Über die Rolle von alternativen Anlagen im Portfolio tauschte sich Michael Lennert mit André Heimrich, Vorstand Kapitalanlagen, bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), aus.

Welche Erfahrungen in der Kapitalanlage haben Sie während der Pandemie gemacht und welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

André Heimrich: Die Investition in Sachwerte ist aus unserer Sicht die geeignete Strategie, um sich in Krisensituationen zu behaupten. Und diese Strategie verfolgen wir im Niedrigzinsumfeld bereits seit mehreren Jahren – neben einer breit angelegten Diversifikationsstrategie.

Natürlich stellte die Corona-Krise auch für uns eine anspruchsvolle Herausforderung für die institutionelle Anlagestrategie dar. Zu Beginn der Pandemie war der heftige Marktabsturz ein Schock für alle Kapitalanleger. Wir erlebten den schnellsten signifikanten Marktrückgang am Aktienmarkt, der jemals gemessen wurde. Nachdem wir uns die Risikosituation angeschaut, sie bewertet und analysiert hatten, stellten wir fest: Bei der Aufstellung unserer strategischen Kapitalanlageplanung hatten wir Szenarien einkalkuliert, die noch wesentlich schlechter ausfielen als das Corona-Szenario. Das heißt, wir waren immer noch in der Bandbreite an Marktschwankungen, die wir unserer strategischen Kapitalanlageplanung zugrunde gelegt haben.

Als langfristiger Kapitalanleger mit langfristigen Verpflichtungen nutzten wir die Situation und agierten antizyklisch, indem wir Investments, etwa im Aktienbereich, neu tätigten. Dadurch konnten wir deutlich günstiger einkaufen – und auf diese Investments haben wir aufgrund eines sich erholenden Marktes schon wieder Gewinne.

Alternative Anlagen haben für die BVK immer schon eine zentrale Rolle gespielt. Können Sie uns dazu ein Update geben?

Heimrich: Das stimmt, einen Großteil unserer alternativen Anlagen haben wir im Bereich nicht börsennotiertes Kapital. Wir haben bereits 2005 begonnen, in alternative Anlagen zu investieren, 2007 in Private Equity, 2008 in Infrastruktur und 2009 in Timber. Gestartet sind wir bei PE als klassischer Fund-of-Fund-Investor in den Bereichen Buyout USA und Europa. Zusätzlich haben wir bereits 2007 begonnen, in Venture Capital zu investieren. Das zahlt sich nun, nachdem wir langsam das Laufzeitende bestimmter Fund-of-Funds aus 2007 erreicht haben, aus.

Im Laufe der Zeit haben wir natürlich unsere Strategie immer weiter angepasst. So haben wir Secondaries, Co-Investments (über Fund-Lösungen) und Separate Accounts, also nur für die BVK speziell aufgelegte Mandate, mit ins Portfolio integriert.

Seit 2017 zeichnen wir auch direkt Single Buyout Funds in USA, Europa und auch in Asien. Den Mid Market, den wir als alle Funds unter einer Fund-Größe von 1,5 Milliarden Euro beziehungsweise US- Dollar definieren, decken wir nach wie vor über FoFs beziehungsweise Separate Accounts ab. Bei Infrastruktur hatten wir bereits 2007 begonnen, direkt in Funds zu investieren. Hier haben wir uns ein starkes Portfolio mit dem Fokus auf Core und Core Plus und einer gesunden Beimischung von Greenfield aufgebaut.

Bei der Länderaufteilung liegt unser Schwerpunkt in den USA mit einer Beimischung von Europa und Asien/EM. Strategisch verfolgen wir eine globale Ausrichtung auf das Mid-Market- Segment mit einer Beimischung von Mega- Fund-Playern. Nach wie vor sind wir einer der wenigen Investoren im deutschsprachigen Raum, der in Timber investiert. Für eine gerade auch im Hinblick auf unsere nachhaltige Kapitalanlage wichtige Asset-Klasse schöpfen wir aus einem mittlerweile fast 13-jährigen Wissensschatz. Und nicht zu vergessen, wir haben natürlich über all die Jahre konsequent unser Team ausgebaut und verstärkt. Hier ist enormes Wissen und Know-how aufgebaut worden, von dem wir profitieren.

