20 Jahre EEG – was sollten institutionelle Anleger beachten?

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Herr Seibel, das EEG wird 20 Jahre alt und die ersten Anlagen fallen aus der staatlichen Förderung. Wie kann das Life-Cycle-Management dieser Anlagen aussehen und wie kann Nachhaltigkeit bei Rückbau und Repowering aussehen?

Im Moment liegt der Fokus bei vielen Marktteilnehmer tendenziell auf einer Verlängerung des Betriebes. Als die jetzt aus dem EEG kommenden Anlagen gebaut wurden, gingen viele Betreiber von einer Lebensdauer von nur 20 Jahren aus. Es zeigt sich aber, dass sowohl Wind- als auch Solaranlagen wesentlich länger technisch betrieben werden können.

Darüber hinaus gibt es die Option des Repowering. Das heißt an einem bestehenden Standort werden neue Anlagen projektiert und gebaut. Die neueren, moderneren Anlagen sind dann leistungsstärker als ihre Vorgänger. Das ist ein großer Vorteil in puncto Nachhaltigkeit und Flächenverbrauch. Allerdings muss bei diesem Prozess noch einmal der komplette, langwierige Genehmigungsprozess für neue Anlagen durchlaufen werden.

Ebenfalls ist vorab zu prüfen, ob ein Repowering überhaupt sinnvoll ist. Beispielsweise können sich im Bereich der Windkraft die lokalen Standortbedingungen negativ verändern, etwa wenn sich die Windbedingungen durch den Zubau weiterer Turbinen von anderen Betreibern verschlechtert haben. Bei PV-Anlagen können dagegen im Laufe der Jahre qualitätsrelevante technische Effekte auftreten. Deshalb überwachen wir unsere Anlagen laufend, um sicherzustellen, dass sie unseren Erwartungen entsprechen und falls nicht, prüfen wir den Verkauf in einem günstigen Marktumfeld.

Wenn ein Weiterbetrieb technisch oder wirtschaftlich nicht mehr möglich ist und tatsächlich zurückgebaut wird, gibt es mittlerweile einen guten Zweitmarkt für viele der Komponenten sowie Recyclingmöglichkeiten der verbauten Rohstoffe, was das Life-Cycle-Management mittlerweile nachhaltig macht.

Aufgrund der durch Corona ausgelösten Volatilität an den Börsen halten viele Investoren eine hohe Cash-Quote und suchen nach Möglichkeiten, diese Liquidität zu investieren. Erneuerbare Energien sind eine unkorrelierte Asset-Klasse, die unberührt vom Börsenbeben blieb. Welche Risiken sollten trotzdem beachtet werden?

Erneuerbare Energien sind definitiv eine geeignete Asset-Klasse, um das institutionelle Portfolio abzusichern. In den ersten vier Monaten des Jahres 2020 produzierten unsere Windanlagen 336 GWh Strom – 21 Prozent mehr als erwartet. Dank des sonnigen Aprils haben auch die Solarparks die Prognosen um 13 Prozent übertroffen und 102 GWh produziert.

Allerdings waren in der Corona-Zeit die Strommärkte, genau wie die Commodity-Märkte, sehr volatil. Institutionelle Investoren müssen sich also unbedingt der Strompreisrisiken bewusst sein und diese entsprechend überwachen und managen. Dazu bieten sich beispielsweise sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs) an. Dabei handelt es sich um Stromabnahmeverträge, die ein Wind- oder Solarpark direkt mit einem Versorger oder mit einem Unternehmen schließt. In den Verträgen ist die Lieferung einer bestimmten Strommenge zu einem festgelegten Preis geregelt. Durch PPAs können die Erlöse aus der Anlage über mehrere Jahre von der Preisdynamik am Energiemarkt entkoppelt und damit abgesichert werden.

Der Klimawandel ist keine theoretische Bedrohung mehr. Extreme Wetterlagen häufen sich auch in Europa und werden zur neuen Normalität. Wie können Portfoliostrategien angepasst werden, damit institutionelle Investoren Risiken reduzieren und sogar von veränderten Wetterbedingungen profitieren können?

Es zeigte sich schon in den letzten Jahren, dass Standorte zum Beispiel in Deutschland eine bessere Sonneneinstrahlung hatten als vor 10 oder 15 Jahren prognostiziert. Wenn dieser Trend anhält, können Investoren in Solarparks von diesem Klimatrend profitieren.

Und Risiken lassen sich am besten reduzieren, wenn man auch bei Erneuerbare-Energien-Investments auf Diversifikation setzt – sowohl über unterschiedliche Standorte als auch Technologien. Da verschiedene Erzeugungsarten unterschiedliche und teilweise antizyklische Ertragsvolatilitäten haben, wird so das Ertragsprofil des Gesamtportfolios geglättet.

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