Unberührt von den modifizierten Rahmenbedingungen, mit denen sich die Volkswirtschaften seit etwa einem Jahr arrangieren müssen, ändern sich die Planungen der institutionellen Anleger nur behutsam, aber doch beharrlich, schreibt Sebastian Thürmer, Geschäftsführender Gesellschafter von artis Institutional Capital Management, in seinem Gastbeitrag.

Diese Veränderung spiegelt sich besonders in den noch vor einigen Jahren als exotisch geltenden alternativen Investments (AI) wider, die vor dem Hintergrund globaler Niedrigzinsen und ökologischer Herausforderungen die Institutionellen inzwischen nicht nur erreicht haben, sondern sich in deren Portfolios mehr und mehr festsetzen. Das zeigt die exklusive Studie „Präferenzen institutioneller Anleger bei Immobilien und Alternativen Investments in 2021“ des Placement Agents artis Institutional Capital Management, des Beratungsunternehmens Advice in Motion (AIM), unterstützt von der Telos GmbH, deutlich, die sich auf eine Umfrage unter Institutionellen zum Jahreswechsel stützt.

An der Umfrage haben 62 Großanleger mit über 800 Milliarden Euro Assets under Management (AuM) teilgenommen. Das Teilnehmerfeld mit Pensionskassen, Versorgungswerken (27,9 Prozent), Versicherungen (22,9 Prozent), Banken, Sparkassen (23,0 Prozent), Kirchen, Stiftungen (9,8 Prozent), Family Offices (8,2 Prozent) sowie Corporates und Sonstige (8,2 Prozent) wurde bewusst breit gehalten, um ein aussagekräftiges Bild quer durch alle relevanten Investorengruppen zu erhalten.

Immobilien-Positionen werden ausgebaut

Am vertrautesten im Umfeld der AI-Anlagen ist den meisten Institutionellen nach wie vor die Asset-Klasse Immobilien. Unter den Befragten sind 95 Prozent bereits in Immobilien investiert. Zwei Drittel von ihnen planen weitere Aufstockungen.

Ob bereits investiert oder Neuanleger. Bei den Nutzungsarten herrscht eine ähnliche Grundausrichtung. Wohnimmobilien dominieren, gefolgt von Logistik- und Gesundheitsimmobilien. So planen zum Beispiel 79,4 Prozent der Bestandshalter weitere Investments in Wohnimmobilien – trotz markant gestiegener Preise und erster regulatorischer Eingriffe.

Hotel-, Einzelhandel- und Büroimmobilien sind dagegen in Lockdown-Zeiten mit eingeschränkter Reisetätigkeit, schwächelndem stationären Handel und smarter werdenden Homeoffice-Strukturen deutlich weniger gefragt. Zumal sich der Eindruck verfestigt, dass die Welt nach der Pandemie etwas anders aussehen wird als vor der Pandemie.

Alternativen sind gefragt

Abseits der Immobilien entdecken Großanleger immer öfter alternative Anlageformen. 56,9 Prozent möchten in naher Zukunft erstmalig in AI investieren. Dabei favorisieren 70,4 Prozent von ihnen Private Debt. Es folgen im Beliebtheitsranking Infrastruktur Equity mit 40,0, Erneuerbare Energien mit 36,4, Wald- und Landwirtschaft mit 33,3 und Privat Equity mit 30,4 Prozent.

Außergewöhnlich sind dabei auch die 33,3 Prozent, die forst-/agrarwirtschaftliche Anlagen in ihre Allokation einbeziehen möchten. Lange Zeit galten diese als Aschenputtel unter den Anlageoptionen. Zu altbacken, zu renditeschwach, zu risikobehaftet. Jetzt interessieren sich besonders Versicherungen, Stiftungen und Family Offices für diese Klasse.

Bei den bereits investierten Anlegern im alternativen Bereich ergeben sich interessanterweise etwas andere Präferenzen. So erfreuen sich Infrastruktur-Investitionen (Infrastruktur-Equity) mit bemerkenswerten 81,1 Prozent allerhöchster Beliebtheit – vor Erneuerbarer Energie mit 72,2 und Private Equity mit 69,4 Prozent. Da unter den Infrastrukturanlagen vor allen Dingen die Energieinfrastruktur nachgefragt wird, darf der Boom zuvörderst dem immer stärker werdenden Meta-Thema „Maßnahmen gegen den Klimawandel“ zugeordnet werden.

Bei den Private-Debt-Anlagen lassen sich ebenfalls markante Änderungen feststellen. In den letzten Jahren präferierten die Großanleger Infrastruktur- und Corporate-Debt-Investments. In den nächsten Jahren dürften vermehrt RE-Debt-Anlagen in den Vordergrund rücken, da die Immobilienquote bei vielen Investoren bereits ausgereizt ist.

Ernsthafter Umgang mit der „Nachhaltigkeit“

Auch wenn der Begriff „Nachhaltigkeit“ in den letzten Jahren gerne recht flexibel definiert wurde: Die artis-AIM-Umfrage bekräftigt die These, dass eine große Mehrheit mittlerweile erkannt hat, dass abseits der prognostizierten Renditen auch die sozialen und ökologischen Komponenten eines Investments stimmen sollten, will man als professioneller Investor nicht von einschneidenden Ereignissen oder sich beschleunigenden Trends überrascht werden.

68,4 Prozent der befragten Anleger orientieren sich in puncto Nachhaltigkeit an den Sustainable Development Goals (SDGs). 47,4 Prozent erheben den CO2-Fußabdruck zum Parameter und 28,9 Prozent schreiben sich Impact Investing auf ihre Fahne. Das sind respektable Werte, an die vor einigen Jahren noch nicht zu denken war. Und die große Mehrheit der professionellen Anleger geht mit solchen Standards und Begrifflichkeiten sicherlich nicht leichtfertig im Sinne eines Greenwashings um.

Pandemie wird als endliche Erscheinung wahrgenommen

Ganz ohne Reflexion über die aktuelle Covid-19-Pandemie kommt auch die artis-AIM-Studie nicht aus. Doch trotz mittlerweile einjähriger Dauer und einiger unerfreulicher Begleiterscheinungen (Mutanten, Verzögerungen in der Impfstoffproduktion) lassen sich die Institutionellen in ihrer AI-Allokationsplanung nur wenig von den pandemischen Szenarien beeindrucken. 63,2 Prozent sehen überhaupt keinen Anlass zu Korrekturen; 28,1 Prozent sprechen von eher „geringfügigen Änderungen“. Durch die Antworten blinzelt ein vorsichtiger Optimismus, dass diese Zeit bald vorbei sein wird.

Die wichtigsten Erkenntnisse

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Immobilienquote oftmals schon ausgereizt ist und alternative Anlagen weiter an Akzeptanz gewinnen, speziell klimabezogene Kapitalanlagen wie „Erneuerbare“ oder klassische Energieinfrastruktur. Private Debt dürfte in nächster Zeit deutlich an Nachfrage zulegen, insbesondere immobilienrelevante Themen. Private Equity verbleibt weiterhin auf einem hohen Niveau.

Die komplette Studie kann kostenfrei unter info@artis-icm.de angefordert werden.

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