Pensionskassen und Versorgungswerke haben im vergangenen Quartal ihren Vorsprung gegenüber anderen institutionellen Investoren ausgebaut. Seit 2013 liefern ihre Spezialfonds eine bessere Performance als der Durchschnitt. Das geht aus einer Studie der Universal Investment hervor, die dpn exklusiv vorliegt.

Wie aus einer Erhebung von Universal Investment hervor geht,  lag die Performance von Spezialfonds von Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen noch Ende Oktober 0,9  Prozent über dem institutionellen Investorendurchschnitt, waren es Ende 2015 bereits 1,19 Prozent. Im  Schnitt erreichten die Spezialfonds von Pensionskassen im vergangenen  Jahr eine positive Wertentwicklung von 4,63 Prozent, während der Schnitt aller  Investorengruppen 3,44 Prozent erzielte.  Doch nicht nur im vergangenen Jahr hatten die Pensionskassen die Nase vorn.

Flexibilität zahlt sich aus

Auf die Sicht von zehn Jahren waren Pensionskassen erfolgreicher als der institutionelle Durchschnitt: Über den Zeitraum von einer Dekade liegen ihre Spezialfonds 54,99 Prozent Plus – annualisiert sind das 4,37 Prozent. Der Durchschnitt erzielte über den gleichen Zeitraum 48,32 Prozent, was aufs Jahr gesehen durchschnittlich 3,93 Prozent entsprechen. Ein Grund dafür sei der vergleichsweise größere Handlungsspielraum, erläutert Universal-Investment- Geschäftsführer Markus Neubauer. Pensionseinrichtungen seien bei den Quoten für ihre Kapitalanlagen weniger streng reguliert als viele andere institutionelle Anleger wie zum Beispiel Versicherungen.

Private-Equityfonds waren Renditebringer

Doch welche Spezialfonds haben Renditen gebracht und welche haben sie im vergangenen Jahr vernichtet? „Trotz der hohen Volatilität an den Börsen schnitten alle Anlageklassen 2015 positiv ab “, erläutert Neubauer.  Die Ausnahme waren vor allem Dach-Hedgefonds. Sie lieferten  sowohl für Pensionskassen als auch für institutionelle Investoren Verluste in Höhe von 5,52 Prozent und waren auch auf die Sicht von fünf Jahren alles andere als erfolgreich. Hier verloren sie rund 26 Prozent an Wert. Über fünf Jahre betrachtet bedeutet das jährliche Einbußen von 5,83 Prozent.  Private-Equity-Fonds lieferten hingegen mit rund 19,9 Prozent die mit Abstand beste Wertentwicklung ab – auch hier gibt es keinen Unterschied zwischen Pensionskassen und dem Mittel aller institutionellen Investoren.  Auf die Sicht fünf Jahren  waren Private-Equityspezialfonds 60 Prozent im Plus, was annualisiert  9,85 Prozent p.a. entspricht.

Aktienquote steigt

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, zahlt erklärt sich der Vorsprung der Pensionskassen vor allem durch ihren höheren Handlungsspielraum. Und dieser drückt sich in einer steigenden Aktienquote aus. Zwar nimmt der Aktienanteil bei allen institutionellen Investoren zu: Allein im vergangenen Jahr stieg er insgesamt von 28 auf 30,5 Prozent. Somit hatten alle institutionellen Anleger auch im letzten Quartal aufgestockt. Per Ende Oktober hatte der Aktienanteil noch 29,98 Prozent betragen.  Bei Pensionskassen und Versorgungswerke legte die Aktienquote innerhalb des abgelaufenen Jahres von knapp 31 Prozent auf 33 Prozent zu. Den höchsten Stand hatte die Aktienquote im Juli mit 34 Prozent.

