Klassische Kunstwerke eignen sich als langfristige Beimischung zur Wertsteigerung von Portfolios. Die Pandemie eröffnet jetzt renditeträchtige Gelegenheiten im Kunstmarkt, schreibt Dr. Ruth Polleit Riechert in ihrem Gastbeitrag.

Im Laufe von mehr als 20 Jahren, in denen ich den Kunstmarkt begleite, habe ich immer wieder das Kommen und Gehen des Themas „Kunst als Geldanlage” beobachtet. Derzeit nimmt das Interesse vieler Investoren an der Kunst zu, denn die Zinsen sind chronisch niedrig und viele Anleger suchen einen Schutz vor Inflation, aber auch Diversifikation für ihr Portfolio.

Kunst als Anlageklasse weist jedoch eine Reihe von Besonderheiten auf, die sich kategorisch von den klassischen Anlagearten wie Aktien, Anleihen oder Immobilien unterscheiden. Eine der wichtigsten: Kunst hat keine intrinsische Rendite. Darum ist der Wert von Kunst schwer bewertbar. Die Beurteilung, welcher Preis für ein Kunstwerk angemessen ist, ist ein sehr schwieriges Unterfangen und erfordert besondere Expertise.

Erschwerend kommt hinzu, dass die verfügbaren Marktdaten lückenhaft sind. Die Verkaufspreise, die bislang im Kunstmarkt veröffentlicht werden, sind die Auktionspreise, die aber in der Regel weniger als die Hälfte des Gesamtvolumens des Kunstmarkts ausmachen. Im Jahr 2019 waren es 42 Prozent des gesamten Umsatzes des Kunstmarkts mit einem geschätzten Gesamtvolumen von etwa 64,1 Milliarden US-Dollar. Die restlichen etwa 58 Prozent des Gesamtvolumens werden im Handel bei Galerien und Kunsthandlungen umgesetzt. Diese Daten werden leider nicht veröffentlicht, sondern können lediglich mit Hilfe von Umfragen geschätzt werden.

Mit den veröffentlichten Zahlen der Auktionen lassen sich allerdings „Track Records“ für einzelne Künstler erstellen. Aus ihnen lässt sich ablesen, wie hoch ein gesamter Umsatz auf Auktionen war und wie sich der durchschnittliche Verkaufspreis der Werke einzelner Künstler entwickelt hat. Besonders gut schneiden dabei die sogenannten „Blue Chips“ ab. Dabei handelt es sich um Künstlernamen, die weithin bekannt sind, wie zum Beispiel Pablo Picasso, Claude Monet, Andy Warhol, Gerhard Richter. Ihre Werke haben sich im Schnitt in den vergangenen Jahren nicht nur als Wertspeicher und Inflationsschutz erwiesen, zuweilen haben sie sogar ihren Marktpreis ganz erheblich steigern können: Sie waren „Renditebringer”.

Artprice 100 Index klettert immer höher

Der Artprice 100 Index, der eigens die Wertentwicklung der Blue-Chip-Künstler abbildet, hat um 405 Prozent seit dem Jahr 2000 zugelegt. Selbst im vergangenen Jahr stieg der Index um 1,8 Prozent– in einem Jahr, das durch den fast vollständigen Ausfall von internationalen Messen gekennzeichnet war. Der Index umfasst die hundert umsatzstärksten Künstler des Kunstmarkts. Auch wenn der Preisindex sich nur auf die durchschnittlichen Preise aller verkauften Werke auf Auktionen bezieht und daher nur einen Teil des Preisgefüges vermittelt, geben die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit einen richtungsweisenden Hinweis auf die allgemeine Preisentwicklung für jeden dieser Künstler aus der Liste der Top 100.

Dies bestätigen auch die einzelnen Performance-Indizes für ausgewählte Künstler. So hat zum Beispiel das Werk von Albert Oehlen (geb. 1954 in Krefeld), einem der Künstler aus der Liste der Top 100, in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark an Wertsteigerung zugenommen: Der Preisindex für seine Werke auf Auktionen stieg seit 2000 um 2.775 Prozent. Der durchschnittliche Preis für verkaufte Werke auf Auktionen von Georg Baselitz (geb. 1938) ist nicht ganz so stark angestiegen, hat sich aber doch langfristig stetig gesteigert, und zwar seit 2000 um 155 Prozent.

Wie Sie intelligent in Kunst investieren

Wenn Sie als institutioneller Anleger oder Family Office ein Kunst-Portfolio nachbilden möchten, benötigen Sie Geduld, exzellente Informationen und Kontakte im Kunstmarkt. Denn dies erfordert genaue Kenntnis über die Künstler, ihre Werke und die Marktlage, um das richtige Werk auszuwählen, zum richtigen Zeitpunkt und niedrigsten Preis einkaufen zu können. Da die Verkaufspreise für Klassiker im Verkauf von Galerien und Kunsthandlungen nicht veröffentlicht werden, ist hier eine besondere Kenntnis des Marktes erforderlich.

Da es immer wieder Fälschungen gibt, ist es zudem wichtig, bewährte und unabhängige Kunstexperten hinzuzuziehen. Zudem sollte man wissen, dass nicht jedes Werk eines Künstlers gleichermaßen wertvoll ist – selbst wenn es sich um einen weltweit anerkannten Künstler handelt. Mitunter große Preisunterschiede gibt es beispielsweise zwischen Früh- und Spätwerken und zwischen Unikaten und Editionen.

Pandemie bietet Investoren gute Gelegenheiten

In den Zeiten der Corona-Pandemie ergeben sich für Investoren besonders gute Gelegenheiten. Aufgrund immer größer werdender finanzieller Engpässe müssen Sammlungen und Museen Teile ihrer Bestände verkaufen, nicht selten sind hochkarätige Werke darunter.

Auch viele große Unternehmen sind gezwungenermaßen auf der Verkäuferseite. Beispielsweise haben British Airways und die Deutsche Bank bereits im vergangenen Jahr Werke aus ihren Sammlungen verkauft. Für Investoren gibt es jetzt sehr attraktive Gelegenheiten, großartige Kunstwerke zu einem attraktiven Preis kaufen zu können.

Der Gewinn liegt im Einkauf

Eine meiner Empfehlungen ist: Nehmen Sie niemals an Auktionen teil. Denn Auktionen sind darauf ausgerichtet, den Verkaufspreis übermäßig in die Höhe zu treiben: Diese Regel wendet übrigens auch Investor Warren Buffett an. Denn wer ein Kunstwerk – selbst wenn es einen hohen ästhetischen Wert hat – zu teuer kauft, wird kein gutes Investment machen.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »