Wann ist eine Immobilie taxnomiekonform? In der Immobilienbranche gibt es rund um die EU-Taxonomie, die teils schon 2022 in Kraft tritt, viele Unklarheiten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Beratung EY Real Estate.

Die Immobilienbranche muss nachhaltiger werden – da sind sich alle einig. Doch wie die neue EU-Taxonomie, die genau dieses Ziel forcieren soll, angewendet wird, ist den meisten Immobilienunternehmen unklar. Zu diesem Ergebnis kommt der „ESG-Snapshot“ von der Beratung EY Real Estate.

Die EU-Taxonomie tritt in Teilen schon 2022 in Kraft. Dennoch ist mehr als 90 Prozent der Befragten unklar, welche Kriterien eine Immobilie erfüllen muss, um als taxonomiekonform zu gelten, beispielsweise wann eine Immobilie nach der neuen Regulatorik zu den „oberen 15 Prozent des nationalen oder regionalen Gebäudebestands“ zählt.

„Wir erleben eine paradoxe Situation: Die mit der EU-Taxonomie beabsichtigte Lenkung der Kapitalallokation hin zu nachhaltigen Investitionsgütern wird am Immobilienmarkt nicht nur antizipiert, sondern überwiegend auch befürwortet. Nun aber tritt die neue Regulatorik in Kraft und es besteht erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der Umsetzung“, sagt Florian Schwalm, Partner bei EY Real Estate und Autor des Snapshots.

Bereits ab Jahresbeginn 2022 greifen erste Anforderungen der Offenlegungsverordnung und der EU-Taxonomie für das Berichtswesen. Zwar befinden sich schon 55 Prozent der Unternehmen in der Umsetzung, knapp 40 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben jedoch an, dass es dafür an klaren Vorgaben mangle.

EU-Taxonomie hat Einfluss auf Immobilienbranche

Die EU-Taxonomie wirkt sich schon jetzt auf die Branche aus: Die Hälfte der Befragten gab an, für ihre Fonds gemäß Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung nur noch Objekte zu kaufen, die taxonomiekonform sind. Ebenfalls knapp die Hälfte sieht die Deal-Pipeline davon bereits negativ beeinflusst. Nur knapp ein Drittel der Befragten verkauft potenzielle Stranded Assets, um ihr Portfolio zu bereinigen.

Insgesamt zeigt sich auch ein Trend hin zu nachhaltigen Assets. Bisher fließt nur bei einem kleinen Teil der Unternehmen die Hälfte der Investitionen in nachhaltige Produkte, allerdings planen die Unternehmen das im kommenden Jahr zu ändern. „Die Verschiebung der Kapitalallokation am Immobilienmarkt hin zu nachhaltigen Assets hat bereits eingesetzt. Ab 2022 wird sie voll durchschlagen“, sagt Rathlev.

73 Prozent der Befragten nehmen bereits positive Effekte auf die Verkehrswerte der Immobilien wahr, wenn sie nachhaltige Kriterien erfüllen. Allerdings gaben auch alle Befragten an, dass vergleichbare Kriterien für nachhaltige Merkmale fehlen, um diese subjektive Beobachtung objektiv zu unterlegen.

Die Immobilienbranche hat besonders großen Handlungsbedarf, da sie in der EU für mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich ist.

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