Welche Rolle spielt hierbei das Thema Illiquidität? Und welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht?

Heimrich: In der Mischung unserer zwölf – zum Teil relativ jungen – Versorgungseinrichtungen übersteigen unsere Einzahlungen unsere Leistungen. Das heißt, wir können weiterhin aktiv am Kapitalmarkt partizipieren und gerade auch in den wichtigen und renditestarken alternativen Anlageklassen weiterhin Kapital kommittieren. Für Asset-Klassen wie Private Equity, Infrastruktur und auch Timber ist dies gerade im Hinblick auf die Vintage-Diversifizierung enorm wichtig. Selbst in Zeiten von Covid-19 sind wir in keine Illiquiditätsengpässe gerutscht. Es waren und sind keine Verkäufe am Secondary-Markt notwendig. Ganz im Gegenteil: Wir investieren nach unserer Strategie, die vor Corona-Zeiten entstanden ist.

Welche Pläne verfolgen Sie bezüglich Ihrer alternativen Anlagequote im kommenden Jahr?

Heimrich: Wir möchten gerne unsere alternativen Asset-Klassen weiterhin ausbauen, da sie durch ihre sehr guten Renditen einen wesentlichen Beitrag für unseren jährlichen Rechnungszins leisten. Wie genau sich die Quoten in den nächsten Jahren gestalten werden, legen wir in unserer neuen strategischen Planung fest, die 2022 beginnen wird.

Welche Bereiche halten Sie hierbei für aussichtsreich? Und welche Bereiche wollen Sie über-, welche untergewichten?

Heimrich: Gerade Private Equity wird in den nächsten Jahren im Fokus stehen, aber auch Infrastruktur und Timber sind für uns zentrale Bausteine für ein diversifiziertes Portfolio. Im Hinblick auf unsere Nachhaltigkeitsstrategie sehen wir, dass sich immer mehr PE-, Infrastruktur- und Timber-Manager stark dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben. Für uns sind ESG-Strategien in den Unternehmen eine Voraussetzung, fast alle unsere Manager sind PRI-Unterzeichner und teilweise haben sie sich bereits ebenso dazu entschieden, ihre Portfolios CO2-neutral zu stellen.

Sicherlich werden wir bei PE unsere Strategie, mehr in Single Funds zu investieren, weiterhin konsequent verfolgen. Bereits dieses Jahr haben wir uns beispielsweise für Asien Single-Fund-Buyout- Manager angeschaut, ein weiterer Auswahlprozess für USA-Buyout-Manager steht ebenfalls noch an. In allen drei Asset-Klassen wird eine Überarbeitung der Strategien Anfang 2022 intern erfolgen. Alle strategischen Portfolioentwicklungen arbeiten wir intern aus, ohne Consultants.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft richten, wie sieht die Zukunft der institutionellen Kapitalanlage für die BVK aus?

Heimrich: Wir sind davon überzeugt, dass der nachhaltigen Kapitalanlage die Zukunft gehört – daher werden wir unseren Nachhaltigkeitsweg konsequent weitergehen. Natürlich werden sich die Märkte verändern und dies werden wir entsprechend bei unserer Kapitalanlagestrategie zu adaptieren haben. Eine sichere, nachhaltige und breit diversifizierte Anlage, mit der die Bayerische Versorgungskammer ihren Versorgungsauftrag langfristig erfüllen kann – das steht auch weiterhin im Fokus unserer Kapitalanlagestrategie.

Lesen Sie mehr in der dpn-Ausgabe Juni/Juli 2021 zur nachhaltigen Kapitalanlage der BVK. 

 

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