Auf der dritten Crypto Finance Conference (CfC) in St. Moritz wird das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Nicolo Stöhr, CEO CfC St. Moritz, gibt im Gespräch mit dpn-Redakteurin Erika Neufeld erste Einblicke.

Im Januar 2020 findet die Crypto Finance Conference (CfC) zum dritten Mal in St. Moritz statt. Was wird der Themen-Schwerpunkt und was das Highlight der Veranstaltung sein?

Nicolo Stöhr: Die drei Konferenz-Tage sind in drei Blöcke aufgeteilt: An Tag 1 geht es um die Makro-Perspektive. Wir besprechen Themen wie beispielsweise “Regulierung” mit Experten aus Asien, Amerika und Europa , “Zentralbanken und Stablecoins” mit Thomas Moser von der Schweizer Nationalbank sowie die Technologie-Entwicklung in der Industrie.

An Tag 2 machen wir einen “deep dive” in Themen wie “Asset Management”, “Custody”, “Venture Investing”, “Decentralised Finance” sowie eine Analyse und Status-Quo der “Crypton Nation Switzerland”. An Tag 3 gehen wir auch das Thema “Impact & Business” ein, wo wir uns in diesem Jahr auf Afrika fokussieren. Wir werden Bundesrat Ignazio Cassis, Günter Nooke (Persönlicher Afrika-Beauftragter der Bundeskanzlerin), Christopher Fabian der UNICEF oder Carlo Rossotto von der Weltbank bei uns haben, welche mit uns ihr Wissen bezüglich Entwicklungen und Potentiale in Afrika teilen werden.

Inwieweit unterscheidet sich die CfC von anderen weltweit stattfindenden Krypto-Konferenzen?

Stöhr: Im Vergleich zu anderen Konferenzen unterscheiden wir uns darin, dass wir einen klaren Fokus auf eine Nische im Markt haben – wir akzeptieren ausschließlich institutionelle sowie private Investoren, Family Offices und Funds, dass wir eine relative kleine Konferenz sind (200 Teilnehmer) und jeder Teilnehmer von unserem Vorstand durchleuchtet und einzeln beurteilt wird. Nur wer den internen Überprüfungsprozess erfolgreich durchläuft, wird zur Konferenz zugelassen. Damit stellen wir sicher, dass die 200 Teilnehmer, die akzeptiert werden, auf Augenhöhe miteinander diskutieren und im besten Fall miteinander auch eine Geschäftsbeziehung aufbauen.

Wie groß ist das Interesse an dem Thema Krypto-Investing seitens der Investoren? Sehen Sie Unterschiede zwischen europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Anlegern?

Stöhr: Grundsätzlich ist das Thema, auch von der Marktkapitalisierung gesehen, noch überschaubar und im Aufbau. Was aber nicht heißen soll, dass es vernachlässigbar ist – im Gegenteil. Institutionelle Player wie Fidelity oder IBM zeugen davon, dass das Thema zukünftig relevant sein wird und dass man sich bereits jetzt mit den verschiedenen Themen und Themengebieten auseinandersetzen sollte. Und hier setzt die CfC St. Moritz an – wir wollen den Investoren die aktuellsten Themen von den relevantesten Industrie-Experten erläutern lassen, damit sie sämtliche Informationen für Ihre Investitionsentscheidungen haben. Bezüglich Anlegern sieht man, dass das Thema in Asien, auch wenn noch Einschränkungen vorliegen, von großem Interesse ist. Aber auch in Europa und Nordamerika nimmt das Thema immer mehr Fahrt auf.

Welche Themen in Bezug auf Krypto-Investments beschäftigen insbesondere professionelle Investoren zurzeit am meisten?

Stöhr: Im Moment drehen sich die Diskussionen vor allem um Makro-Themen – wie gestalten einzelne Länder ihre Regularien aus, wie reagieren diese auf Entwicklungen wie das Aufkommen von Projekten wie Libra oder allgemein Stablecoins und “Custody”. Die Investoren müssen eine gewisse (Rechts-) Sicherheit haben, bevor sie ihr Geld einsetzen. Zudem schaut man mit großem Interesse in Richtung Osten und China, da diese sich immer mehr dem Thema öffnen und ursprüngliche Positionen überdenken beziehungsweise Einschränkungen aufheben. Danach kommen sicherlich die Möglichkeiten der neuen Technologien (Decentralised Finance) wie auch Möglichkeiten der Investments.

Vor fast zwei Jahren, im Januar 2018, fand die erste Konferenz statt. Was hat sich seither im Bereich Krypto-Investment getan?

