Die US-Inflation kletterte im Juni auf ein 13-Jahreshoch. Federal-Reserve-Chef Jerome Powell räumte zwar ein, dass die Entwicklung die Notenbank „überrascht“ habe, eine Trendwende in der Geldpolitik steht so schnell aber nicht an.

Um 5,4 Prozent kletterte die Inflationsrate im Juni 2021 auf Jahressicht nach oben, nach 5 Prozent im Vormonat. Damit markierte der Sommermonat den höchsten Anstieg seit August 2008. Treiber des kräftigen Anstiegs bei den Konsumentenpreisen waren vor allem das heftige Preisplus bei den Gebrauchtwagen – die Kosten explodierten um 10,5 Prozent.  Damit gerät die US-Notenbank Federal Reserve zunehmend unter Druck, die Geldpolitik zu straffen, um die Preisspirale in den Griff zu bekommen.

Jerome Powell sagte zwar, dass er sich nicht wohl fühle mit einer Inflation deutlich über dem definierten Zielwert. Es wäre aber ein Fehler, zu früh zu reagieren. So deutet sich nur langsam das Ende der ultralockeren Geldpolitik an.

In der aktuellen Erklärung zur Juli-Sitzung erklärte der der Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed, die Fortschritte zur Erreichung der Inflations- und Vollbeschäftigungsziele “in den kommenden Sitzungen” weiter bewerten zu wollen.

Kommunikation zur Rückführung der Wertpapierkäufe

PIMCO sah sich in der Prognose bestätigt, dass der FOMC später im Jahr die Rückführung der umfangreichen Wertpapierkäufe kommunizieren wird. „Unserer Ansicht nach lassen diese Änderungen in der FOMC-Erklärung die Möglichkeit offen, dass die Fed die erste Verringerung des Tempos ihrer Anleihekäufe bereits im September ankündigen könnte. Gleichzeitig bekräftigten sie unsere Einschätzung, dass der Dezember der wahrscheinlichste Zeitpunkt für die Ankündigung ist“, teilt der Asset Manager mit.

Eine ähnliche Einschätzung vertritt Eyb & Wallwitz. „ Die aktuell hohen Inflationsraten werden nach wie vor als temporäres Phänomen gesehen. Die Fed dürfte erst im vierten Quartal den Ausstieg aus dem QE-Programm verkünden“, heißt es. So habe der Fed-Chef betont, zuvor weitere „Warnsignale“ geben zu wollen und hat die September-Sitzung für die Ankündigung implizit ausgeschlossen.

Anleger müssen sich umstellen

„Investoren müssen in den kommenden Monaten drei Faktoren im Auge behalten: Inflation, die Auswirkungen der Fiskal- und Geldpolitik und neue Nachhaltigkeitsziele“, betont Muzinich. „Wir befinden uns jetzt in einem Umfeld steigender Zinsen, beeinflusst durch die Politik der Zentralbanken, und wachsender Inflationserwartungen“, sagt Michael McEachern, Portfolio Manager und Co-Head of Public Markets bei dem Asset Manager. „Deshalb konzentrieren wir uns auf Kreditmärkte mit mehr Spread und kürzerer Duration, wie beispielsweise US- und Schwellenländer-Hochzinsanleihen.”

Im Investment Grade-Segment bevorzugt der Asset Manager Anleihen mit einem BBB-Rating, bei denen durch eine Bottom-up-Kreditanalyse ein Mehrwert geschaffen werden könne, ergänzt Tatjana Greil-Castro , ebenfalls Portfoliomangerin bei Muzinich.

Aus Sektorsicht seien etwa Finanztitel attraktiv, die von steigenden Zinsen und steileren Renditekurven profitieren werden. Außerdem gäbe es in zyklischen Sektoren Chancen.

Zudem könne der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft ein weiterer Inflationsauslöser sein. „Daher besteht die Gefahr, dass es in einigen Branchen zu einer erhöhten Nachfrage und damit Inflationsdruck kommt, bei nachlassender Nachfrage in anderen Branchen wiederum zu einer Deflation“, so Muzinich.

Wachstumstitel bleiben attraktiv

„Der starke Anstieg der Inflation in den USA wird voraussichtlich nicht anhalten“, lautet die Einschätzung von Taymour Tammadon, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter T. Rowe Price. Zwar dämpfe der starke Inflationsanstieg den Anleger-Optimismus. Doch Wachstumsaktien dürften durch den kurzfristigen Inflationsanstieg kaum beeinträchtigt werden: „Wir halten unverändert an unserem positiven Ausblick für Wachstumsunternehmen fest“, betont Tammadon. Die inhärente, fundamentale Fähigkeit von Wachstumsaktien, den freien Cashflow langfristig zu steigern, bleibe weiterhin intakt.

Rohstoffe als Absicherung

Absicherung gegen die Inflation durch Rohstoffe empfiehlt indes Nitesh Shah, Director, Research, WisdomTree. „Unserer Ansicht nach dienen breite Rohstoffkörbe und Gold als Absicherung gegen eine Inflation. Da die erhöhten Inflationszahlen möglicherweise nicht nur temporär sind, könnte das Investment nicht nur taktischer, sondern auch strategischer Natur sein.“

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