren. Hier wird der Fokus aber noch stärker auf Europa liegen. Unsere Strategie dient der Diversifikation der liquiden Kreditmärkte, liefert geringe Korrelationen und gut planbare Zahlungsströme bei niedrigerer Volatilität. Nischenstrategien sind nur als Portfolioabrundung geplant.

Die Infrastruktur-Investments haben eine geringe Korrelation zu den liquiden Kapitalmärkten und den anderen Private Markets. Sie dienen neben der Diversifikation sowohl der Inflationsabsicherung als auch der Einkommensgenerierung. Wir haben hier einen starken Fokus auf hohe Qualität, geringe Volatilität und Manager mit besonders starken operationellen Fähigkeiten.

Gerade im Infrastrukturmarkt sehen wir gute Möglichkeiten, nachhaltig die Energiewende zu unterstützen und in langfristige Trends zu investieren. In die Auswahlprozesse fließt natürlich die Erfahrung des Trägerunternehmens mit ein, und das ist auch einer der Vorteile, den wir genießen: Wir können die Spezialisten aus den verschiedensten Einheiten der Bank bei unseren Entscheidungen hinzuziehen.

Wie zum Beispiel?

Postler: Nehmen wir das Beispiel Immobilien. Wir sind ein großes Haus und haben eine starke Marktposition im Bereich der Immobilienfinanzierung mit guter Expertise in Deutschland. Wir können beispielsweise die Gutachter, Kreditexperten oder unser Senior Risk Management einbeziehen, wenn es um Investments in Immobilien geht. Und so ist es auch bei Private Equity. Wenn aus Banksicht also zur Vorsicht geraten wird, dann ist das für uns natürlich hilfreich.

Was ist Ihnen bei der Auswahl der Manager wichtig?

Postler: Wir achten darauf, dass wir in unseren Core-Investments grundsätzlich mit etablierten Anbietern zusammenarbeiten. Ein langjährig positiver Track Record muss da sein. Neben der Organisation, Interessengleichheit, Strategie, Performance, Gebühren und Bedingungen sowie den Marktbedingungen achten wir auch auf Nachhaltigkeitskriterien und differenzierende Fähigkeiten. Soweit möglich, investieren wir gerne im First Close, um Kostenvorteile zu nutzen, positiv auf die Bedingungen einzuwirken oder auch einfach die Zuteilung zu sichern. Kleinere Fonds weisen eine größere Dispersion der Renditen auf und bringen zusätzliche Diversifikationseffekte. Dies werden wir uns bei dem weiteren Aufbau des Private- Markets-Portfolios zunutze machen.

Blick zurück aufs letzte Jahr. Wie zufrieden waren Sie mit Ihren PE-Investments?

Postler: Unsere Erwartungen an Private Equity haben sich auch im letzten Jahr erfüllt. Das Portfolio hatte lediglich ein Downside-Beta von 0,5 und die Verluste wurden im dritten Quartal bereits wieder überkompensiert. Dadurch, dass man anders als bei Aktien kein tägliches Reporting bekommt, sieht man die Volatilität natürlich auch nicht so stark. Per Ende Q3 lag der IRR bei 15 Prozent und damit deutlich über Zielrendite. Da fehlt noch die Erholungsbewegung aus dem vierten Quartal. Ich gehe davon aus, dass wir mit der Berichterstattung für Q4 eine schöne Zuschreibung sehen werden.

Was planen Sie in den Bereichen Private Debt und Infrastructure Equity?

Postler: Beides bauen wir gerade erst auf und werden damit dieses Jahr richtig loslegen. Schwerpunkt wird bei beidem ebenfalls Europa sein. Die Ex-Europa-Quote wird zwischen Infrastruktur und Private Equity jedoch flexibel allokiert. Wir sind jetzt mit unseren Beratern im Austausch über die strategische Ausgestaltung und erste taktische Allokationen in Zielfonds. Grundsätzlich gäbe es ja auch noch die Anlageklasse Infrastructure Debt, aber in diesem Segment sind aus unserer Sicht die Renditen mittlerweile so weit zurückgekommen, dass wir sie erst einmal außen vor lassen. Das heißt nicht für alle Zeit, aber für den jetzigen Zeitpunkt schon.

Wie sieht es mit den Währungsrisiken aus. Sichern Sie diese ab?

Postler: Das haben wir lang diskutiert. Grundsätzlich sichern wir im Anleihenbereich unser Fremdwährungs-Exposure ab. Immobilien haben wir nur in Deutschland, da brauchen wir also keine Absicherung. In den Anlageklassen Aktien und Private Equity haben wir unsere Währungsrisiken derzeit nicht abgesichert und es ist aktuell auch nicht geplant. Da sehen wir das Währungsrisiko aufgrund der höheren Volatilität der Anlageklassen an sich nicht als dominierenden Risikofaktor an.

Bei Anleihen ist dies anders, dort kann die Währung durchaus zum dominierenden Risikofaktor werden, was wir vermeiden wollen. Außerdem liegt bei Aktien und Private Markets der Schwerpunkt ohnehin auf Europa. Der Fremdwährungsanteil ist bezogen auf das Gesamtvermögen vergleichsweise gering.

Lesen Sie hier und in der dpn-Ausgabe Februar/März 2021 mehr über den HVB Pension Fund.

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