Es war die 2. Auflage des institutional assets Swiss Pension Forum des F.A.Z.-Fachverlags – statt live in Zürich in diesem Jahr digital. Besonders beschäftigte die Teilnehmer die Frage, wo das Schweizer Vorsorgesystem im internationalen Vergleich steht und wie es weiter gehen kann mit der zweiten Säule.

Das bekannte Problem: Die Bevölkerung in der Schweiz altert, da unterscheidet sich der Alpenstaat nicht von anderen westlichen Ländern. Von Generation zu Generation leben die Schweizer 4 bis 5 Jahre länger als ihre Eltern. Die Alterspyramide ähnelt längst mehr einer Urne als einer Pyramide, und die Lücke in der Altersvorsorge ist entsprechend groß. Laut Professor Dr. Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg ein selbstverschuldetes Problem, das generationsgerecht nur durch eine längere Phase der Erwerbstätigkeit gelöst werden kann. Mit 67 könnte das Ende der Fahnenstange also noch nicht erreicht sein. In Norwegen etwa wurde das Renteneintrittsalter auf 70 erhöht. Dies könnte als Blaupause auch für andere Länder dienen.

Nicht gut bestellt ist es daher um die gesetzliche Rentenversicherung. So sieht die Generationenbilanz der AHV alles andere als rosig aus. Jeder nimmt mehr aus der AHV heraus, als er einzahlt, so Raffelhüschen. Der heutige Barwert der Rentenversprechen der AHV übersteigt den Barwert der zukünftigen Einnahmen um 169,2 Prozent des Schweizer BIPs, so das ernüchternde Ergebnis einer Studie des Ökonomen.

Die Reformprojekte Steuerreform und AHV-Finanzierung  (STAF) und der Entwurf AHV 21 würden die aktuelle Finanzierungslücke um etwa die Hälfte reduzieren, belasten allerdings ebenfalls die jungen und zukünftigen Generationen. Letztlich stelle einzig die Angleichung des Rentenalters von Frauen einen Schritt in Richtung Generationengerechtigkeit dar, konstatiert Raffelhüschen.

Die 2. Säule entlasten

Und auch die 2. Säule schwächelt. Langlebigkeit und Umverteilung von Jung an Alt manifestieren sich letztlich in einem viel zu hohen Umwandlungssatz, so der Ökonom. Der Satz müsse deutlich niedriger sein als die aktuell mehr als 6 Prozent.

Der Spielraum rentnerlastiger Pensionskassen wird mit steigender Lebenserwartung im Niedrigzinsumfeld immer kleiner. Sie sollten daher entlastet werden, wie schon die großen Finanzinstitute in der Finanz- und Eurokrise, sagt Peter Zanella, Senior Director Retirement Services bei Willis Towers Watson. Sein Vorschlag: “Bad Banks”, alimentiert vom Staat oder der Nationalbank, für die unterfinanzierten Pensionskassen. “Wenn die Problematik nicht proaktiv angegangen wird, wird meines Erachtens die 2. Säule in große Bedrängnis geraten”, so Zanella. Ein kontroverser Vorschlag, wie sich im ersten Panel unter dem Titel “Bad Banks statt Kassen-Pleiten” zeigt, in dem Raffelhüschen und Zanella mit Hanspeter Konrad, Direktor beim Pensionskassenverband Asip und Werner Hertzog, Consultant und Ex-Direktor der Pensionskassen Publika und BPK diskutierten.

Auch das Publikum zeigte sich gespalten: Laut der TED-Umfrage unterstützen den Vorschlag zwar 33 Prozent der Zuschauer, allerdings bezweifeln knapp 60 Prozent, dass mithilfe dieses Lösungsansatzes die grundsätzlichen Probleme der 2. Säule gelöst werden können, und ein Zehntel erwartet sogar, dass Bad Banks zu neuen Ungerechtigkeiten führen.

Sind alternative Anlagen alternativlos?

Sind Private Debt oder Infrastrukturinvestments wie Renewables geeignete Ertragsquellen für die Zukunft? Ansätze für Investments in diesen Asset-Klassen präsentierten Wolfgang Dressler, VP Produktstratege alternative Investments bei PIMCO Europe, Michael Ebner, Geschäftsführer Asset-Klasse Infrastruktur bei KGAL sowie Edmund Wandeler und Jon Landis vom Strategic Partners Team BMO Sponsor Finance.

Erneuerbare Energien haben sich in der Corona-Krise als sehr stabil erwiesen, erläutert Ebner. An den guten Renditeerwartungen ändern auch die europaweit auslaufenden festen Einspeisevergütungen nichts. Allerdings erfordert das neue Umfeld andere Herangehensweisen. Klarer Fokus liegt weiterhin auf Europa, wobei zunehmend Osteuropa interessant werde. Auch von technologischer Seite wurde das Portfolio zuletzt um Offshore-Windanlagen ergänzt.

