Über Kaufgelegenheiten im Fixed-Income-Bereich im Zuge der Corona-Krise und die langfristige strategische Ausrichtung des Portfolios sprach Christof Kessler, Vorstandssprecher der Gothaer Asset Management, mit dpn-Redakteurin Antje Schiffler.

Die Corona-Krise hält zwar das Portfoliomanagement auf Trab, an der langfristigen Strategie des Versicherers ändert Covid-19 nicht viel. Rund 2,5 Jahre hat die Gothaer Versicherungsgruppe die Strategie verfolgt, Unternehmensanleihen mit niedriger Bonität und langer Laufzeit zu reduzieren und so das Solvenzkapital zu optimieren, erläutert der Vorstandssprecher. „Den High-Yield-Bereich hatten wir zum Schluss fast komplett verkauft. Zudem haben wir uns von Anleihen im BBB-Bereich mit langen Laufzeiten getrennt“, blickt Kessler zurück. Die Anleihen hatten ihre historischen Risikoprämien massiv unterschritten, untermauert Kessler den Schritt.

„Durch die Corona-Krise sind die Risikoprämien aber wieder an den 10-Jahresschnitt herangekommen. Damit wurden wir auch wieder zum Nettokäufer“, erläutert Kessler. Aufgestockt wurde nun vorwiegend im Investment Grade-Bereich mit überdurchschnittlich guter Bewertung. Für die Verbindlichkeitsseite sei es gut gewesen, wieder attraktive Renditen am Markt einkaufen zu können. Dabei setzt die Versicherungsgruppe vor allem auf in Euro denominierte Werte, was in der Konsequenz eine starke Ausrichtung auf europäische Unternehmen, vor allem aus der Eurozone, impliziert. An der mittelfristigen Strategie, den High-Yield-Bereich abzubauen, haben die jüngsten Ereignisse aber nichts geändert, wie Kessler betont.

Allerdings war in der Krisenzeit nicht jede Transaktion so realisierbar, wie es sich die Kölner gewünscht hätten. „Corona hat die Liquidität eingeschränkt und so ist unser Agieren hinter unserer Überzeugung hinterhergelaufen“, erläutert Kessler. Nicht jedes Investmentziel konnte erreicht werden. „Der Markt war nicht liquide. Es war nicht ausreichend möglich, die erwünschten Zuteilungen am Primärmarkt zu gewinnen, und auch am Sekundärmarkt war es sehr schwierig“, blickt der Experte zurück.

Fixed Income Alternatives

Investments im Bereich der alternativen Renten-Anlagen helfen der Versicherung ebenfalls zu stabilem Einkommen. So nahm die Gothaer vor zwei Jahren Hypothekendarlehen in den Niederlanden ins Portfolio auf. Dieser Bereich wurde sukzessive ausgebaut.

Hinzu kamen illiquide, strukturell komplexe Investments wie Handelsforderungen, sowie auch Darlehen zur Exportkreditfinanzierung – vorzugsweise mit staatlicher Garantie etwa durch Euler Hermes. Diese Darlehen sind in der Regel nicht standardisierte, bilaterale Verträge, die oft recht illiquide sein können. Dies kann einen Vorteil für den langfristigen Investor darstellen: „Wir können das aussitzen, solche Verträge sind typischerweise zirka 7 Jahre, was für einen Personenversicherer unterdurchschnittlich lang ist,“ so Kessler.

In diesem Bereich hapert es laut Kessler aber oft am Management durch externe Parteien. Werden die Deals in der Regel von Investmentbankern gestrickt, sind es doch die Asset Manager, die die hauseigene Portfolio- und die Reporting-Anforderungen sowie Solvency-II-Regulatorik kennen. „Wir müssen den einen zum anderen bringen und diese Koordination macht den Alternative-Fixed-Income-Bereich so schwierig, wenn man wie wir solche Investments nicht direkt sondern nur in Form von Portfolios indirekt erwerben möchte“, teilt Kessler seine Erfahrung.

Immobilien: Bedarf an Mezzanine-Finanzierungen

Für den Immobilien-Bereich hat die Gothaer Bedarf an einem Angebot von Euro-denominierten -Finanzierungen. Zwar gebe es im europäischen Markt reichlich Möglichkeiten für institutionelle Investoren, am Senior und/ oder Whole Loan-Bereich zu partizipieren, aber fondsbasierte Lösungen für vergleichsweise konservatives Mezzanine-Kapital wären indes weniger üblich.

Christof Kessler, Vorstandssprecher Bildquelle: Gothaer Asset Management

Man bräuchte hier eine Investmentbank als Intermediär, die den Senior-Teil am Markt platziert, und den Mezzanine-Teil in einem Fonds zur Verfügung stellt: „Es geht darum, jemanden zu finden, der Senior in den Markt geben und so gleichzeitig Mezzanine aus einer Hand generieren kann“, so Kessler. Renditen zwischen 5,5 und 8 Prozent seien so für den immer noch konservativ ausgestalteten Mezzaninen Anteil möglich.

Infrastruktur bevorzugt

Angesichts der Solvency-II-Anforderungen bevorzugt das Unternehmen in den Sektoren Immobilien und Erneuerbare Energien solche Investitionen, die als Infrastruktur-Anlagen qualifizieren. Denn diese werden im Gegensatz zu Equity-Investitionen mit 30 Prozent Solvenzkapital unterlegt. Mit dieser Motivation hat sich die Gothaer im vergangenen Jahr beispielweise am Technischen Rathaus in Köln beteiligt. Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien  erfolgen zunehmend mit Unternehmen, mit denen privatrechtliche Stromabnahme-Verträge vereinbart werden (so genannte Power Purchasing Agreements, PPA).

„Hier bieten Länder wie Spanien und die skandinavische Region zukünftig viel Potenzial, da diese Regionen schon früh aus staatlich reglementierten Einspeiseregimen ausgestiegen sind und trotzdem den Ausbau von Solar bzw. Wind forcieren“, erläutert Kessler. Die Gothaer investiert daher in ganz Europa. Derzeit sind wir auch in ernsthaften Gesprächen für EE-Investments außerhalb von Europa. Weiterer Pluspunkt des EE-Portfolios: Diese Investitionen zahlen auch auf die ESG-Ambitionen des Unternehmens ein.

ESG: Auf dem Weg zu Impact und Engagement

„Wir haben unser ESG-Programm vor über zwei Jahren auf den Weg gebracht und seitdem immer weiter nach vorne getrieben“, so Kessler. Nach den Ausschlusskriterien, die als „niedrig hängende Früchte“ am unkompliziertesten umzusetzen waren, stehen künftig auch die Themen Impact Investing und Engagement auf der Agenda. „So weit sind wir zurzeit aber noch nicht“, räumt Kessler ein. Allerdings ist das Unternehmen auf dem Weg dorthin. Zur besseren Ausrichtung der Kapitalanlage auf ESG-Belange hat die GoAM zwei Mitarbeiterinnen eingestellt, die auch die UN PRI Zertifizierung und das Reporting dafür vorantreiben werden. Lesen Sie hier mehr über das Nachhaltigkeitsmanagement der Gothaer.

 

Lesen Sie mehr über die Asset Allocation institutioneller Anleger in der aktuellen Ausgabe der dpn.

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