Rohstoffe haben in letzter Zeit bei Anlegern stark an Beliebtheit gewonnen. Gerade in schwierigen Zeiten am Investmentmarkt gelten sie als beliebte Alternative, um das eigene Portfolio breiter aufzustellen. Wer in Rohstoffe investiert, setzt auf Realwerte, wie Gold in Hightech-Geräten oder Silber in Photovoltaik und Autos. Als zyklische Anlageklasse folgen Rohstoffe dem Takt der Weltwirtschaft. Doch auch in Krisenzeiten gibt es immer einen Gewinner: Gold. Seit Wochen mäandert der Preis für die Feinunze über der goldenen 2000-Dollar-Marke und ein neues Allzeithoch wird erwartet.
Warum Gold in Krisenzeiten glänzt
Letztes Jahr waren Rohstoffe oft die einzige Rettung für Anleger, als die Aktien- und Anleihemärkte Rekordverluste hinnehmen mussten. Im Zuge der Energiekrise und des Ukrainekrieges profitierten insbesondere fossile Energien und Rohstoffe, die in der Rüstungsindustrie verwendet werden. Auch Zentralbanken flüchteten sich in der Hoffnung auf Krisenabsicherung in Gold und erwarben allein 2022 ganze 1.140 Tonnen. Der Kaufrausch geht weiter: Im Januar und Februar kauften nationale Zentralbanken bereits 125 Tonnen Gold ein.
Privatbanken scheinen ebenfalls ihr Engagement in Sachen Gold neu zu bewerten. Ned Naylor-Leyland, Head of Strategy Gold und Silber bei Jupiter Asset Management, sieht darin eine Reaktion auf die Geschehnisse rund um SVP, Credit Suisse und Co., die Ängste vor einer weiteren Destabilisierung des Finanzsystems aufkommen lassen. Gold soll da Abhilfe leisten. Der ewige zweite unter den Edelmetallen, Silber, performt unterdessen überzeugend im goldenen Schatten. Martin Siegel, Geschäftsführer der Stabilitas GmbH, hält fest, dass sich der Silberpreis im letzten Monat besser als der Goldpreis entwickelt hat – ein Signal für die anhaltende Stärke des Edelmetallsektors. Der Preis für Platin verteuerte sich im April gegenüber dem Vormonat um 5,7 Prozent und lag am Monatsende bei 1.054,50 US-Dollar pro Feinunze.
Zyklische Rohstoffe reagieren auf Zinsumfeld
Bei den zyklischeren Erwartungen von Basismetallen und Rohöl ergibt sich ein etwas anderes Bild. In Vorerwartung der beschlossenen Zinsanhebungen durch Fed und EZB rutschen insbesondere Kupfer und Zink ab. Ähnliches zeigt sich bei Rohöl, dessen Preis aufgrund pessimistischer Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft und den von der Opec angekündigten Lieferkürzungen derzeit in einer engen Seitwärtsbewegung verharrt, so Siegel.
Dennoch lohnen sich laut Pierre Debru, Leiter Quantitatives Research & Multi Asset Solutions bei Wisdom Tree, Investments in Rohstoffe gerade jetzt: „Insgesamt sind Rohstoffe zwar ein zyklischer Vermögenswert, ihr Verhalten ist jedoch sehr dekorreliert zu Aktien oder Hochzinsanleihen. Sie bieten eine gute Diversifikation in frühen Rezessions- und späten Expansionsphasen, wenn andere zyklische Anlagen zu kämpfen haben.“
Vorsicht vor Volatilität
Allerdings sollten Anleger auch die Risiken von Rohstoffinvestitionen im Auge behalten. Rohstoffpreise können sehr volatil sein und sich schnell ändern, was zu Verlusten im Portfolio führen kann. Auch externe Faktoren wie politische Instabilität oder Naturkatastrophen können die Rohstoffmärkte beeinflussen. Eine sorgfältige Risikobewertung und die Einbindung von Rohstoffinvestitionen als Teil eines diversifizierten Portfolios sind daher von entscheidender Bedeutung.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Rohstoffe eine attraktive Anlageklasse sein können, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Inflation. Sie bieten Diversifikationsvorteile und können dazu beitragen, das Portfolio gegen mögliche Inflationsszenarien abzusichern. Allerdings sollten Anleger sich der damit verbundenen Risiken bewusst sein und eine gründliche Risikobewertung durchführen, bevor sie in Rohstoffe investieren.
Arrian Correns ist seit 2024 Redakteur bei dpn – Deutsche Pensions- und Investmentnachrichten. Seine ersten Schritte im Journalismus machte der studierte Staatswissenschaftler im Lokaljournalismus. 2023 wechselte er mit dem Volontariat im Fachverlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in den Finanzjournalismus. In dieser Zeit schrieb Arrian Correns auch für die dpn-Schwesterpublikationen „FINANCE Magazin“ und „Die Stiftung“. Arrian Correns befasst sich heute vor allem mit Themen der institutionellen Kapitalanlage und der Digitalisierung der Investmentbranche.

