03.12.2019 | Von Erika Neufeld

PE-Portfolios sind nicht auf wirtschaftlichen Abschwung vorbereitet

Institutionelle Investoren halten Änderungen für notwendig, um ihre Private Equity-Portfolios auf einen Konjunkturabschwung vorzubereiten. Das zeigt das aktuelle Global Private Equity-Barometer von Coller Capital.

Private Equity (Bildquelle: gustavofrazao/iStock/Getty Images Plus)

Eine große Mehrheit der institutionellen Investoren in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum halten Änderungen für notwendig, um ihre Private Equity-Portfolios auf den nächsten Konjunkturabschwung vorzubereiten. Europäische Investoren zeigen sich zuversichtlicher: Weniger als die Hälfte (45 Prozent) sind der Meinung, dass ihre Portfolios angepasst werden müssen. Das ist das Ergebnis des aktuellen Global Private Equity Barometers von Coller Capital.

Ein überwiegender Teil der Limited Partners (LPs) erwartet in der nächsten Phase des wirtschaftlichen Abschwungs eine deutliche Abweichung der Private Equity-Renditen von General Partners (GPs). Nur 7 Prozent der Anleger sind der Meinung, dass sich die Branche seit der globalen Finanzkrise ausreichend verändert hat, um dies zu vermeiden. Insgesamt rund zwei Drittel der LPs erwarten, dass es in den nächsten fünf Jahren bei den Fondskonditionen von GPs zu stärkeren Abweichungen kommt. Drei von fünf LPs erwarten eine generelle Absenkung der Managementgebühren. Jeder fünfte LP erwartet geringere Gewinnbeteiligungen der GPs.

Private Equity und der Klimawandel

Ob Investoren ihre Anlagestrategie als Reaktion auf den Klimawandel ändern, ist abhängig von ihrem Standort: Weit über die Hälfte der LPs mit Sitz in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum erwarten, dass sie ihre Portfolios in den nächsten fünf Jahren im Kampf gegen den Klimawandel verändern werden. In Nordamerika beabsichtigen dies weniger als ein Drittel der Investoren. Sofern Änderungen der Anlagestrategie geplant sind, wollen LPs vor allem ihr Engagement in den Bereichen Öl und Gas durch Investments in erneuerbare Energien und in klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen ersetzen.

Reputation von Private Equity

Viele Investoren – und insbesondere eine deutliche Mehrheit der nordamerikanischen LPs – sagen, dass die Kritik von Politik und Medien an Private Equity in letzter Zeit zugenommen hat. Darüber hinaus geben drei Viertel der Investoren in allen Regionen der Welt an, dass sie es als Aufgabe der nationalen und regionalen Branchenverbände für Private Equity und Venture Capital ansehen, mehr zur Akzeptanz der Branche und zur Erklärung ihres Nutzens und ihrer Existenzberechtigung beizutragen.

Weniger sicher sind sich die LPs, ob dafür die GPs mehr Informationen über ihre Portfoliounternehmen veröffentlichen sollten. Zwei etwa gleich große Gruppen gibt es bei der Frage, ob die Branche Informationen über Entscheidungen in ihren Unternehmen an mehr Interessengruppen weitergeben sollte oder ob die bisherige Vertraulichkeit notwendig ist, damit GPs Veränderungen schnell voranbringen können.

Aufstrebende Private-Equity-Märkte

Asien bietet nach Ansicht der Investoren in den nächsten drei Jahren die mit Abstand attraktivsten Investitionsmöglichkeiten für Private Equity in Schwellenländern. Zwei Drittel oder mehr sehen attraktive Chancen in Südostasien, in China, Hong Kong und Taiwan sowie in Indien – verglichen mit etwa einem Drittel der Investoren, die gute Chancen in Mittel- und Osteuropa und in Lateinamerika sehen. Diese Einschätzungen sind von großer Bedeutung vor dem Hintergrund, dass zwei von fünf LPs über die Entwicklung ihrer Private-Equity-Portfolios in Schwellenländern enttäuscht sind – ein Bild, das gegenüber dem Barometer vom Winter 2015/16 nahezu unverändert ist.

Private Debt

Die Anlage institutioneller Gelder in Private-Debt-Fonds scheint einen Höhepunkt erreicht zu haben. Hier planen die LPs zu gleichen Anteilen, ihr Engagement in den nächsten zwei Jahren zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Im Winter 2015-16 war laut dem damaligen Barometer die Zahl der LPs, die ein stärkeres Engagement planten, noch dreimal so groß wie die Zahl derer, die das Tempo zurückfahren wollten. Auf jeden Fall sehen die LPs auf Private Debt erhebliche Herausforderungen zukommen. Rund drei Viertel der Investoren sehen ein Risiko sowohl für erhöhte Ausfallraten als auch für niedrigere Recovery-Raten aufgrund zunehmend großzügiger Kreditvergaben (Covenant-Lite). Generell befürchten sie, dass die zunehmende Zahl von Kreditgebern zu niedrigeren Renditen auf breiter Front führen wird. In einem solchen Umfeld gibt nur jeder sechste LP an, dass er in einen Private-Debt-Fonds eines neuen Managers investieren würde.

Kapitalzusagen und Renditen für Private Equity

Institutionelle Anleger müssen sich häufiger mit geringeren Kapitalzusagen für die von ihnen ausgewählten Private-Equity-Fonds begnügen als in der Vergangenheit. Bei mehr als der Hälfte der LPs wurden in den letzten zwölf Monaten mehrfach die angefragten Anteile reduziert (gegenüber 42 Prozent der LPs im Jahr 2015). Am häufigsten geschieht dies nach Angaben der Investoren bei Venture Capital und mittelständischen Buyout-Fonds. Insbesondere die Nachfrage der Investoren nach Venture-Capital-Investments ist nicht überraschend, vor allem in Nordamerika. Für dortige Anlagen erwarten erstmals in der Geschichte des Barometers die Investoren in den nächsten Jahren höhere Renditen aus Venture-Fonds als aus Buyout-Fonds.

Co-Investments

Co-Investments erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Fast 70 Prozent der institutionellen Private-Equity-Investoren legen inzwischen parallel zu den GPs Gelder direkt in deren Portfoliounternehmen an, und etwa 44 Prozent der LPs suchen aktiv solche Möglichkeiten. Unter den großen LPs bevorzugen mehr als ein Drittel gezielt solche Manager, bei denen sie mit der Chance auf Co-Investments rechnen können. Der häufigste Grund, warum LPs nicht verstärkt Co-Investments tätigen, ist ein Mangel an internen Ressourcen, um die von den GPs vorgegebenen Fristen einhalten zu können.

Artikel teilen