Der 9. März 2020 war ein schwarzer Montag an den weltweiten Kapital- und Rohstoffmärkten. Wie ein Stein fallen Aktienkurse und Ölpreis zu Handelsbeginn von Tokio über London bis New York.

Der DAX schloss rund 7,5 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag. In Japan liegt das Minus bei über 8 Prozent. In New York wurde zwischenzeitlich der Handel ausgesetzt – zum ersten Mal seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Die Ölpreise fallen ins Bodenlose. Weltweit fliehen Investoren aus dem Risiko. Es profitieren die vermeintlich sicheren Häfen wie Gold und der japanische Yen.

Panik an den Aktienmärkten

Die besorgniserregenden Nachrichten zur Coronavirus-Pandemie und ein von Saudi Arabien provozierter Ölpreiskrieg führen zu panikartigen Verkäufen an den Wertpapierbörsen. Die italienische Regierung setzt 16 Millionen Menschen unter Quarantäne. Am stärksten betroffen ist  der wirtschaftliche starke Norden des Landes.

Es breitet sich die Angst vor einer Rezession aus.  Der globale Sentix-Konjunkturindex fällt von +8,1 auf -12 Punkte zurück. Nie zuvor war ein so starker synchronisierter Einbruch der Welt-Konjunktur in den Daten messbar, so die Analysten. Der aktuelle Rückgang reihe sich ein in eine unrühmliche Kette: Lehman-Krise (2008), Fukushima (2011) und die Öl-Kreditkrise (2016).

Hauptauslöser für den Einbruch an den Kapitalmärkten dürfte laut DWS aber der Ölpreisschock gewesen sein. Zum einen führt er zu einem drastischen Rückgang der Inflation und der Inflationserwartungen. Das spiegelte sich in den Renditen der Staatsanleihen wider: Die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen fiel auf ein Rekordtief. Die Renditen deutscher Bundesanleihen fielen ebenfalls deutlich und näherten sich ihren Allzeit-Tiefs.

US-Hochzinsanleihen als Gefahrenherd

Die kurzfristig größte Belastung löste der Ölpreisverfall aber auf den US-Anleihemärkten aus: Denn das US-Hochzinssegment enthält rund 10 bis 15 Prozent Unternehmen aus dem Energiesektor, so die DWS. Dieser gerät durch den Ölpreisschock in Schieflage: Die US-amerikanischen Schieferöl-Produzenten kalkulieren mit einem Rohölpreis von 40 bis 50 US-Dollar pro Barrel West Texas Intermediate (WTI), Preise darunter schüren Angst vor Insolvenzen. Am Montagmorgen lag der Preis im Tief deutlich darunter bei 30,05 US-Dollar je Barrel, rund 25 Prozent tiefer als am Freitag.

Ölpreis fällt ins Bodenlose

Das ist der größte Preisverfall am Ölmarkt innerhalb eines Handelstages seit 1991. Grund für den Schock ist das Scheitern der Gespräche von OPEC-Ländern und Russland zu Förderkürzungen. Die Russen weigerten sich, sich der von den OPEC-Ministern am Donnerstag beschlossenen Produktionskürzung anzuschließen – vielleicht auch deshalb, weil die USA weiterhin Rekordmengen produzieren. Anlass für den OPEC-Beschluss war der Einbruch der weltweiten Ölnachfrage – und damit auch des Ölpreises – infolge der Coronavirus-Epidemie.

Saudi-Arabien beschloss als Reaktion auf das „Njet“, die  Fördermengen deutlich hochzufahren und senkte den Angebotspreis für saudisches Öl drastisch. Mit der erwarteten Angebotsschwemme fällt der Preis für das Barrel Brent-Öl vom Schlusskurs Freitag bei 43,80 US-Dollar auf 33,58 US-Dollar je Barrel am Montagabend.

Goldpreis: Sichere Häfen gesucht

Durch die Risiko-Aversion an den Finanzmärkten und die rückläufigen Renditen hat Gold an Attraktivität gewonnen, so Swisscanto. Das Edelmetall beendete den schwarzen Montag leicht im Plus. Nach dem starken Preisanstieg auf ein 7-Jahreshoch Ende Februar ist das Potenzial für einen weiteren Anstieg des Goldpreises aber geringer geworden, so die Analysten.

Euro versus Dollar im Plus

Der Euro profitierte zuletzt vom schrumpfenden Zinsvorteil des US-Dollar. Im Vergleich zum Jahresanfang liegt die Gemeinschaftswährung rund 2 Prozent im Plus.

Beruhigung am Dienstag

Am Dienstagmorgen drehen die Märkte im asiatischen Handel wieder in den Risk-on-Modus. Aktien- und Ölkurse steigen sprunghaft. Es breitet sich Hoffnung auf fiskalische Unterstützung aus: US-Präsident Donald Trump kündigte am Montag an, mit dem Kongress über ein Hilfspaket zu verhandeln. Damit sollen die Auswirkungen der Krise auf den privaten Verbrauch eingedämmt werden. Eine Pressekonferenz solle im Tagesverlauf stattfinden. Für  Deutschland kündigt Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein milliardenschweres Konjunkturpaket an, sollte der Coronavirus zu einem massiven Wachstumseinbruch führen.

Auch von geldpolitischer Seite wird wohl Hilfe kommen. Von der EZB erwarte der Markt eine Zinssenkung, so Allianz Global Investors. „Wir dagegen gehen eher von einer Erhöhung von Quantitative Easing aus. In einem Umfeld, in dem in der Eurozone verstärkt über mögliche budgetäre Hilfsmaßnahmen nachgedacht wird, erscheint ein noch stärker negativer Zinssatz nämlich wenig dringlich“, so Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors. Unterdessen breitete sich das Coronavirus weltweit weiter aus, mit steigenden Todeszahlen.

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