Das Risikoprofil dieser Anlageklasse hat sich in den vergangenen Jahren allerdings stark verändert. Anlagen laufen weitaus verlässlicher als noch vor einigen Jahren und auch die Prognosegüte für die tatsächliche Stromproduktion hat sich deutlich verbessert. Gepaart mit den inzwischen deutlich geringeren regulatorischen Risiken sieht somit das Risikoprofil mittlerweile anders aus als noch vor ein paar Jahren.

Doch auch in diesem Umfeld lässt sich attraktives Alpha generieren. KGAL investiert beispielsweise inzwischen vermehrt in frühe Projektstadien. “Die beste Phase ist die Development & Construction Phase. In diese Projekte kaufen wir uns ein, weil wir dort das beste Risiko-Return-Profil sehen”, erläutert Ebner.

Komplexitäts- und Illiquiditätsprämien können institutionelle Investoren in der Asset-Klasse Private Credit abschöpfen, wie Wolfgang Dressler von PIMCO anschließend ausführt. Dies gelte auch und besonders in Phasen wie der aktuellen Krise, in der die öffentlichen Märkte immer wieder nach unten gedrückt werden. PIMCO subsumiert in dieser Asset-Klasse nicht nur Direct Corporate Lending, sondern auch Commercial Real Estate, Residential Credit, Structured Credit sowie Specialty Finance.

Der Weg aus der Krise ist uneben und verläuft nicht in allen Bereichen gleich voran. Und eben dies bietet Opportunitäten, wie Dressler hervorhebt. Beispiele sind die Bereiche, in denen Banken eingeschränkt sind und andere Kreditgeber sich mit Zugangsbarrieren konfrontiert sehen. Allerdings: Höheres Risiko sollte nicht der Weg zur höheren Rendite sein, dies könnte sich als gefährlich erweisen. Vielmehr sollten Kreditgeber angemessen geschützt und die Assets hochwertig sein, betont Dressler.

Für Pensionsfonds eignen sich ohnehin eher konservative Debt-Investments. In diesem Segment sind Renditen zwischen 4 bis 5 Prozent möglich, wie Edmund Wandeler, Director, Regional Sales, Switzerland & Austria, BMO Global Asset Management erläutert. Investoren sollten  für die Bewertung des Risiko-Rendite-Profils genau über Zweck des Kredits sowie Management und Art der Firma informieren.

Das BMO-Team hat sich auf die vier Bereiche Technologie, Gesundheit, Industrials sowie Food & Consumer spezialisiert. Zyklische Branchen wie Energie befinden sich nicht im Portfolio, erläutert Jon Landis, BMO Sponsor Finance, Strategic Partners Team.

SAA: Niedrigzins und Nachhaltigkeit bedeutender als Corona

In der anschließenden  Paneldiskussion „Next Generation SAA“ stießen Markus Hübscher, Geschäftsführer der Pensionskasse SBB, Dr. Stephan Kloess von Kloess Real Estate und Alexandra Tischendorf, Senior Consultant bei Mercer, zur Diskussion hinzu. Zwar sind einzelne Asset-Klassen in der Krise unter die Räder gekommen. Allerdings: Anpassungen zur strategischen Asset-Allocation sind in der Regel nicht erfolgt. Denn viel stärker wiegen die zugrunde liegenden langfristigen Trends Niedrigzins und Nachhaltigkeit. “Wir sind der Meinung, dass Pensionskassen die SAA antizipativ und nicht reaktiv umsetzten sollten”, sagte Tischendorf. Und auch laut Hübscher lässt sich das vorherrschende Dilemma der aktuellen Zeit aus akuter Krise und andauerndem Niedrigzins in zwei kurzen Fragen beantworten: “Ändern wir die Strategie? Nein. Sind wir in Balance? Nein.” Letztlich, so die Einschätzung des Experten, müsse man also über Leistungen sprechen. Eine stärkere Diversifizierung in der Kapitalanlage ist zudem zwingend notwendig, so der einhellige Tenor der Diskussionsrunde.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte der Ökonom und Wirtschaftspublizist Beat Kappeler im Impulsvortrag zur Geldpolitik der Nationalbanken. Aus seiner Sicht wird die Geldflut kein gutes Ende nehmen, denn die Staatsausgaben und deren Defizite seien nicht mehr durch Steuern irgendwelcher Art finanzierbar. Kappeler nennt die Folgen der Geldschwemme mit Nullzinsen, steigenden Wertpapierkursen und Immobilienpreisen eine “synthetische Herstellung von Wohlstand”. Wie lange das noch so weiter geht, kann auch er nicht sagen. Es sei so “wie beim Besentanz”, aber im Moment seien wir “noch alle ruhig gestellt”.

 

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