Die Universal-Investment hat einen neuen Eigentümer: Das britische Private-Equity-Haus Montagu hat die größte konzernunabhängige deutsche Fondsgesellschaft übernommen. Ein Schritt, der Marktbeobachter überraschte und eine Reihe von Fragen aufwirft.

1.) Wer steckt wirklich hinter der Übernahme?

Die Pressemitteilung der Universal-Investment zur eigenen Übernahme erwähnt es mit keinem einzigen Wort, doch die Homepage des britischen Private-Equity-Hauses Montagu stellt die Ausrichtung des Finanzinvestors klar heraus: „Unser Fokus liegt ausschließlich auf Management Buyouts. Wir unterstützen CEOs und Geschäftsführer, die ihr Unternehmen in der Regel aus einem Konzern oder von einem Gründungseigentümer übernehmen möchten.“ Eine solche Ausrichtung ist auch nicht verwunderlich, denn Montagu entstand selbst durch einen Management Buyout (MBO) aus der HSBC Private Equity und wirbt offensiv mit dieser Kompetenz: „Ein Buyout kann ein komplexer Prozess sein. Wir verstehen diesen Prozess, denn wir haben unseren eigenen Buyout im Jahr 2003 durchgeführt.“

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Lobeshymnen, die Daniel Fischer, Director im Frankfurter Büro von Montagu, auf das Universal-Management singt, in einem neuen Licht: „Wir sind beeindruckt von der Leistung des Management-Teams, das Universal-Investment zu einer wachsenden Plattform mit einer hervorragenden Reputation entwickelt hat. Wir freuen uns, zukünftig mit Bernd Vorbeck und seinem Team zusammenzuarbeiten“. Diese überaus freundlichen Worte könnten nicht nur reiner Höflichkeit entspringen, sondern ein Hinweis auf einen MBO bei der Universal-Investment sein – mit Bernd Vorbeck, dem langjährigen Sprecher der Geschäftsführung, als starken Mann in der neuen Konstellation. Eine dpn-Anfrage, ob es sich bei der Übernahme der Universal-Investment um ein MBO handelt, beantwortete Montagu bis zum Redaktionsschluss nicht.

2.) Warum kam kein strategischer Investor zum Zuge?

In einem so hart umkämpften Markt wie dem der Administrationsdienstleistungen haben Beobachter eher mit einem strategischen Investor aus der Branche gerechnet. Falls dieser in Deutschland noch nicht vertreten ist, könnte er sich durch die Übernahme der Universal-Investment einen Markteintritt kaufen. Und in Deutschland bereits aktive Gesellschaften hätten einen großen Sprung nach vorne machen und Synergie-Effekte zu Kosteneinsparung nutzen können. Immerhin meldete die Universal-Investment bei der großen Master-KVG-Umfrage von dpn per Ende März 2016 ein Administrationsvolumen von insgesamt 260 Milliarden Euro. Dies war der vierthöchste Wert unter den 13 Umfrageteilnehmern. Bei den Masterfonds kommt das Haus mit 111 Milliarden Euro sogar auf Rang drei.

Dass kein strategischer Käufer zum Zuge kam, liegt möglicherweise daran, dass die Universal-Investment bisher nur in Deutschland und Luxemburg vertreten ist. Durch das Lohnniveau an beiden Standorten liegen die Kosten der Gesellschaft für ihre rund 650 Mitarbeiter entsprechend hoch. Viele international vertretene Administrationshäuser nutzen dagegen auch günstigere Standorte für die Fondsbuchhaltung oder andere Teile ihrer Dienstleistungen. Zu starke personelle Einschnitte bei der Universal-Investment hätten jedoch die Unternehmenskultur belastet und möglicherweise die Integration der Gesellschaft in ein globales Haus erschwert.

Außerdem dürfte das Management der Universal-Investment ein starkes Interesse daran gehabt haben, dass Unternehmen unter eigener Regie weiterzuführen. Dafür sind die Aussichten bei einem auf MBOs fokussierten Private-Equity-Haus weitaus höher als im Konzernverbund eines globalen Anbieters.

3.) Was macht die Universal-Investment für einen Finanzinvestor interessant?

Private Equity erfreut sich bei institutionellen Anlegern wachsender Beliebtheit. So berichtete Universal-Chef Bernd Vorbeck beim dpn-Roundtable Administration/Custody 2015. „Wir sehen eine sehr große Nachfrage nach klassischem Private Equity. Das Interesse ist hier aktuell deutlich höher als bei anderen Alternatives-Segmenten.“ Entsprechend stark ist der Mittelzufluss und damit auch der Anlagedruck bei den Private-Equity-Häusern.

Der deutsche Markt bietet sich durch seine Stabilität und Wachstumsdynamik Finanzinvestoren bei einem Investment in Kontinentaleuropa besonders an. So übernahm die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun vor kurzem die traditionsreiche deutsche Privatbank Hauck & Aufhäuser, die unter anderem auch im Asset Servicing tätig ist. Sie unterhält – wie die Universal-Investment – Standorte in Deutschland und Luxemburg und versucht ebenfalls, stark im Bereich der alternativen Anlagen zu wachsen, verfügt aber über deutlich niedrigere Volumina.

Mit der Universal-Investment hat Montagu dagegen einen der großen Player im Markt übernommen, der stark vom Wachstum der Spezialfonds in den nächsten Jahren profitieren könnte. Durch das Niedrigzinsumfeld verliert die Direktanlage für viele institutionelle Investoren in Deutschland an Attraktivität. Sie setzen daher verstärkt auf gemanagte Anlagen in Fonds, die Chancen an den internationalen Kapitalmärkten oder in alternativen Asset-Klassen nutzen.