Stöhr: Vor zwei Jahren war das Thema “ICO” das zentrale Thema. Es galt als eine neue Art von Investitionsvehikel und es entstand, in Kombination mit einem massiven Anstieg des Bitcoin-Preises, ein regelrechter Hype darum. In diesen Zeiten sind interessante Projekte entstanden, leider gab es aber auch viele Unternehmen, welche nach kurzer Zeit wieder verschwunden sind – und damit auch Geld von vielen Investoren. Dies hat dazu geführt, dass der Ruf der Branche und vor allem von “Crypto” gelitten hat. Die positive Seite davon war, dass es in diesem sogenannten “Crypto-Winter” dann zu einer Marktbereinigung kam und Projekte, welche nichts auf dem Markt zu suchen hatten, verschwanden. Heute fokussiert man sich vor allem auf die Ausgestaltung des Ecosystems (siehe oben) sowie auf das Thema STO – Security Tokens.

Stimmen Sie die Entwicklungen optimistisch?

Stöhr: Eine meiner Meinung nach gute Analogie ist der Vergleich der Krypto-Industrie mit einem Menschen: verglichen mit einem Menschen ist die Krypto-Industrie ein 5- bis 6-jähriges Kind, welches gelernt hat zu reden und zu laufen, aber noch viele Sachen lernen muss. Dabei steht diesem die Pubertätsphase sowie das Erwachsenwerden noch bevor – es wird zwar nicht mehr 15 Jahre gehen, bis die Industrie entwickelt ist – aber es braucht noch die nächsten Jahre, bis wir soweit sind.

Welche Bedeutung haben Blockchain und Kryptowährungen für die Finanzindustrie in Europa? Welchen Mehrwert können sie institutionellen Investoren bieten?

Stöhr: Es bietet sicherlich ein enormes Potenzial für die Finanzindustrie – neue Geschäftsmodelle entstehen und dadurch auch neue Möglichkeiten, Investitionen zu tätigen. Um zu wissen, wie und worin man investieren sollte, braucht es aber Vorwissen und man muss die Zusammenhänge verstehen. Daher sollte man sich bereits jetzt und heute mit der Industrie auseinandersetzen, um abschätzen zu können, was in den nächsten Jahren interessant sein könnte. Die Frage ist nicht, ob die Industrie sich entwickelt, sondern wie schnell sich diese entwickelt.

Es gibt in der Schweiz inzwischen über 800 Blockchain-Unternehmen, die insgesamt einen Wert von über 20 Milliarden Dollar verwalten. Sehen Sie die Schweiz in der Vorreiterrolle?

Stöhr: Aus meiner Sicht hat die Schweiz und die Institutionen in den letzten Jahren sicherlich eine positive Haltung gegenüber dem Thema eingenommen. In Kombination mit den Werten die man mit der Schweiz verbindet, wie beispielsweise Rechtssicherheit, konnte man so viele Unternehmen anziehen. Andere Länder passen ihre Gesetze und Regularien nun aber auch Schritt für Schritt an und schaffen ebenfalls Voraussetzungen, die attraktiv sind. Wie überall gilt auch hier, dass man sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen sollte und stetig daran arbeiten sollte, wettbewerbsfähig zu bleiben. Schlussendlich ist dies aber auch ein Zeichen, dass die Politik das Thema Crypto und Blockchain nicht mehr ignorieren kann und dieses zu wichtig wird, um es nicht anzugehen.

Wenn Sie in die Zukunft blicken, was erwarten und erhoffen Sie für den Bereich Krypto-Investment?

Stöhr: Es wird wichtig sein, wie die staatlichen Institutionen die Gesetze und Regularien ausgestalten. Dabei ist wünschenswert, dass es zu keiner Überregulierung kommt und man dem Grundsatz “So viel wie nötig, so wenig wie möglich” folgt. Geht man nach diesem Grundsatz vor, wird der Investor geschützt und das Unternehmen in seinem Handlungsspielraum nicht eingeschränkt. Ist das gegeben, werden Firmen, welche wir heute noch nicht kennen auf dem Markt kommen, welche für die Investoren sehr interessante und spannende Möglichkeiten bieten, Geld zu investieren und schlussendlich zu verdienen.

Last but not least: Wo sehen Sie die CfC in fünf Jahren?

Stöhr: Wir wollen Schritt für Schritt wachsen und die Konferenzen im Jahre 2020 und 2021 in St. Moritz durchführen. Gleichzeitig werden wir in diesen beiden Jahre unser Netzwerk stärken und ausbauen, um im 2022 in Amerika oder Asien eine Konferenz im gleichen Format und ab 2023 drei Konferenzen in der Schweiz, Amerika und Asien abzuhalten. Wir möchten als die Konferenz im Markt wahrgenommen werden, welche für die Werte Seriosität, Verlässlichkeit und hohe Qualität steht. Dies wird jedes Jahr unser zentrales Ziel sein und durch die strenge Auswahl der Redner, Teilnehmer und Partner sind wir uns sicher, dies auch erbringen zu können.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Nicolo Stöhr, CEO CfC St. Moritz

 

 

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