Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) wurde 1990 aus dem Verkauf der bundeseigenen Salzgitter AG finanziert. Damals noch zu 100 Prozent in deutsche Staatsanleihen investiert, sieht das Portfolio inzwischen sehr viel bunter – und überaus grün – aus. Antje Schiffler berichtet.

Mit 2,32 Milliarden Euro Stiftungskapital und 2,7 Milliarden Euro Assets under Management gehört die Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU zu den größten Stiftungen Deutschlands. Aus der Kapitalanlage flossen im vergangenen Jahr rund 99,6 Millionen Euro in die Kasse – etwa 4,4 Millionen Euro mehr als 2018. Die Performance der Kapitalanlagen lag 2019 bei 10,8 Prozent. 36 Millionen Euro aus diesen Geldern wurden zur Aufstockung des Stiftungskapitals verwendet. „Wichtig sind uns ein inflationsbereinigter Kapitalerhalt und ein stabiler Fördermittelausweis“, betont Michael Dittrich, Stellvertretender Generalsekretär und Abteilungsleiter Finanzen und Verwaltung bei der DBU. So wurde das Stiftungskapital durch Rücklagenbildung seit 1991 (1,288 Milliarden Euro) auf die aktuell 2,32 Milliarden erhöht.

Der Auftrag der DBU: „Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung der mittelständischen Wirtschaft“ fördern. Der Fokus auf Nachhaltigkeit in der Kapitalanlage ist daher wenig verwunderlich. „Wir haben schon vor 15 Jahren das Thema in unsere Anlagerichtlinien integriert und seither stetig ausgebaut“, sagt Dittrich. Klarer Investment-Fokus im Jahr 2020: erneuerbare Energien und Green Bonds.

Mehr Sachanlagen

Nach und nach wurden angesichts der niedrigen Zinsen Gelder aus Staatsanleihen abgezogen. Sie fließen stattdessen in Sachanlagen, und zwar ausschließlich in Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien sowie auch in Immobilien. Über 7 Prozent des Kapitals sind bereits in diese Asset-Klassen investiert, mit steigender Tendenz. Erneuerbare gehören bereits seit 2015 zum Portfolio. Ende 2019 waren 60 Millionen Euro in diese Asset-Klasse investiert.

Die Immobilien-Investments erfolgen über Fondsvehikel und beschränken sich aufs gewerbliche Segment. Wohnimmobilien hat der Anlageausschuss wegen möglicher Reputationsrisiken ausgeschlossen, erläutert Dittrich. Noch sei es zu früh, die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Fonds-Performance zu beurteilen. „Wir erleben zurzeit, dass einige Fonds ihre Ausschüttungen wegen Mietstundungen zurücknehmen“, sagt der Experte. Auch Ausfälle der Ausschüttungen seien natürlich im weiteren Jahresverlauf möglich. „Im Moment beobachten wir den Markt. Wir sind nicht der Meinung, dass im Moment ein guter Einstiegspunkt ist.“

Staatsanleihen: von 100 auf 5 Prozent

Schwerpunkte bei den verzinslichen Wertpapieren sind Unternehmensanleihen, Pfandbriefe, deutsche und europäische Staatsanleihen sowie Inhaberschuldverschreibungen. Aber auch strukturierte Rentenprodukte werden genutzt. „Als die DBU Anfang der 1990 gegründet wurde, bestand die Kapitalanlage zu 100 Prozent aus deutschen Staatsanleihen aus dem Fonds „deutsche Einheit“ mit Renditen über 9 Prozent im langjährigen Bereich. Heute halten wir nicht einmal mehr 5 Prozent in dieser Asset-Klasse“, fasst Dittrich die Niedrigzinsproblematik aus Sicht der Stiftung zusammen. „Unternehmensanleihen schauen wir uns von Fall zu Fall an. Wir gehen aber keine Kompromisse bei den Bonitäten ein, um Rendite einzufahren“, so der Anlageexperte.

„Natürlich müssen sich Stiftungen an die niedrigen Zinsen anpassen, aber die Antwort kann nicht nur höheres Risiko sein. Man muss sich ehrlicherweise eingestehen, dass die Erträge geringer werden und die Ausgabemöglichkeiten langfristig an die neuen Gegebenheiten anpasst werden müssen“, so Dittrich. Um die Fördermittel dennoch konstant halten zu können, hat die Stiftung in den vergangenen Jahren Rücklagen gebildet. Schließlich war die Stimmung an den Märkten schon vor Corona eingetrübt. „Dass wir nach so vielen fetten Jahren auch mal wieder mit ein paar mageren Jahren rechnen müssen, darauf haben wir uns im Finanzmanagement eingestellt“, erläutert Dittrich.