Gerade bei den Alternatives hat die Universal-Investment in den vergangenen Jahren stark investiert, um ihr Werbeversprechen gegenüber den Kunden zu erfüllen: Administration für alle Asset-Klassen, alle Anlagevehikel und alle relevanten Standorte aus einer Hand anzubieten. Das Volumen ihrer Immobilienspezialfonds gibt die Gesellschaft mit 6 Milliarden Euro an. Außerdem habe sie Investments mit einem Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro in den Asset-Klassen Infrastruktur, erneuerbare Energien, Private Equity und Private Debt strukturiert. Bei diesen alternativen Anlagen ist der Preisdruck auf die Administration Brancheninsidern zufolge noch nicht so stark wie bei den klassischen Wertpapieren.

Ein weiteres Wachstumsfeld könnte das Insourcing sein. „Bei der Administration, die wir für andere Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen), aber auch Asset Manager übernehmen, gibt es eine sehr ordentliche Nachfrage“, betonte Universal-Chef Bernd Vorbeck beim dpn-Roundtable Administration/Custody 2015. Durch die schärfere Regulierung dürften auch künftig kleinere und mittlere Häuser über die Auslagerung von Aufgaben nachdenken.

Bei der Master-KVG-Umfrage von dpn bezifferte Universal-Investment das Volumen des KVG-Insourcings inzwischen auf 30 Milliarden Euro und beim Insourcing sonstiger Dienstleistungen auf 20 Milliarden Euro. Damit steht sie jeweils auf Rang drei unter den 13 Umfrageteilnehmern.

4.) Wie kann die Universal-Investment den Renditeanforderungen eines Private-Equity-Unternehmens gerecht werden?

Montagu investiert derzeit aus seinem Private-Equity-Fonds V, der ein Volumen von 2,75 Milliarden Euro hat. Das Unternehmen wird eine entsprechend hohe Rendite aus seinen Beteiligungen erwarten. Die Universal-Investment ist jedoch in dem sehr margenschwachen Administrationsgeschäft tätig. Der Jahresüberschuss lag zuletzt bei 18,3 Millionen Euro (Geschäftsjahr per 30. September 2015). Im Jahr zuvor waren es sogar nur 14,1 Millionen Euro. Als angestrebter Verkaufspreis der Alteigentümer – der Hamburger Privatbank Berenberg und dem Bankhaus Lampe – wurden in der Branche 200 Millionen Euro kolportiert.

Auch wenn die Universal-Investment gut aufgestellt ist, um am künftigen Wachstum des Marktes teilzuhaben, wird dies vermutlich nicht reichen, um die Renditeanforderungen des Finanzinvestors zu erfüllen, meinen Marktbeobachter. Schon seit vielen Jahren ist die Branche unter Druck. Die schärfere Regulierung und die höheren Anforderungen der Kunden erfordern große Investitionen. Zugleich sind die Preise für Administrationsdienstleistungen eher gesunken – und sie stehen weiterhin unter Druck, so ein Ergebnis des Roundtables Administration/Custody 2016. Die Vergütungen für die Grunddienstleistungen reichen bei den meisten Anbietern kaum aus. Sie kommen nur durch gebührenpflichtige Zusatzdienstleistungen auf einen grünen Zweig.

Die Administration von alternativen Anlagen mit ihren höheren Margen dürfte der Universal-Investment helfen. Allerdings entfällt bei diesen Investments die Möglichkeit, bestimmte Zusatzdienstleistungen wie die Wertpapierleihe oder ein Collateral Management zu verkaufen. Manche alternative Anlagen sind zudem recht arbeitsaufwändig. Außerdem administriert auch die Universal-Investment zu rund 90 Prozent klassische Wertpapiere und steht dort unter einem scharfen Wettbewerbsdruck.

Die Universal-Investment dürfte deshalb einen Wachstumstreiber brauchen, der deutlich über die genannten Möglichkeiten hinausreicht. Einen Hinweis darauf, wie dieser aussehen könnte, hat Bernd Vorbeck möglicherweise bereits beim dpn-Roundtable Administration/Custody 2011 gegeben. Die Anregung seines Vorredners, das deutsche Administrationsmodell ins Ausland zu tragen, griff der Wirtschaftsingenieur begeistert auf: „Das sehe ich auch so. Unser Geschäft ist ja in gewisser Weise das von Ingenieuren: Wir entwickeln Administrationslösungen, haben Prozesse, müssen sauber arbeiten, hohe Qualität liefern, automatisieren, industrialisieren. Die Industrialisierung ist eine deutsche Stärke. Insofern ist es ein Exportmodell.“ Und fügte gleich darauf an: „Allerdings frage ich mich, wie das in einem internationalen Konzern gesehen wird, wenn die deutschen Vertreter sagen, dass sie ihr Administrationsmodell gerne exportieren möchten.“

Das muss sich Bernd Vorbeck jetzt nicht mehr fragen. Ein internationales Administrationsunternehmen als strategischer Käufer ist bei der Universal-Investment nicht zum Zuge kommen. Die Alteigentümer, die eine solche internationale Expansion wohl kaum finanziert hätten, sind nicht mehr an Bord. Dafür ein kapitalstarkes Private-Equity-Haus, das „in die weitere Entwicklung des Geschäftsmodells investieren“ wird, so die Universal-Investment in ihrer Pressemitteilung, und das sich darauf freut – so Montagu-Director Daniel Fischer – das Management der Universal-Investment „in der nächsten Wachstumsphase des Unternehmens zu begleiten“. Dadurch sind nun auch Zukäufe durch die Universal-Investment in Deutschland und in ausländischen Märkten denkbar.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »