Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern könnten die aktuelle Krise gut überstehen, argumentiert Mikhail Volodchenko, Portfolio Manager bei AXA Investment Managers.

Die hohe Volatilität an den Märkten in Folge der Corona-Krise hat auch die Emerging Markets getroffen. Doch laut Volodchenko sind Emerging-Markets-Anleihen gut positioniert, um dem Sturm standzuhalten. Staatsanleihen wie auch Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets bieten gute Chancen, ist Volodchenko überzeugt.

Risiken werden gut bezahlt

Die Lockdown-Maßnahmen führten im März zu Liquiditätsengpässen. Die Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve erwiesen sich auch für Emerging Markets als stabilisierend. Allerdings halten sich institutionelle Anleger noch zurück, hat Volodchenko beobachtet. So schrecken geopolitische und institutionelle Probleme ab, wie sie zum Beispiel in Argentinien und in der Türkei zu sehen sind. Allerdings: Diese Risiken werden gut bezahlt, betont Volodchenko.

“Bei einem Universum von über 70 Ländern und deren Unternehmen gibt es genug Luft zwischen guten und schlechten Investment-Gelegenheiten“, sagt Volodchenko. Historische Daten belegen dies: So performte Emerging-Market-Debt in den vergangenen 20 Jahren besser als jede andere Asset-Klasse. Die Ausfallraten in Emerging Markets waren sehr gering: So lag die Average Annual Default Rate im Betrachtungszeitraum mit 1,1 Prozent deutlich niedriger als in anderen High-Yield-Asset-Klassen. Höhere Ausfallraten fanden sich indes in Frontier Markets wie in den Regionen Subsahara oder in der Karibik, so AXA IM.

Anleihen aus Asien attraktiv

Besonders in Asien ergeben sich Chancen. So habe China die besten Chancen auf eine V-förmige Erholung. Im Vergleich zu anderen Ländern verfüge das Reich der Mitte über viel fiskalischen Spielraum und geldpolitische Stimuli. “Vor diesem Hintergrund sind asiatische High-Yield-Anlagen besonders attraktiv“, sagt Volodchenko. Mit bis zu 400 Basispunkten über US-amerikanischen High-Yield-Anleihen bieten zum Beispiel B-geratete Anleihen aus Asien eine attraktive Rendite bei geringeren Ausfallraten.

Rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben in Emerging Markets. Sie werden in vier Jahren zwei Drittel der Mittelschicht weltweit ausmachen. Dies ist eine im Vergleich zu entwickelten Ländern wenig gesättigte Konsumentengruppe, betont der Experte. Generell seien zahlreiche Unternehmen in den Emerging Markets gut aufgestellt: „Viele sind mit soliden Bilanzen in die Krise gegangen, haben ein umfangreiches Liability-Management betrieben, verfügen über ausreichend Cash-Reserven und sind zudem krisenerprobt“, unterstreicht Volodchenko.

Alpha für Euro-denominierte Anleihen

Großes Potenzial bieten auch Emerging-Markets-Anleihen, die in Euro denominiert sind. So sind beispielsweise die Elfenbeinküste, Senegal, Ukraine oder Ägypten Teil des Programms des Internationalen Währungsfonds und begeben Anleihen überwiegend in Euro. Auch aufgrund der historischen Entwicklung und der engen Handelsbeziehungen zu Europa haben einige dieser Länder ihre Währung an den Euro gekoppelt. Aktuell bieten generische 10-Jahres-Anleihen dort eine Spread-Prämie von 50 bis 100 Basispunkten gegenüber vergleichbaren Anleihen in US-Dollar. “Das ist eine große Chance, um Alpha zu generieren“, sagt Volodchenko.

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