Bei Aktien und Anleihen aus Emerging Markets spielen Nachhaltigkeitskriterien eine immer größere Rolle. Insgesamt bewerten die Asset Manager die Aussichten für Emerging-Markets-Produkte mit einer 2 minus und damit etwas schlechter als im Vorjahr, so die Ergebnisse der aktuellen dpn-Umfrage „Emerging Markets 2021“.

Nachhaltigkeit ist derzeit einer der wichtigsten Trends bei Emerging-Markets-Anlagen. Dies gilt sowohl für Anleihen- als auch für Aktienprodukte. In beiden Fällen erwarten Asset Manager, dass Nachhaltigkeitskriterien bei der Auswahl künftig stark an Bedeutung gewinnen werden. Demgegenüber werden die Auswirkungen der Coronapandemie unterschiedlich eingeschätzt. Die Mehrheit der Asset Manager nimmt eine Neuverteilung der geographischen Gewichte innerhalb der Emerging Markets aufgrund der Pandemie wahr, ein Drittel nicht.

Insgesamt blicken die 41 Asset Manager, die sich an der dpn-Umfrage „Emerging Markets 2021“ beteiligt haben, jedenfalls optimistisch auf Investments in Schwellenländern. Die Befragten bewerten die Entwicklung von Anleihen- und Aktienansätzen für Emerging Markets in den kommenden drei Jahren im Durchschnitt mit der Schulnote „2 minus“ (2,2). Im Vorjahr vergaben sie im Gesamtdurchschnitt noch eine glatte 2. In diesem Jahr erhalten sowohl die Aktien- als auch die Anleihenansätze eine 2,2. Im Vorjahr schnitten beide mit 2,0 ab. Die Umfragen wurden von F.A.Z. Business Media | research im Auftrag von dpn durchgeführt.

Unter den 41 Befragten stimmen 39 der These zu, dass bei Emerging-Markets-Anleihen Nachhaltigkeitskriterien in den kommenden drei Jahren stark an Bedeutung gewinnen werden. 37 Befragte sehen diesen Trend auch bei Emerging-Markets-Aktien (siehe Abb. 4 auf Seite 29). Kein Asset Manager lehnt diese These ab; die verbleibenden Befragten enthalten sich, da sie entweder keine Anleihen- oder keine Aktienprodukte vertreiben. Der Trend zur Nachhaltigkeit zeigt sich auch deutlich in der Produktentwicklung der Gesellschaften. So bringen viele Asset Manager neue Fonds auf den Markt, die ESG-Kriterien oder andere Nachhaltigkeitsprinzipien für Emerging Markets berücksichtigen.

China zahlt Preis für Null-Covid-Politik

Mit Blick auf die Folgen der Pandemie sagt eine Mehrheit von 25 Asset Managern, dass sich durch die unterschiedliche Betroffenheit einzelner Länder die geographischen Gewichte innerhalb der Emerging Markets verändert haben. Entsprechend ergeben sich neue Anlagechancen und -risiken. Aber 13 Befragte sind nicht dieser Meinung und sehen keine Neuverteilung der Risiken und Chancen. Zu Beginn der Pandemie schien China als Gewinner hervorzugehen, nun stehen Indien und Brasilien relativ gut da, nachdem sie in der ersten Welle viele Tote zu beklagen hatten. Der Preis für die Null-Covid-Politik einiger asiatischer Länder ist Isolation und die Unterbrechung von Lieferketten. Geschäftsreisen sind derzeit kaum mehr möglich. Nur eine flächendeckende Impfung insbesondere mit mRNA-Impfstoffen, die gegen die Delta-Variante offenbar wirkungsvoller sind als die chinesischen Tot- und Vektorimpfstoffe, dürfte zu einer Entspannung auch in China führen.

Asset Manager bauen Emerging Markets aus

Bei der Frage nach der künftigen Bedeutung unterschiedlicher Emerging-Markets-Ansätze für das eigene Haus unterscheiden sich die Aktien- und Anleihensparten in ihrer Dynamik. So werden sich laut Befragung die Anleihenansätze in den kommenden Jahren expansiver entwickeln als Aktienprodukte. Nach eigenen Angaben werden in 21 Asset-Häusern Anleihenansätze aus Schwellenländern im Vergleich zu Anleihenansätzen aus Industrieländern künftig an Bedeutung gewinnen, in weiteren sieben Häusern sogar stark. Das sind insgesamt 68 Prozent der Befragten.

In Bezug auf Aktien aus Emerging Markets sagen 15 Asset Manager, dass sie für das eigene Haus im Vergleich zu Aktien aus Developed Markets künftig wichtiger werden, und weitere vier, dass sie viel wichtiger werden. Dies entspricht 47 Prozent der Befragten.

