Nach dem Klimawandel könnte Biodiversität das nächste Themenfeld sein, bei dem Regulierer und Zentralbanken den Finanzsektor zur Problemlösung hinzuziehen, meint DWS. Beim UN Gipfel zur Biodiversität unterzeichneten gerade mal gut 60 Länder eine Selbstverpflichtung zur Förderung der Artenvielfalt. Nicht dabei: Brasilien, Indien, China und die USA.

Der Finanzsektor spielt eine zentrale Rolle für die europäische Politik in der Eindämmung des Klimawandels. Wird es beim Schutz der Artenvielfalt auch so kommen? “In den vergangenen fünf Jahren haben die Zentralbanken eine Schlüsselrolle bei der Verschärfung des Klimaschutzes gespielt. Diese Erfahrung muss für Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Finanzinstitutionen und die Realwirtschaft wiederholt und beschleunigt werden, wenn es um den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt geht”, sagt Murray Birt, Senior ESG-Strategist der DWS.

Der virtuelle Biodiversitäts-Gipfel der UNO am 30. September 2020 verfolgte das Ziel, eine neue Vereinbarung zu erreichen, wenn die UN nächsten Mai in China über biologische Vielfalt tagt. Die Zeit drängt allemal: seit 1970 hat die Menschheit bereits 68 Prozent aller Säugetiere, Vögel, Fische und Reptilien ausgerottet.

Der Verlust an biologischer Vielfalt werde durch den Klimawandel beschleunigt und verschärfe ihn zudem noch. Außerdem hat die Zerstörung der Wälder und der Handel mit Wildtierarten Pandemien wie die jetzige wahrscheinlicher gemacht. Covid-19, Zika, Aids, SARS und Ebola stammen aus Tierpopulationen, deren Habitat durch menschliches Handeln stark gelitten hat.

Anreize für den Finanzsektor?

Wie zuvor das Klima, könnte nun auch Biodiversität eine wachsende Bedeutung für Finanzinstitutionen erlangen. Das Versprechen der Staats- und Regierungschefs zielt darauf ab, die biologische Vielfalt in alle relevanten Politikbereiche sowie in internationale Vereinbarungen einzubeziehen.

Dem Finanzsektor sollen national und international Anreize gegeben werden, den Wert der Natur und der biologischen Vielfalt zu berücksichtigen. Kapital solle mobilisiert werden, um die Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltige Nutzung der Natur bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen sowie beim Risikomanagement zu fördern.

Diese Ziele sollten laut DWS Selbstläufer sein. Doch es könnte die Finanzindustrie zusätzlich motivieren, dass Biodiversität wachstumsfördernd wirken kann.

Das globale Wachstums des BIPs ist durch mangelnde Maßnahmen zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt gefährdet. Wenn alles weiter laufe wie bisher, könnte dies bis 2050 zu einem Rückgang des jährlichen BIP-Wachstums um 0,67 Prozent führen. Dies entspreche laut DWS einem Rückgang von 10 Billionen Dollar. In einem “globalen Erhaltungsszenario” indes könnte sich das BIP-Wachstum bis 2050 um 0,02 Prozent beschleunigen.

Grüner Finanzsektor

Wie wichtig Biodiversität für Regulierungsbehörden und institutionelle Investoren ist, zeigen die Zahlen: 69 Finanzregulierer und Zentralbanken sind Mitglieder des so genannten “Network for Greening the Financial Sector” (NGFS). Noch mehr Zentralbanken dürften sich künftig dem NGFS anzuschließen. Aktuell befinden sich 39 Mitglieder in Ländern mit hohem oder hohem mittlerem Einkommen. Doch wie beim Klimawandel sind es häufig die ärmeren Staaten, die besonders vom Verlust der Artenvielfalt betroffen sind. Laut WWF sind Länder mit niedrigem Einkommen am stärksten von BIP-Verlusten durch die Zerstörung der biologischen Vielfalt bedroht.

Ein Großteil der Ressourcenausbeutung und der Zerstörung der biologischen Vielfalt geht jedoch auf Länder mit höherem Einkommen, Unternehmen und Einzelpersonen zurück, die Produkte herstellen und kaufen.

Beim Klimawandel sind institutionelle Investoren inzwischen stark engagiert. Laut einer Studie des CFA Institutes integrieren 40 Prozent der institutionellen Investoren weltweit Klimaaspekte in ihre Investmententscheidungen.

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