Das Transaktionsvolumen von Private-Equity-Investitionen in Deutschland ist 2019 stark angestiegen. Gleichzeitig ging die Anzahl der Deals zurück.

2019 tätigten Finanzinvestoren Private-Equity-Transaktionen im Wert von 30,2 Milliarden Euro –  ein Anstieg um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das errechnete kürzlich das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshaus EY in einer Analyse. Demnach ist das Private-Equity-Volumen im letzten Jahr auf einen Höchstwert seit der Finanzkrise anstiegen. Vor allem im zweiten Halbjahr trugen Transaktionen im Gesamtwert von 22,9 Milliarden Euro dazu bei.

Private-Equity Megadeals 2019

3,5 Milliarden Euro betrug der größte Abschluss des Jahres 2019: der Kauf des Industriedienstleisters Currenta durch Macquarie. Auch die zweitgrößte Private-Equity-Transaktion fand in der zweiten Jahreshälfte statt: die Akquisition von BASF Bauchemie durch Lone Star im Wert von 3,2 Milliarden Euro. Insgesamt kamen laut EY acht solcher Megadeals oberhalb der eine-Milliarde-Grenze zustande – drei mehr als im Vorjahr.

Während die Transaktionspreise in die Höhe schossen, verminderte sich allerdings die Zahl. Im vergangenen Jahr zählte EY insgesamt 219 Deals, zehn weniger als noch im Jahr 2018. Zuvor hatte es fünf Jahre in Folge immer mehr Transaktionen gegeben.

Beliebte Bereiche: IT und Industrie

Die meisten Transaktionen fanden 2019 in den Bereichen Informationstechnologie (49) und Industrie (42) statt. Die Bewegung in den beiden Branchen erklärt EY dadurch, dass der deutsche Markt viele kleinere und mittelgroße Industrieunternehmen beherbergt. „Wir beobachten derzeit zusätzlich verstärkt den Trend, dass Private-Equity-Fonds ihr Portfolio um innovative Digitalunternehmen anreichern wollen“, so Wolfgang Taudte, Partner bei EY.

Das meiste Geld floss mit 6,8 Milliarden Euro in den Bereich Chemie. Dazu trugen vor allem die Akquisitionen von BASF Bauchemie durch Lone Star sowie der Kauf von Evonik (Methacrylates Verbund) durch Advent bei. Durch die Übernahme von Autoscout24 durch Hellman & Friedman kurz vor Jahresende entfiel der zweithöchste Wert mit 5,7 Milliarden Euro auf den Bereich IT.

Deutlich weniger Exits

Die Verkäufe deutscher Unternehmensbeteiligungen nahmen sowohl in der Anzahl als auch im Wert deutlich ab. Insgesamt zählte EY 2019 88 Exits, 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Gesamtvolumen lag mit zehn Milliarden Euro sogar 31 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit sank es zum dritten Mal in Folge.

Das liegt laut dem Beratungshaus vor allem daran, dass große Secondary Buyouts ausblieben. Hier brach das Volumen um 54 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro ein. Ein starker Rückgang, dabei mutete der IPO von Teamviewer im November noch vielversprechend an. Dem Portfoliounternehmen des Finanzinvestors Permira gelang mit 2,2 Milliarden Euro der größte Technologie-Börsengang seit der Dotcom-Ära. Zuvor hatte es zwei Jahre lang keinen durch Private Equity getriebenen IPO gegeben, wie EY berichtet.

„Einige Finanzinvestoren kommen mit ihrem Portfolio derzeit an ihre Grenzen“, so Taudte. Diese seien nach wie vor damit beschäftigt, bereits akquirierte Unternehmen in ihr Portfolio zu integrieren. „Zum anderen stehen sie aber auch in einem starken Wettbewerb mit strategischen Investoren“, erläutert der EY-Partner. Durch Synergieeffekte aus dem Kauf seien diese in der Lage, höhere Preise zu zahlen.

Zukünftig weiterhin hohes Preisniveau

An dem hohen Preisniveau dürfte sich laut Michael Kunz, Leiter Private Equity für Deutschland, Österreich und die Schweiz, mittelfristig nicht viel ändern. Da es nicht mehr viele hochkarätige Übernahmeziele am Markt gibt, muss laut dem EY-Partner jeder, der sein Portfolio stärken will, tief in die Tasche greifen.

Dazu seien viele Finanzinvestoren bereit: Wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase steht viel günstiges Kapital zur Verfügung. Zudem hätten die Investoren in den vergangenen Jahren ihre Branchenkenntnisse ausgebaut. „Dadurch sind sie in der Lage, die Unternehmensentwicklung positiv zu beeinflussen und trotz hoher Preise eine weitere Wertsteigerung zu generieren.“

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