40 Prozent der institutionellen Investoren weltweit integrieren Klimaaspekte in ihren Investmententscheidungen, so das Ergebnis einer Studie des CFA Institute.

Wie wirken sich Klimakriterien konkret auf Investmentstrategien aus? Diese Frage hat der Berufsverband CFA Institute mit einer Studie, die Teil des aktuellen Berichts „Climate Change Analysis in the Investment Process“ ist, untersucht. Befragt wurden dafür rund 3.000 Verbandsmitglieder. Das Ergebnis: 40 Prozent der institutionellen Investoren weltweit integrieren Klimaaspekte in ihren Investmententscheidungen. In Europa liegt der Anteil mit 45 Prozent sogar noch etwas höher. Jeder zweite europäische Investor berücksichtigt demnach Klimarisiken in seinen Investments. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten berichtet, dass Investoren beziehungsweise Kunden zunehmend einfordern, dass Klimakriterien berücksichtigt werden.

CO2-Bepreisung als wirksames Instrument im Kampf gegen den Klimawandel

Der Bericht des CFA-Instituts enthält neben den Umfragedaten Fallstudien. Diese klären auf, welche wirtschaftlichen Auswirkungen der Klimawandel für Investoren hat und zeigen auf, wo Informationen zur Integration des Klimawandels in den Investitionsprozess zu finden sind. Darüber hinaus legt der Report den Fokus auf die Frage nach der Etablierung eines angemessenen Systems zur Bepreisung von CO2-Emissionen.

So erachtet das CFA Institute etwa die CO2-Bepreisung als wesentliches Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. Erst ein transparenter und verlässlicher Preisbildungsmechanismus mache es Investoren möglich, die CO2-Bepreisung zuverlässig in ihrer Analyse des Klimarisikos von Investments zu berücksichtigen. Zudem sollte die Bepreisung von Kohlenstoff als Basis für Investmententscheidungen in Analysten-Reports integriert werden.

Investoren und Emittenten sollten, so die Forderung des Instituts, gemeinsam an einer nachvollziehbaren Metrik bei der Frage nach der Behandlung und Offenlegung klimabezogener Angaben arbeiten. Dabei sollten die Standards des Sustainability Accounting Standards Board (SASB) und der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) berücksichtigt werden.

“Akteure müssen zunehmend Klimakriterien berücksichtigen”

Emittenten sollten mit Investoren bei der Bereitstellung von Klimadaten, die den Investmentprozess betreffen, sowie bei Informationen über Risiken durch den Klimawandel und Szenario-Analysen zusammenarbeiten. Zudem sollte die Investment Management-Branche eine kontinuierliche Weiterbildung zur Einbeziehung von Klima-Aspekten in Anlageentscheidungen sowie einen fortlaufenden Dialog mit politischen Entscheidungsträgern und Regulatoren anstreben.

„Die Rolle der Finanzindustrie ist es, Kapital effizient in produktive Verwendungen für Realwirtschaft und Gesamtgesellschaft zu führen. Dabei müssen die Akteure zunehmend Nachhaltigkeits- und Klimakriterien berücksichtigen. Der aktuelle Report des CFA Institute soll dabei als Nachschlagewerk für Investoren und die Branche dienen“, sagt Margaret Franklin, CFA, CEO und Präsidentin des CFA Institute.

„Die Beschäftigung mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise sollte im Sinne einer marktwirtschaftlichen Lösung aus der Industrie selbst kommen. Dafür bedarf es entsprechender Daten und Informationen. Investment Manager müssen wesentliche Klimarisiken und ökologische Kriterien kennen und verstehen, um diese profund in verantwortliche Anlageentscheidungen einzubeziehen“, ergänzt Susan Spinner, CFA, geschäftsführender Vorstand der CFA Society Germany.

Klimarisiken noch stärker in den Fokus nehmen

Auch die Bundesanstalt für Finanzen (BaFin) nimmt die aus dem Klimawandel resultierenden Risiken ernst. In ihrem Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken verweist sie darauf, dass sich daraus entstehende Schäden bei Fortschreibung der gegenwärtigen Entwicklung auf weltweit bis zu 550 Billionen US-Dollar summieren könnten. Sie regt an, Klimarisiken noch stärker in den Fokus zu nehmen und zeigt auf, dass auch andere ökologische und soziale Trends gravierende Finanzrisiken für beaufsichtigte Unternehmen darstellen können.

So könnte der Verlust der Biodiversität ähnlich schwerwiegende finanzielle Auswirkungen haben wie der Klimawandel. Nach wissenschaftlichen Schätzungen kann sich beispielsweise das Risiko für die Landwirtschaft durch den Verlust von Bestäubern auf bis zu 577 Millarden US-Dollar jährlich belaufen. Aus Sicht der BaFin sollten daher alle ESG-Risiken (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) berücksichtigt werden.

 

Hören Sie mehr zum Thema bei den institutional assets virtual-academy & AWARDS, die am 8. und 9. Oktober unter dem Motto „Die Neuvermessung des Risikos“ stattfinden. Prof. Dr. Anders Levermann, Professor für die Dynamik des Klimasystems am Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und dem Physikalischen Institut der Universität Potsdam, tritt mit Dr. Henrik Pontzen, dem Nachhaltigkeitsexperten von Union Investment, in einen Dialog zum Thema “Herausforderung Klima: Nachhaltigkeit durch Transformation”.

Werfen Sie einen Blick ins Programm.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »