Berufsständische Versorgungswerke meiden in aller Regel die mediale Öffentlichkeit. Sind sie dennoch Thema in Tageszeitungen, dann selten aus positiven Gründen. Das Jahr 2025 wartete mit einem für die Branche so noch nie dagewesenen Skandal auf: Beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) rissen 2023 Abschreibungen in Höhe von etwa 65 Millionen Euro ein Renditeloch in die Kapitalanlage. In der Folge wurde klar: Die Hauptstädter haben mit den Versichertenbeträgen regelrecht gezockt. Schlimmer noch: An einigen der Pleiteinvestments sollen inzwischen ehemalige VZB-Verantwortliche sogar persönlich beteiligt gewesen sein. Es ist eine Geschichte von Betrug und Vetternwirtschaft, mit der sich jetzt die Berliner Justiz beschäftigen darf.
Doch die Berliner Justiz beschäftigt sich auch damit, ob Dritte diesen Skandal hätten verhindern können. Die neue Führungsriege um den Verwaltungsausschussvorsitzenden Thomas Schieritz klagt auf Schadensersatz gegen zwölf Parteien – darunter auch Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer. Der Vorwurf: Die Prüforgane hätten eine Mitverantwortung an dem Vermögensschaden, der sich insgesamt auf 1,1 Milliarden Euro und damit die Hälfte des VZB-Kapitalanlagebestands belaufen soll. Nach dpn-Informationen soll sogar der gesamte Bestand vernichtet worden sein. Prüfen lässt sich das jedoch nicht, einen Jahresabschluss für 2024 hat das VZB noch nicht verfasst.