Die übrigen Befragten gehen von einer gleichbleibenden Bedeutung aus oder machen keine Angaben. Kein einziger Asset Manager erwartet aber einen Bedeutungsrückgang für Schwellenländeraktien oder -anleihen im Vergleich zu entsprechenden Produkten aus Industrieländern im eigenen Haus.

Auch bei der Vorjahresbefragung gingen im Vergleich zum Aktiensegment (55 Prozent) mehr Asset Manager davon aus, dass das Anleihensegment (73 Prozent) der Emerging Markets im eigenen Haus gegenüber entwickelten Regionen wichtiger wird. In diesem Jahr hat sich der Aufwärtstrend bei Anleihen und Aktien insgesamt etwas abgeschwächt. Anleihen aus Emerging Markets bieten im Gegensatz zu den meisten Anleihen aus Industriestaaten immer noch reale Zinsen. Einige Asset Manager kalkulieren bei Lokalwährungen aus Schwellenländern zudem mit Aufwertungspotenzial, abhängig von der weiteren Entwicklung des US-Dollars und der Geldpolitik der USA sowie von der jeweiligen lokalen Wirtschafts-, Inflations- und Fiskalentwicklung.

Mehr Aktien-Investments prognostiziert

Der erwartete Bedeutungszuwachs von Emerging-Markets-Produkten im eigenen Haus beruht auch auf den Prognosen für die Beliebtheit entsprechender Investments bei den institutionellen Anlegern. In diesem Jahr sind die Befragten diesbezüglich besonders optimistisch: Viele Asset Manager erwarten, dass in drei Jahren, also im Jahr 2024, über 10 bis 20 Prozent aller Aktien-Assets in Schwellenländern investiert sein werden. Genauso viele Befragte erwarten Werte zwischen 0 und 10 Prozent. Vier Befragte kalkulieren sogar mit Emerging-Markets-Aktienquoten von über 20 Prozent. Insgesamt rechnet etwas mehr als die Hälfte der Befragten mit Quoten zwischen 5,1 und 20 Prozent. Bei der Vorjahresbefragung ging noch eine deutliche Mehrheit von rund zwei Dritteln der Befragten lediglich von Emerging-Markets-Aktienquoten zwischen 0 und 10 Prozent aus. Vergleichsweise wenige Befragte erwarteten damals höhere Quoten.

In Bezug auf Emerging-Markets-Anleihen sind die Erwartungen nahezu unverändert zum Vorjahr. Bei der diesjährigen wie bei der Vorjahresbefragung gehen die meisten Asset Manager (rund 70 Prozent) davon aus, dass Institutionelle in drei Jahren zwischen 5,1 und 20 Prozent ihrer gesamten Bond-Assets aus Schwellenländern beziehen werden. Dabei liegt mit 43 Prozent der Befragten der Schwerpunkt der Schätzungen in der Spannbreite zwischen 5,1 und 10 Prozent.

Die tatsächlichen Portfolios institutioneller Anleger sind laut „Telos Spezialfondsmarktstudie 2021“ derzeit zu 3 Prozent (2020: 4 Prozent) in Emerging-Markets-Anleihen und zu 2,5 Prozent (2020: 1,7 Prozent) in Emerging-Markets-Aktien investiert. Damit gibt es im Vergleich zu den Prognosen der Asset Manager sowohl bei Anleihen also auch bei Aktien viel Luft nach oben.

Insgesamt sind laut Telos weltweit 15 Prozent (2020: 13,4 Prozent) der institutionellen Portfolios in Aktien und 53 Prozent (2020: 60,5 Prozent) in Anleihen angelegt. Der globale Aktienanteil ist zum Vorjahr gestiegen, während Anleihen zurückgingen. In Emerging-Markets-Aktien ist jeder dritte institutionelle Investor engagiert, in Emerging-Markets-Anleihen sind es knapp zwei Drittel.

Rückgang bei Bonds und Zunahme bei Equity

Sowohl weltweit als auch in den Schwellenländern ist derzeit also eher ein Rückgang bei Bonds und eine Zunahme bei Equity zu beobachten. Hier zeigt sich der weltweite „Anlagenotstand“, da auch in Emerging Markets höher verzinsliche Anleihen auslaufen. Die frei werdenden Mittel werden nicht mehr in jedem Fall in andere Anleihen angelegt, sondern verstärkt auch in alternativen Anlagen wie Immobilien, Infrastruktur, Private Equity/Debt. Dennoch bleiben Emerging-Markets-Anleihen ein wichtiges und auch weiter wachsendes Anlagesegment für Institutionelle Investoren, wie unsere Befragung und auch die Telos-Studie zeigen.

Bei Emerging-Markets-Anleihen planen laut Telos-Studie immerhin 29 Prozent (Vorjahr: 36 Prozent) höhere Investments als in diesem Jahr, bei Emerging-Markets-Aktien sind es sogar 44 Prozent (Vorjahr: 32 Prozent). Auch von alternativen Anlagen dürften die Emerging Markets profitieren, insbesondere bei Infrastruktur und Private Equity/Debt, wo 7 Prozent der institutionellen Anleger Investments planen. Telos-Geschäftsführer Dr. Frank Wehlmann erwartet insgesamt einen Ausbau der Emerging-Markets-Investments institutioneller Anleger, insbesondere bei Aktien.

