Über die Vorteile des regelbasierten Anlegens auch in Krisenzeiten spricht Armin Sabeur, Vorstand und Portfoliomanager bei OPTINOVA, mit dpn-Redakteurin Erika Neufeld.

Herr Sabeur, inwiefern haben Sie die Corona-Krise zu spüren bekommen?

Gerade der Energiesektor wurde jetzt durch die Corona-Krise in Mitleidenschaft gezogen. Der Ölpreis ist sehr stark gefallen, daher haben viele Fonds an Wert verloren. Unser OPTINOVA Conventional and Clean Energy Fonds hat zwanzig Prozent eingebüßt. Der Energiesektor hat im gleichen Zeitraum fast 50 Prozent verloren. Damit stehen wir noch gut da. Denn wir investieren in Versorger und Energieunternehmen, sowohl in die „alte“ als auch in die „neue“ Economy. Die Versorger sind nicht so volatil. Wenn die Preise der Energieanbieter fallen, profitieren die Versorger sogar davon. Außerdem hat uns unsere Cash-Quote in Höhe von 30 Prozent geholfen.

Auf Ihrer Homepage zitieren Sie James O’Shaughnessy mit folgendem Satz: „Anleger sollten sich wie Odysseus an den Mast binden, um den Sirenenrufen in Form von Gerüchten an der Börse zu widerstehen und streng bei ihrer Anlagestrategie bleiben.“ Wie streng bleiben Sie auch in der Corona-Krise bei Ihrer Anlagestrategie?

Zunächst einmal investieren wir in Dinge, die die Menschheit immer benötigen wird, wie etwa Rohstoffe und Energie. Deswegen bleiben wir relativ ruhig, auch wenn es mit der Wirtschaft runter geht, wie es zurzeit der Fall ist. Der Investitionsbedarf ist nach wie vor enorm hoch. Auch in diesen turbulenten Zeiten halten wir an unseren Regeln fest. Wir beginnen keine Diskussionen, ob wir nun verkaufen oder nicht.

Natürlich wäre es gut gewesen, wenn wir unsere Aktienbestände bei 13.500 im DAX reduziert hätten. Aber wer hätte gedacht, dass es derart schlimm kommt? Es gibt auch Asset Manager, die bei 9.000 im DAX verkauft haben. Das kann gut sein, vielleicht geht’s weiter runter. Wir aber sind prognosefrei. Spekulationen schenken wir uns. Wir vertrauen den Zahlen. Letzten Endes ist die Frage wichtig, wann man wieder einsteigt. Da ist das regelbasierte Anlegen gut.

Nach welchen Regeln investieren Sie?

Wir investieren nach Value-/Momentum-Kriterien. Wir kaufen nur Unternehmen, die bestimmte Value-Kriterien erfüllen: Sie müssen eine Eigenkapitalquote in Höhe von mindestens 30 Prozent haben, grundsätzlich eine Dividendenhistorie vorweisen und Dividenden zahlen. Diese Unternehmen gewichten wir wiederum nach bestimmten Momentum-Kriterien. Das Momentum schauen wir etwa alle drei Monate an. Wenn sich etwas verändert hat, gewichten wir neu. Bei dem OPTINOVA Conventional and Clean Energy wird dann jede Aktie auf höchstens zwei Prozent zurückgestutzt. Wenn bei einem Unternehmen aber die Eigenkapitalquote unter 30 Prozent gefallen ist, fliegt es raus.

Das Portfolio wird viermal im Jahr neu justiert und rebalanced. Dabei gehen wir antizyklisch vor: Aktien, die gut gelaufen sind, verkaufen wir. Aktien, die nicht gut gelaufen sind, stocken wir weiter auf. Aus dieser Idee ist 2012 die OPTINOVA entstanden.

ESG ist en vogue. Wie nachhaltig ist Ihr Energiefonds?

Der Anlageschwerpunkt unseres OPTINOVA Energy Fonds liegt auf Aktien aus dem Energiebereich. Die Aktien kommen aus dem konventionellen als auch aus dem alternativen Energiebereich. Wir sind der Meinung, dass Fonds die Realität abbilden müssen. Es sind Aktien enthalten wie beispielweise Total oder Royal Dutch. Da sind aber auch Unternehmen enthalten, die nur Wasserkraft benutzen oder Windanlagen bauen, wie beispielsweise das kanadische Unternehmen Transalta Renewables.

Von den 40 Aktientiteln kommen derzeit zehn Unternehmen aus dem alternativen Bereich. Warum beträgt das Verhältnis zehn zu dreißig? Unternehmen aus dem alternativen Bereich erfüllen noch nicht umfänglich unsere Value-Kriterien. Ein häufiger Grund ist, dass sie noch nicht lange auf dem Markt sind. Aufgrund dessen können sie keine entsprechende Eigenkapitalquote oder eine Dividendenhistorie aufweisen. Unternehmen aus dem Ölbereich oder der Energieversorgung sind daher dominant. In Zukunft könnte sich das Verhältnis aber zugunsten der alternativen Energien verändern, so dass wir dann nach und nach die Energiewende in diesem Fonds abbilden.

Wie würde sich der ESG-Ansatz mit dem Value/Momentum-Ansatz vertragen?

Auf die Regeln würde sich der Ansatz nicht unmittelbar auswirken. Da würden wir gleich zu Anfang bei der Unternehmensauswahl den ESG-Filter setzen. Gerade im alternativen Energiebereich finden Sie aber nicht viele Unternehmen, die unsere Regeln erfüllen. Gerade in der Windenergie gab es in den vergangenen Jahren viele Pleiten. Viele schrammen auch gerade so an der Insolvenz vorbei, nur weil es Subventionen gibt. Diese Unternehmen können weder Dividenden zahlen, noch haben sie ein Eigenkapital in Höhe von 30 Prozent. Mittelfristig werden aber Unternehmen aus dem alternativen Energiebereich, die unsere Value-/Momentum-Kriterien erfüllen, mehr werden. Dann kommen diese auch in unser Portfolio.

Herr Sabeur, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Armin Sabeur von OPTINOVA

Bildquelle: Optinova

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