Auch wenn es vielen noch nicht bewusst ist: Seit 2 Jahren gelten 17 Sustainable Development Goals der UN (SDG). Jedes dieser Ziele ist mit spezifizierten Vorhaben verbunden, die über die nächsten 15 Jahre erreicht werden sollen. Diese Ziele werden tiefgreifenden Einfluss auch für das Asset Management haben.

Nachhaltigkeit war ein Schwerpunktthema des Faros Institutional Investors Forum, das am 16. November 2017 am Rande der 20. Euro Finance Week in Frankfurt am Main stattfand. Wie Uwe Rieken, der Geschäftsführer von Faros und Ausrichter des Forums, zu Beginn ausführte, haben sich die Anlagebedingungen für Investoren weiter erschwert. Der Zugang insbesondere zu manchen alternativen Anlageklassen wird nach seiner Beobachtung auch für große bis sehr große Investoren schwieriger. Überdies werden die Märkte im Hinblick auf Brexit und Geldpolitik unübersichtlicher. Beim Brexit war Rieken deutlich skeptischer als viele andere Marktbeobachter. Umso wichtiger war ihm, das Gewicht Großbritanniens im Handels- und Dienstleistungsverkehr ins Gedächtnis zu rufen: Bei einem Austritt Großbritanniens würden allein die deutschen Auto-Ausfuhren nach Großbritannien mit zirka 2,3 Mrd. Euro Zöllen belastet. Und das Clearing von Euro-denominierten Anleihen im Derivategeschäft zwischen beiden Ländern laufe zu 80-90 Prozent über London. Ähnlich skeptisch war seine Sicht der Notenbankpolitik. Er sprach von einem “noch nie dagewesenen Geldexperiment”. “Neuerdings”, so seine Formulierung, “machen die Notenbanken keine Geldpolitik mehr, sondern Kommunikationsberatung”. Gemeint ist die Konzentration auf die sogenannte Forward Guidance der Märkte als quasi geldpolitischem Instrument. Wenn man nach der Zyklusregel vorgehe, dass Europa 4 Jahre hinter den USA zurückliege, werde ein Bilanzabbau bei der EZB erst 2021 beginnen. Mittlerweile betrage das Bilanzvolumen der EZB aber bereits 40 Prozent des BIP in Europa verglichen mit „nur“ noch 23 Prozent in USA.

Nicht zuletzt das Thema Nachhaltigkeit gewinnt damit zunehmende Bedeutung für die Anlagepolitik. Die ESG-Anforderungen haben diese Wahrnehmung schon bei vielen Investoren geschärft. Die bisher weniger bekannten SDG, die im September 2015 beschlossen wurden, haben darüber hinaus noch eine besondere Qualität. Denn es handelt sich um sehr konkrete und zeitlich terminierte Ziele für nachhaltige Entwicklung. Mit dieser Agenda haben sich alle Länder verpflichtet, dazu beizutragen, dass Armut beendet, der Planet beschützt und Wohlstand für alle zugesichert wird. Mit anderen Worten, sie sind verbindlich für alle Länder und sie sind in vielen Fällen auch quantifizierbar. Darauf machte Michael Møller, Generaldirektor der UN in Genf, aufmerksam: „Sie geben den Investoren damit eine Benchmark“. Viele Ziele wie etwa der CO2-Abbau seien alternativlos. Insofern müssen sich die SDG in den Portfolien auswirken.

Da besteht allerdings noch erheblicher Handlungsbedarf. Denn mehr als ein Drittel der Teilnehmer des Forums gab bei einer Umfrage zu, nicht zu wissen, was SDG sind. Nur weniger als ein Fünftel gab an, bereits einzelne SDG in das Portfolio integriert zu haben. Umgekehrt erwarten aber zwischen ein und zwei Drittel der Teilnehmer, dass Nachhaltigkeit in Form von ESG oder SDG eher Renditetreiber als –kostgänger sein werde. Nur ein kleiner Teil der Teilnehmer war definitiv der Meinung, dass Nachhaltigkeit Rendite koste.

Unter den Anlageklassen werden vornehmlich Aktien betroffen sein (inkl. Private Equity). Neben Ausschluss- und Positivkriterien sowie der Integration von Nachhaltigkeits-Ratings stellt sich dabei auch die Frage nach der Wahrnehmung von Stimmrechten und einer aktiven Eigentümerschaft. Auf diesem Gebiet ist Hermes Equity Ownership Services besonders prädestiniert. Hans-Christoph Hirt, Executive Director von Hermes EOS, führte aus, dass an erster Stelle bei der Kommunikation mit den Unternehmen natürlich immer noch das Performanceziel stehe. Aber daneben gehe es auch um einen positiven Impact für Gesellschaft und Umwelt. Insoweit stünden die ESG-Themen und jetzt auch einige SDG-Anliegen auf der Tagesordnung. Er stimmte dabei besonders dem Aspekt zu, dass die SDG sehr viel mehr Messbarkeit des Handelns mit sich bringen würden als die bisherigen ESG-Ratings. „Die SDG“, so Hirt, „werden mehr zu einem Outside/In bei den Investoren führen, während bislang das Inside/Out vorherrschte“. Im Gespräch fügte er hinzu, dass Hermes bei der Ausübung aktiver Eigentümerschaft gelegentlich schon messbare Ergebnisse erzielt habe, zum Beispiel bei deutschen Automobilherstellern. Man habe auch eine Untersuchung bei der Universität Göttingen beauftragt, die messbare Ergebnisse bei Unternehmen aufspüren soll. Aber dies bewegt sich erst im Anfangsstadium und bezieht die SDG kaum ein. Hermes plane aber, zwei Fonds aufzulegen, die einem Impact Investing-Ansatz folgen sollen.

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