Geopolitische Schocks stellen die Korrelationen auf den Kopf

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Institutionelle Anleger kennen den Reflex: Geopolitische Nachrichten erschüttern die Märkte. Der Druck zu handeln wächst. Doch genau in solchen Momenten warnt der Vermögensverwalter Schroders vor überstürzten Reaktionen. In einer Analyse plädiert Multi-Asset-Stratege Joven Lee dafür, dem eigenen Anlageprozess zu vertrauen statt kurzfristig umzuschichten.

Lees Hauptargument gründet auf einem Befund über Marktkorrelationen. Er belegt anhand von sieben geopolitischen Ereignissen zwischen 2001 und 2025, darunter die Anschläge vom 11. September 2001, der Russland-Ukraine-Krieg und der Israel-Hamas-Konflikt, dass sich Korrelationen zwischen Anlageklassen im Verlauf einer Krise erheblich verschieben. Die Analyse stützt sich auf Daten von Refinitiv Datastream mit Stand vom 25. März 2026.

Kein verlässliches Krisenmuster

Lee zeigt, dass Anleger typischerweise auf US-Staatsanleihen als Absicherung setzen, auf Rohstoffe bei Angebotsbedenken und auf den US-Dollar als Zufluchtswährung. Diese Erwartungen entstammen historischen Erfahrungen. Schroders hält sie jedoch für trügerisch stabil. Die Analyse legt nahe, dass diese Beziehungen weitaus unbeständiger sind als oft angenommen.

Als konkretes Beispiel nennt Lee den Preissturz von Gold Mitte März 2026 während des Iran-Kriegs. Steigende Inflationssorgen hätten damals die geopolitische Absicherungsrolle von Gold verdrängt. Das Edelmetall habe sich wieder stärker an realen Renditen orientiert. Dieser Befund illustriert nach Einschätzung von Lee, wie Renditetreiber innerhalb kurzer Zeit wechseln können.

Schroders untersuchte sieben geopolitische Ereignisse. Die durchschnittlichen Korrelationen zwischen Aktien und defensiven Vermögenswerten lagen dabei in einer Bandbreite von plus 0,5 bis minus 0,5. Selbst US-Staatsanleihen wiesen eine ausgeprägte Streuung auf.

Durchschnitte täuschen über Streuung hinweg

Lee betont, dass nicht die durchschnittliche Korrelation zählt, sondern die Bandbreite möglicher Ergebnisse. In einigen Krisen bieten Rohstoffe oder Gold negativere Korrelationen zu Aktien und damit Schutz. In anderen Episoden steigen die Korrelationen, genau dann, wenn der Markt unter Druck gerät. Das Muster kehrt sich mitunter sogar um.

Schroders zieht daraus den Schluss, dass Diversifikation nicht kaputt sei, sich aber kurzfristig anders verhalte als erwartet. Lee schreibt, die Variabilität der Korrelationen verstärke das Argument für Diversifikation paradoxerweise: Wären Verbindungen zwischen Vermögenswerten stabil und vorhersehbar, könnten Anleger sich auf ein einziges Ergebnis positionieren. Die Unsicherheit selbst rechtfertige das diversifizierte Portfolio.

Prozess statt taktischer Reaktion

Lee warnt ausdrücklich vor dem Versuch, Portfolios gezielt um geopolitische Ereignisse herum zu positionieren. Solche Entscheidungen entstünden in Krisenzeiten häufig ebenso sehr aus Narrativen und aktuellen Kursbewegungen wie aus Fundamentaldaten. Das Ergebnis seien oft kontraproduktive Schritte: Es werde einem Schutz nachgejagt, der bereits eingepreist ist. Oder Positionen in Risikoanlagen würden nach dem Großteil der Kursanpassung abgebaut, was Verluste einschließe statt sie zu steuern. Schroders empfiehlt stattdessen, zwischen einer echten Überprüfung der Annahmen und einer bloßen Reaktion auf Marktunruhe zu unterscheiden. Außerplanmäßige Sitzungen des Anlageausschusses seien der richtige Ort für sorgfältige Neubewertungen. Eine umfassende Neuordnung der Portfoliostrategie sei in den meisten Fällen nicht angezeigt.

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