Signifikant ist hingegen der Unterschied beim Rentenanteil. Anleihen machen im Schnitt 48 Prozent aus und erreichten im Dezember damit ihren tiefsten Stand innerhalb von 2015 – ihr Anteil wurde allein im vergangenen Jahr um fünf Prozentpunkte zurückgefahren. Pensionseinrichtungen hatten ohnehin schon weniger Rentenpapier im Portfolio und reduzierten ihren Anteil aber 2015 noch mal um 4 Prozentpunkte. Ende des Jahres machten Anleihen 37 Prozent in den Spezialfonds von Pensionskassen aus. Der Abstand zwischen Renten- und Anleihen verringert also zusehends – der Rentenanteil liegt im Vergleich zum Aktienanteil nur noch 4 Prozent vorn.  Pensionskassen schlagen laut Neubauer einen immer größer werdenden Bogen um Titel, die wenig bis gar keine Rendite versprechen.

Aktienfonds von Pensionskassen besser als der Schnitt, aber schlechter als Dax

Pensionseinrichtungen haben nicht nur eine höhere Aktienquote als andere institutionelle Investoren, auch ihre Aktienportfolien schlugen sich auch besser. Die Aktienspezialfonds von Pensionskassen waren einerseits deutlich erfolgreicher als die anderer Investoren. Sie erzielten im Schnitt eine Rendite von 9,4 Prozent und damit etwas weniger als der Dax, der  2015 mit einem Plus von 9,6 Prozent beendete. Der institutionelle Durchschnitt schaffte lediglich 7,32 Prozent. Das entspricht im etwa der Wertentwicklung des Wall-Street-Barometers. Der Dow Jones lag Ende 2015 mit 7,5 Prozent im Plus.

Im Vergleich zum anderen institutionellen Investoren waren Pensionskassen im langlebigen Konsumgütersektor, der zum Beispiel den Einzelhandel und Medien enthält, sowie im Finanz- und im Telekommunikationssektor merklich übergewichtet. Bei Rohstoffen, Versorgern und Energieaktien waren sie hingegen etwas zurückhaltender.

Unterschiedliche Entwicklung bei Rentenportfolien

Allerdings muss eines gesagt werden: Die Rentenspezialfonds von Pensionskassen- und einrichtungen entwickelten sich im vergangenen Jahr mit minus 0,58 Prozent schlechter als der Schnitt. Die Spezialrentenfonds aller institutioneller Investoren erzielten zwar keine berauschende, aber immerhin eine positive Performance von 0,68 Prozent.  Der Anteil von Staatspapieren in den Rentenportfolien  von Pensionskasssen lag bei 24,18 Prozent im Vergleich zu 31,72 der Rentenfonds aller institutioneller Anleger. Bei rund 31 Prozent lag der Unternehmensanleihenanteil – der insgesamt seit Jahren steigt – im Durchschnitt. Institutionelle Anleger hatten mit 7,10 Prozent im Vergleich zu 5,85 Prozent bei Pensionskassen einen etwas höheren Anteil bei Pfandbriefen und Covered Bonds. Auffällig ist folgender Unterschied.  Während Schuldscheindarlehen in den Spezialrentenfonds von institutionellen Anlegern 3,64 Prozent ausmachen, liegt ihr mit 9,09 Prozent knapp zweieinhalb Mal höher.

Waren Schuldscheindarlehen 2012, also im ersten Jahr der Erhebung von Universal Investment, so gut wie gar nicht Bestandteil der  Spezialfondsportfolien von Pensionskassen und Versorgungswerken, beträgt ihr Anteil insgesamt nun 4,8 Prozent. Das sind bereits 0,6 Prozentpunkte mehr als Ende Oktober.

Universal Investment wertet seit Januar 2012 monatlich alle Spezialfondsanlagen aus. Das analysierte Volumen in Höhe von 181,5 Milliarden Euro entspricht rund 14 Prozent des gesamten vom BVI Bundesverband Investment und Asset Management erfassten Spezialfondsvermögens (Stand: Ende November).

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