Green Bonds: ESG-konforme Rendite

Erträge findet die Stiftung vermehrt bei Anleihen zur Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Projekten. Bereits 80 Millionen Euro hat die Stiftung in Green Bonds angelegt, das sind rund 30 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Weitere Investments sind geplant. „Das Thema Green Bonds finden wir sehr spannend. Es ist ein Marktsegment, das insgesamt sehr stark wächst. Wir schauen immer genau auf den Emittenten und die Beschreibung des Bonds. Wichtig ist für uns, dass der Anbieter den ESG-Ansatz glaubwürdig vertritt.“

Die Stiftung hat im vergangenen Jahr eine Studie des Bonner Südwind-Instituts zur Additionalität von Green Bonds finanziert. Dabei wurde einerseits festgestellt, dass von über 400 untersuchten Emittenten nicht einmal die Hälfte offenlegt, welche konkreten Projekte mit den Green Bonds finanziert werden. Es zeigte sich zudem, dass Green Bonds in Schwellen- und Entwicklungsländern besonders wirksam sind. In diesen Ländern sind diese Vehikel oft die einzige Finanzierungsform, damit ein nachhaltiges Projekt überhaupt zustande kommt, so das Studienergebnis.

Aktien: breitere Vielfalt

Den Aktienanteil hat die Stiftung zuletzt moderat aufgestockt. Er liegt aktuell bei rund 27 Prozent. „Etwas unter 30 Prozent ist eine Größenordnung, mit der wir uns wohlfühlen“, so Dittrich. Dabei plant die DBU zurzeit eine Diversifizierung über die Schwerpunkte Deutschland und Europa hinaus. Aktuell sind gut die Hälfte der Gelder in deutsche und etwa 30 Prozent in europäische Standardtitel angelegt. „Unser Anlageuniversum in Europa ist der Stoxx 600. Das managen wir intern“, erläutert Dittrich. Für den erweiterten Fokus werden nun externe Lösungen gesucht.

Aktuell besteht das Vermögensanlagereferat aus fünf Personen, wobei ein Mitarbeiter die Aktien- und ImmobilienInvestments betreut, ein Mitarbeiter die Rentenanlagen und drei Mitarbeiterinnen im Backoffice arbeiten. Im handelsunabhängigen Referat Controlling sind vier Beschäftigte tätig. Immerhin 85 Prozent der Gelder legt das Team direkt an. Der Rest entfällt auf Immobilien- und Spezialfonds sowie die erneuerbaren Energien.
Den Crash an den Aktienmärkten Mitte März konnten die Osnabrücker aussitzen. „Wir haben nichts verkauft. Als langfristiger Anleger waren wir der Meinung, dass das Problem des richtigen Wiedereinstiegs nur schwer zu beantworten ist. Market Timing wollten wir mit unserem langfristigen Anlagehorizont nicht versuchen“, blickt Dittrich zurück. Schließlich bestehe das Stiftungsvermögen für die Ewigkeit, echte Liabilities sind nicht vorhanden.

Folglich wurde auch nicht an der Anlagestrategie geschraubt. Der Anlageausschuss bewertet die Strategie zweimal im Jahr. Zu diesen Anlässen werden die Quoten neu bewertet und gegebenenfalls angepasst, bleiben aber auch mal über mehrere Jahre unverändert. „Wir erleben zurzeit eine Gesundheitskrise. Zu diesem Zeitpunkt gehe ich nicht davon aus, dass sich unsere Lebensweise und unser Wirtschaftssystem dramatisch ändern werden“, betont Dittrich.

Bonds, Aktien und Sachwerte

Die Asset Allocation der Stiftung sieht vor, dass mindestens 63 Prozent des Stiftungskapitals in verzinsliche Wertpapiere, bis zu 24 Prozent in Aktien und bis zu 13 Prozent in Immobilien und nachhaltige Sachwerte angelegt werden. Grundlage sind die Buchwerte, so dass bei einer Betrachtung zu Marktpreisen der tatsächliche Anteil der Aktien durch stille Reserven oder stille Verluste abweichen kann.

Zudem müssen nach den Anlagerichtlinien mindestens 80 Prozent der in der Direktanlage gehaltenen Aktien sowie 80 Prozent der börsennotierten Unternehmensanleihen in einem Nachhaltigkeitsindex gelistet sein. Zum Bilanzstichtag Ende 2019 entsprachen 85,9 Prozent der Aktien und 83,7 Prozent der Unternehmensanleihen den selbst gesteckten Kriterien.

Lesen Sie mehr in der dpn-Ausgabe August/September 2020.

 

 

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