Je nach Anlagepolitik und regulatorischen Vorgaben haben die Investoren bei Anleihen und Aktien unterschiedliche Spielräume. So können nicht alle institutionellen Anleger hochverzinsliche Schwellenländeranleihen kaufen. Ohnehin wird ein Teil der Mehrrendite durch die Kosten für das Währungs-Hedging kompensiert, wie Wehlmann hervorhebt. Asien sieht der Telos-Chef aufgrund des hohen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums als interessantesten Markt. China werde eher noch an Bedeutung gewinnen, selbst wenn die dortige Regierung derzeit die Zügel enger zieht, um das Wachstum in geordnete Bahnen zu lenken.

Investoren, denen die Schwellenländer zu riskant erscheinen, können auch indirekt an deren Wachstum teilhaben, indem sie Aktien oder Anleihen von Unternehmen aus Industriestaaten erwerben, die in Emerging Markets sehr aktiv sind. Doch die meisten der von dpn befragten Asset Manager halten dieses Vorgehen nicht für sinnvoll. Nur vier Teilnehmer betrachten es als attraktive Alternative

Anleihen unter Chancen-Risiko-Aspekten attraktiv

Bei der offen gestellten Frage nach dem Anlagesegment, dass unter Chancen-Risiko-Aspekten in den kommenden drei Jahren am attraktivsten ist, liegen Emerging-Markets-Anleihen mit 27 Nennungen wie auch im Vorjahr deutlich vor Aktien mit 16 Nennungen. Da es sich um eine offene Frage ohne feste Antwortvorgaben handelt, sind die Antworten nur als Trendaussage zu verstehen.

Innerhalb des Segments Anleihen präferieren die Befragten Hartwährungsanleihen mit 9 Nennungen vor Lokalwährungsanleihen (7 Nennungen). Im Vorjahr lagen Anleihen in harter Währung noch knapp hinter Anleihen in lokaler Währung.

Unternehmensanleihen erhalten mit 9 Nennungen ebenfalls viele Stimmen, aber absolut und relativ gesehen deutlich weniger als im Vorjahr. Damals waren Unternehmensanleihen mit Abstand (19 Nennungen) die beliebteste Anlageform in den Emerging Markets. Dazu kommen in diesem Jahr High-Yield-Anleihen mit drei Nennungen. Insgesamt scheinen die Asset Manager in den kommenden Jahren auf Nummer sicher gehen zu wollen. Größere Risiken werden offenbar vermieden. Die Jagd nach der Stelle vor dem Komma hat für die Investoren dort Grenzen, wo Risiken zu hoch erscheinen oder wo Regularien ein Investment verbieten.

Die Chancen von Lokalwährungsanleihen werden nach Ansicht der befragten Asset Manager künftig aber wohl mehr institutionelle Anleger nutzen. 24 Asset Manager gehen davon aus, dass institutionelle deutsche Anleger stärker in lokale Schwellenländerwährungen investieren werden. 14 Befragte sehen diesen Trend nicht. Im Vorjahr lag das Verhältnis nur bei 22:21 pro Lokalwährungsanleihen. Im Falle einer Aufwertung lokaler Währungen gegenüber dem Euro können europäische Anleger ihre Rendite verbessern. Ohnehin bieten Lokalwährungsanleihen in der Regel einen höheren Kupon als Hartwährungsanleihen. Im schlechten Fall können die Währungen aber auch gegenüber dem Euro an Wert verlieren. Viele Anleger nutzen deshalb Hedging, um das Risiko zu vermindern.

Währungschancen nicht liegen lassen

Doch sollen lokale Emerging-Markets-Anleihen tatsächlich gegen Währungsschwankungen abgesichert werden? Die Meinungen der Asset Manager gehen auseinander; eine deutlichere Mehrheit stimmt aber der These zu, dass sie nicht währungsgesichert sein sollten. Diese Befragten schätzen die Chancen einer Aufwertung der Währungen gegenüber dem Euro auf Sicht der kommenden drei Jahre höher ein als die Risiken einer Abwertung. 23 Asset Manager, also 56 Prozent der Befragten, lehnen das Hedging ab, 14 empfehlen es und vier enthalten sich.

Bei Aktien hält es eine Mehrheit von 24 Befragten für empfehlenswert, Investments nicht abzusichern, damit Aufwertungschancen mitgenommen werden können. Nur acht halten dieses Vorgehen für nicht empfehlenswert und neun enthalten sich.

Die gesamte Umfrage mit detaillierten Ergebnissen finden Sie in der dpn-Ausgabe Dezember 2021/Januar 2022.

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