Europas High Yields notieren nach mageren Jahren im aktuellen krisengeschüttelten Umfeld im attraktiven Plus. Dies könnte nach Einschätzung von Faidra Kouri von Fidelity International Opportunitäten fürs institutionelle Portfolio bieten.

Nach dem Ausverkauf von Risiko-Assets im ersten Quartal 2020 rentieren europäische Hochzinsanleihen aktuell zu mehr als 7 Prozent. Aus Furcht vor höheren Ausfällen sind die Spreads europäischer HighYield-Indizes auf 757 Basispunkte per 31. März nach oben geschnellt. Dabei sind erwartete kumulierte 5-Jahres-Ausfallraten von 40 Prozent eingepreist. Diese historisch hoch  eingepreisten Ausfallraten bieten nach Einschätzung von Faidra Kouri, Investment Specialist bei Fidelity, genug Puffer: Die in Spreads Ausfallraten übersteigen die historischen Höchststände um 8 Prozentpunkte.

Für einen Einstieg ins europäische High-Yield-Segment spricht, dass die Spreads die Talsohle der Wirtschaftsdaten vorwegnehmen und eine Rückkehr zum Durchschnitt erwarten lassen. Historisch gesehen haben High-Yield-Anleger über einen Zeitraum von zwei Jahren noch nie Geld verloren, wenn die Spreads über 800 Basispunkten waren, so Kouri.

Herabstufungen aus dem Investment-Grade

Sowohl in den USA als auch in Europa drohen Herabstufungen von Unternehmen aus dem Investment-Grade-Segment, und zwar nach Einschätzung von Investor um mehr als 30 Prozent. Zwei Aspekte könnten die Entwicklungen nach Einschätzung von Fidelity relativieren:

  1. Eingepreiste Herabstufungen: Die Märkte preisen den Abstieg ins High-Yield-Universum bereits im Vorfeld ein.
  2. Gefallene Engel schaffen branchenübergreifend relativ häufig den Wiederaufstieg ins Investment-Grade-Universum.

Unterschiede zu 2008/2009

Der europäische High-Yield-Markt hat einen hohen Anteil von Bank- und Finanztiteln. Anleger sollten im Allgemeinen aber – im Gegensatz zu 2008/2009 – keine Rettungsaktionen durch die EZB oder einzelne Staaten erwarten. Im Gegensatz zur Finanz- und Wirtschaftskrise sind aber zwei Unterschiede zu beachten:

  1. Die Politik wird Banken stützen: Die aktuelle Liquiditätskrise betrifft Unternehmen branchenweit. Banken werden derzeit eher als Lösung und nicht als das Problem gesehen. Die Regierungspolitik wird sich somit darauf konzentrieren, Banken liquide zu halten.
  2. Risikoreiche Branchen sind unterrepräsentiert: Positiv für Anleger im europäischen High-Yield-Markt ist, dass Branchen wie Energie und Fluggesellschaften unterrepräsentiert sind.

Stärkerer Fokus auf solide Bilanzen

Während Aktienrückkäufe und hohe Dividendenzahlungen unter Druck geraten sind, sind Anleihekupons weniger betroffen, da dies als Kreditausfall gewertet würde. In der zu erwartenden Konsolidierungsphase sollten Unternehmen zudem ihre Verschuldungsquoten senken und sich stärker auf solide Bilanzen fokussieren.

Risikobereinigte Renditen sprechen für Unternehmensanleihen

Selbst nach dem aggressiven Ausverkauf haben europäische HY-Indizes in den letzten zehn Jahren 5 Prozent pro Jahr (im Vergleich zu 3,5 Prozent für den Eurostoxx) und in den letzten 20 Jahren 4,3 Prozent jährlich (im Vergleich zu 0,4 Prozent für den Eurostoxx) erwirtschaftet. Damit dürften Hochzinsanleihen attraktiv bleiben, insbesondere da die Dividendeneinnahmen, wohl eingeschränkt werden.

 

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