Mehr Insolvenzen setzen Betriebsrenten unter Druck

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Die Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) ist 2025 stärker gefordert worden. Der Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) musste im vergangenen Jahr deutlich mehr Unternehmenspleiten auffangen, was spürbare Folgen für Betriebsrentner, Anwärter und beitragspflichtige Unternehmen hat. Insgesamt stieg die Zahl der Sicherungsfälle um 22 Prozent auf 614. Trotz dieser Entwicklung ging das Schadenvolumen leicht auf 653 Millionen Euro zurück. Hintergrund ist vor allem eine veränderte Struktur der Insolvenzen: Es gab mehr Fälle, aber im Durchschnitt kleinere Unternehmen mit geringeren Verpflichtungen aus der bAV.

Insolvenzen treffen zunehmend die bAV

Der PSVaG greift immer dann ein, wenn Unternehmen mit Betriebsrentenverpflichtungen insolvent werden. Für die Betroffenen bedeutet dies in der Praxis: Der Verein übernimmt die Ansprüche und stellt die Rentenzahlung sicher – entweder durch direkte Zahlungen oder über ein Konsortium von Lebensversicherern.

2025 kamen rund 37.400 neue Versorgungsberechtigte hinzu, deren Ansprüche infolge von Insolvenzen abgesichert werden mussten. Damit zeigt sich klar, dass die Entwicklung am Insolvenzmarkt direkt auf die bAV durchschlägt. Besonders relevant ist dabei die Struktur der Sicherungsfälle. Laut Geschäftsbericht gab es 2025 insgesamt 18 sogenannte Großschäden (Vorjahr: zwölf), also Insolvenzen mit besonders hohen Verpflichtungen aus der bAV. Diese großen Fälle prägen das Risiko für das System überproportional, auch wenn sie im Einzelnen nicht im Geschäftsbericht namentlich ausgewiesen werden. Zu den größeren und öffentlich bekannt gewordenen Insolvenzen 2025/2026 zählen unter anderem der Hemdenhersteller Eterna, der Autovermieter Starcar Europa Service, der E-Roller-Hersteller Govecs sowie international relevante Fälle wie der Automobilzulieferer First Brands Group.

Auswirkungen für Betriebsrentner und Anwärter

Für Rentner selbst bleibt die wichtigste Botschaft zunächst stabil: Die laufenden Betriebsrenten werden durch den PSVaG gesichert und weitergezahlt. 2025 flossen 75 Millionen Euro direkt an Berechtigte sowie weitere 852 Millionen Euro über das Versicherungskonsortium.

Anders stellt sich die Lage für Anwärter dar. Hier wirken Insolvenzen stärker in die Zukunft hinein. Die Höhe der späteren Betriebsrente kann durch gesetzliche Begrenzungen oder Anpassungen beeinflusst werden, etwa durch die Beitragsbemessungsgrenze oder durch strukturelle Änderungen im Insolvenzverfahren. Zugleich zeigt sich ein Trend: Die Zahl der neu zu sichernden Anwärter ist gesunken, was auf kleinere Insolvenzen hindeutet.

Rückübertragungen entlasten das System

Ein Teil der Auswirkungen konnte 2025 abgefedert werden. In 60 Fällen gelang es, die Betriebsrentenverpflichtungen ganz oder teilweise wieder auf fortgeführte Unternehmen zu übertragen. Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet das: Ihre bAV bleibt beim Arbeitgeber und muss nicht dauerhaft vom PSVaG übernommen werden. Diese Sanierungsfälle sind zentral für die Stabilität des Systems, da sie die kollektive Finanzierung durch die Mitgliedsunternehmen entlasten.

Beitragssatz steigt deutlich

Die steigende Zahl an Insolvenzen schlägt sich unmittelbar in der Finanzierung nieder. Der Beitragssatz für die Mitgliedsunternehmen wurde 2025 auf 1,2 Promille angehoben, nach nur 0,4 Promille im Vorjahr.

Das Umlageverfahren des PSVaG sorgt dafür, dass die Kosten der Insolvenzsicherung direkt von den Arbeitgebern getragen werden. Steigen die Insolvenzen oder wachsen die Verpflichtungen aus der bAV, erhöht sich entsprechend die Beitragslast. Damit zeigt sich ein zentrales Spannungsfeld: Während die Leistungen für Betriebsrentner gesichert bleiben, steigt die finanzielle Belastung für die Unternehmen – ein Faktor, der wiederum auf die Attraktivität und Ausgestaltung der bAV zurückwirken kann.

System stabil – aber anfällig für Großinsolvenzen

Trotz der steigenden Fallzahlen sieht sich der PSVaG insgesamt stabil aufgestellt. Der Ausgleichsfonds erreichte 2025 mit 3,6 Milliarden Euro seine Zielgröße. Gleichzeitig bleibt das System stark abhängig von einzelnen Großinsolvenzen. Diese können das Schadenvolumen und damit die Beiträge kurzfristig erheblich beeinflussen. Für die bAV bedeutet das: Die Insolvenzsicherung funktioniert weiterhin verlässlich, doch die zunehmende Dynamik im Insolvenzgeschehen könnte langfristig zu höheren Kosten und strukturellen Anpassungen führen. Besonders für Anwärter rückt damit die Frage der Sicherheit und Planbarkeit ihrer Betriebsrenten stärker in den Fokus.

Goran Culjak ist Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten. Davor arbeitete er bei PLATOW als Fachredakteur für Versicherung und Altersvorsorge und etablierte die Risikomanagementkonferenz. Der Diplom-Betriebswirt (FH) startete 2004 als Pressereferent bei Union Investment seine berufliche Laufbahn.

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