Fast an allen Rohstoffmärkten ziehen die Preise an. Hinzu kommen hohe Frachtraten und Verteuerungen bei Zwischenprodukten. Dies treibt die Inflation, die in den USA im April auf 4,2 Prozent kletterte. Was können Anleger tun?

An fast allen Rohstoffmärkten ziehen die Preise an. An der Nymex wird Rohöl inzwischen wieder bei knapp 65 USD/t gehandelt. Das ist ein Anstieg von rund 30 Prozent seit Jahresbeginn. Bei Agrarrohstoffen oder Industriemetallen sieht es ähnlich aus. Auch Gold verteuert sich weiter. Nahezu überall sind seit Jahresbeginn Anstiege im hohen zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen.

Laut Olivier de Berranger, CIO bei LFDE, belastet diese Entwicklung auch den Markt für Güterverkehr. Gestützt durch einen Wachstumsschub in den USA, aber andererseits belastet durch die steigenden Rohölpreise und eine nach jahrelangen Unterinvestitionen zu kleine Flotte, schießen die Frachtkosten weltweit in die Höhe. Nur ein Beispiel: Die Containerfrachtrate zwischen Shanghai und Los Angeles lag vor der Krise noch bei rund 1.500 US-Dollar lag. Inzwischen sind es mehr als 5.000 Dollar.

Preisauftrieb auch bei Zwischenprodukten

Preisdruck gibt es auch bei einigen Zwischenprodukten. Auch hier löste die jähe Unterbrechung der Produktionsketten im vergangenen Jahr reihenweise Lieferverzögerungen aus, betont Olivier de Berrang. Er ergänzt: „In einer globalisierten Wirtschaft sind diese Spannungen von Dauer“. Besonders Halbleiter sind rar. Alle Produkte, die mit Halbleitern ausgerüstet sind, sind von Verzögerungen bei der Produktion und sogar Preisanstiegen betroffen.

Chris Iggo, CIO Core Investments bei AXA IM, betont: „Es ist typisch, dass sich die Nachfrage nach einer Rezession schneller erholt als das Angebot, das im Falle von Rohstoffen relativ unelastisch ist“. Dieser Preisdruck zu Beginn des Zyklus weiche in der Regel einer Normalisierung der Rohstoffmärkte, wenn das Angebot zunimmt. Dann drehen sich auch die Futures-Kurven wieder in Richtung Contango, die Spotpreise liegen also niedriger als die Futures-Preise. Dieser Prozess braucht jedoch Zeit, und in diesem Zyklus könnte er länger als üblich dauern, prognostiziert der Experte.

Strukturelle Nachfrage nach Rohstoffen

Die Nachfrage nach Rohstoffen ist auch strukturell getrieben. „Kupfer, Lithium, Nickel und Kobalt sind allesamt Metalle, die für den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft unerlässlich sind. Alle haben bis jetzt im Jahr 2021 erhebliche Preissteigerungen erlebt“, so Iggo. „Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Preise für bestimmte Rohstoffe noch einige Zeit hoch bleiben werden.“

Auch die Preise für Emissionsgutschriften im europäischen Emissionshandelssystem (EU-ETS) ziehen deutlich an. So haben sie nun zum ersten Mal die Marke von 50 Euro pro Tonne erreicht. Der Preisanstieg der traditionellen fossilen Brennstoffe, die sich durch die CO2-Preise noch zusätzlich verteuern, dürften dazu beitragen, den Übergang zu mehr erneuerbaren Energien zu beschleunigen.

Dadurch wiederum zieht die Nachfrage nach den Rohstoffen an, die im Sektor der erneuerbaren Energien benötigt werden. „Höhere Inflation wird der Preis für die Internalisierung der externen Kosten der Verbrennung fossiler Brennstoffe sein, zumindest für eine gewisse Zeit“, so Iggo.

Investieren in den Rohstoff-Boom

Institutionelle Investoren sollten sich so positionieren, dass sie von den hohen Rohstoffpreisen profitieren. „Innerhalb der festverzinslichen Anlagen haben sich Strategien mit kurzer Laufzeit, inflationsgebundene Anleihen und Anleihen aus Schwellenländern in der Vergangenheit besser entwickelt als zinssensitive Anleihen hoher Qualität“, betont Iggo. Auf der Aktienseite sei eine eher wertorientierte, zyklische Ausrichtung eine Überlegung wert, da der Anstieg der Rohstoffpreise den zyklischsten Teilen der Wirtschaft einen kurzfristigen Gewinnschub verschaffen dürfte. Auf der Devisenseite sollten die so genannten Rohstoffwährungen – etwa der australische Dollar, der kanadische Dollar und der chilenische Peso – von den höheren Preisen für Metalle profitieren.

Und Olivier de Berranger sagt: „Aktien von Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht oder, die von der Entwicklung der Rohstoffpreise beeinflusst werden, inflationsgebundene Anleihen und Immobilien sind Anlageklassen, die Schutz gegen die Inflation bieten.“

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