10.02.2020 | Von Antje Schiffler

Tödliches Virus bremst Chinas Wachstum aus

Volkswirte gehen zurzeit von einem kurzfristigen Dämpfer für die chinesische Wirtschaft durch das Coronavirus aus.

Bildquelle: Arsgera/iStock/GettyImages

Das Coronavirus dürfte die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal 2020 ausbremsen. Allein die Verlängerung der Ferien zum Neujahrsfest um eine Woche verpasst dem Wachstum einen kräftigen Dämpfer, erwarten Volkswirte. Zudem bleiben einige Werke auch längere Zeit geschlossen. Auch die Konsumenten halten sich zurück und zögern aus Angst vor Ansteckung, das Haus zu verlassen und Geld auszugeben. Bisher hat das Virus mehr als 900 Todesopfer gefordert.

Deutsches Wachstum erhält Dämpfer

Sofern das Virus sich nicht weltweit ausbreitet und sich die Gefahr in China nicht weit ins Jahr hineinzieht, dürfte der Effekt aber auf das 1. Quartal beschränkt bleiben und im Rest der Welt vor allem über den Außenhandel nur leicht wachstumsbremsend wirken. Die Commerzbank prognostiziert den negativen Effekt auf das deutsche Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal auf 0,2 Prozentpunkte. Insgesamt hat das Haus die Wachstumsprognose aber bei 0,8 Prozent für das Gesamtjahr 2020 belassen.

Deutschland ist heute anfälliger als 2003 zur Zeit der SARS-Epidemie, sagt der Chef-Ökonom von AXA Investment Manager, Gilles Moëc. Grund ist, dass sich deutsche Exporte nach China, Hongkong, Taiwan und Süd-Korea inzwischen auf rund vier Prozent des deutschen BIPs belaufen, im Vergleich zu 1,5 Prozent im Jahr 2003.

Banken senken Prognosen für China

Die Societé Generale rechnet damit, dass in China das erste Quartal um 1,5 Prozentpunkte weniger wachsen wird als es ohne das Virus der Fall gewesen wäre, sagt der Global Chief Economist der Bank Klaus Baader. Einen weitaus kräftigeren Effekt erwartet die Commerzbank. Sie prognostiziert für das 1. Quartal einen Rücksetzer von bis zu 3 Prozent. Die Jahresprognose für Chinas BIP senkt die Bank von 5,8 auf 5,4 Prozent.

Die DWS beziffert den Rückschlag durch das tödliche Virus auf 1 bis 2 Prozentpunkte. Allerdings seien noch keine Aufholeffekte sowie mögliche staatliche Konjunkturhilfen berücksichtigt.

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