Starke Nettomittelzuflüsse und gut laufende Märkte bescherten der Asset-Management-Branche 2020 solides Wachstum. Allerdings stagnieren die Gewinne, heißt es in einem Bericht der Boston Consulting Group.

Trotz der COVID-19-Pandemie hat das verwaltete Vermögen (Assets under Management, AuM) im Jahr 2020 weltweit zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die AuM um 11 Prozent auf nun 103 Billionen US-Dollar und knackten damit erstmals die Marke von 100 Billionen US-Dollar. Das hat die Boston Consulting Group in ihrer jährlichen Branchenstudie ermittelt. Die operativen Gewinne zog allerdings nicht mit: Der anhaltende Kostendruck sorgte dafür, dass die Margen in der Branche mehr oder weniger konstant blieben.

Die weltweiten Nettozuflüsse erreichten 2,8 Billionen US-Dollar, was 3,1 Prozent der gesamten AuM entspricht. Der historische Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre liegt bei 1 bis 2 Prozent. Das Wachstum ging vor allem auf Privatanleger zurück. So wuchsen die Portfolios von Privatleuten um 11 Prozent. Sie machen nun 41 Prozent oder 42 Billionen US-Dollar des globalen Vermögens aus.

Institutionelle Anleger mit wachsenden AuM

Das Vermögen institutioneller Investoren wuchs in einem ähnlichen Tempo auf nun 61 Billionen Dollar, was 59 Prozent des globalen Marktes entspricht. Nordamerika behielt die Spitzenposition als weltweit größter Markt mit einem Anstieg der AuM um 12 Prozent auf 49 Billionen US-Dollar. Aber das Wachstum erstreckte sich auch auf andere Regionen: Europa legte um 10 Prozent zu, Asien-Pazifik um 11 Prozent und der Nahe Osten und Afrika um 12 Prozent.

Passive Strategien sind weiterhin führend und konnten 2020 den Marktanteil ausbauen. Weltweit stiegen die AuM in diesem Segment um 17 Prozent. BCG erwartet, dass sich dieser Trend in den nächsten fünf Jahren fortsetzen wird und prognostiziert ein jährliches Wachstum von 9 Prozent.

Aber auch die AuM für traditionelle und spezialisierte aktive Anlagen nahmen zu: Kernprodukte wie Large-Cap-Aktienfonds und Rentenfonds wuchsen im Jahresverlauf um 11 Prozent, Geldmarktfonds um 12 Prozent und spezialisierte aktive Produkte um 9 Prozent. Doch das Wachstum dieser Produktgruppen werde sich in den kommenden Jahren verlangsamen, so die BCG-Prognose.

Besonders starke Performance zeigten die alternativen Produkte. Die AuM legten um 11 Prozent zu und machen nun 15 Prozent des Gesamtmarktes aus. Gleichzeitig waren sie für 40 Prozent der Erträge der Branche verantwortlich. Private Märkte und ESG-Investments bieten laut BCG großes Potenzial. Zudem räumen die Autoren der Studie dem Thema Daten und Analyse eine Schlüsselrolle ein.

Pandemie erfordert Umdenken im Vertrieb

Die Pandemie zwang die Branche, Transformationsprozesse schnell einzuleiten. Und in keinem Bereich war dies so wichtig wie im Vertrieb. “Die Asset-Management-Branche kommt mit bedeutenden Veränderungen aus der globalen Krise, insbesondere im Vertrieb”, glaubt Lubasha Heredia, Managing Director und Partner bei BCG und Mitautor des Berichts. “Diese bringen Herausforderungen, aber auch vielfältige Wachstumschancen mit sich”. Die größte  Aufgabe im Vertrieb dürfte sein, nun geeignete Wachstumsstrategien zu entwickeln.

So müsse die nächste Generation im Sales digitale Fähigkeiten mit einer menschlichen Note vereinen, so Simon Bartletta, ebenfalls Mitautor des Berichts. Bereits jetzt lassen sich erste Erfolge bei Vermögensverwaltern erkennen, die in den digitalen Vertrieb investieren.

BCG veröffentlicht die Studie über die globale Vermögensverwaltungsbranche jedes Jahr. Die diesjährige ist die 19. Auflage.

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