Flossbach-Studie: Wer profitiert vom Altersvorsorgedepot? 

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Die Riester-Rente ist gescheitert und die gesetzliche Rente allein kann den Lebensstandard im Alter nicht mehr vollständig sichern. Von ursprünglich 60 Prozent in den 1980er-Jahren, ist das Rentenniveau auf mittlerweile 48 Prozent gesunken.

In der neuen Studie des Flossbach von Storch Research Institute hat Autor und Analyst Sven Ebert ausgerechnet, wie hoch die Rücklagen eines Durchschnittsverdieners bei Renteneintritt sein müssten, um die Rentenlücke zu schließen. Dabei kam er auf eine Summe von 250.000 Euro.

Was ändert sich mit dem Altersvorsorgedepot?

An der Stelle kommt nun das Altersvorsorgedepot ins Spiel. Das neue staatlich geförderte Sparprodukt soll am 1. Januar 2027 starten und die Riester-Rente ablösen. Es setzt verstärkt auf Aktien, und im Gegensatz zu Riester sind Sicherheiten und somit die Beitragsgarantie nur noch optional. So können weiterhin Garantieprodukte mit 80 bis 100 Prozent Beitragssicherung gewählt werden, die Aktienquote und damit mögliche Renditen werden dadurch jedoch stark eingeschränkt.

Sparer können hier von steuerbefreiten Einzahlungen und staatlichen Zulagen profitieren. So werden Einzahlungen bis zu 1.800 Euro vom Staat mit Zulagen von 500 Euro gefördert, indem der Sparer für die ersten eingezahlten 360 Euro 50 Cent pro Euro erhält und für die nächsten 1.440 Euro 25 Cent.

Zudem gibt es für das Depot im Gegensatz zu normalen Wertpapierdepots gesetzliche Anforderungen, die ein Standarddepot vorsehen, das mit einen Kostendeckel von 1,0 Prozent für die Effektivkosten versehen ist und online abschließbar sein muss. In diesem Standarddepot sind zwei mögliche Investmentfonds enthalten. Einer der wachstumsorientiert ist und den Risikoklassen drei bis fünf zugeordnet wird, sowie ein defensiver Fonds der Risikoklassen eins oder zwei.

Vorgesehen ist hier eine Umschichtung der Ersparnisse der rentennahen Jahrgänge. Fünf Jahre vor Rentenbeginn einer Person muss die Hälfte in den defensiven Fonds umgeschichtet werden. Zwei Jahre vor Rentenbeginn müssen es dann 70 Prozent sein.

Bei der Auszahlung bietet das Depot eine höhere Flexibilität, da zu Rentenbeginn bis zu 30 Prozent der Ersparnisse als Einmalzahlung entnommen werden können. Die weitere Auszahlung muss mindestens bis zum 85. Lebensjahr laufen, oder kann alternativ als monatlicher Auszahlungsplan bis zum Lebensende gestaltet werden.

Neben dem Standarddepot steht es Anbietern frei, auch Produkte, ohne oder mit Garantien anzubieten. Damit bietet das Altersvorsorgedepot eine breitere Auswahl als die Riester-Rente mit ihrer 100-prozentigen Beitragsgarantie.

Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?

Sven Ebert hat in seiner Analyse die Wertentwicklung verschiedener Portfolios simuliert, wobei er drei Altersklassen berücksichtigt: den 20-jährigen Berufseinsteiger, den 40-jährigen Arbeitnehmer und den 60-jährigen Baby-Boomer.

Für die drei Kategorien hat Ebert jeweils sechs Szenarien durchgerechnet, in welchen der Sparer sein Geld jeweils über einen gleich langen Zeitraum in Depots mit entweder 100, 80, 70, 50, 30 oder null Prozent Aktienquote anlegt. Die Simulation basiert er auf 1.001 Kapitalmarktpfaden.

Der 20-jährige Berufseinsteiger hat eine Ansparphase von 50 Jahren und zahlt rund 2.340 Euro pro Jahr ein. Nach Eberts Berechnung läge das Endkapital bei einer eingezahlten Summe von 117.000 Euro im Median bei rund 543.000 Euro. Nach Abzug von 2 Prozent Inflation entspricht das rund 202.000 Euro heutiger Kaufkraft. Die Rentenlücke von 250.000 Euro wäre damit fast geschlossen. Sogar dann, wenn der ungünstigste Fall eintritt und die Rendite im 5-Prozent-Perzentil-Szenario liegen sollte, stünden noch 268.000 Euro (real 94.000 Euro) zur Verfügung.

Die Analyse zeigt besonders deutlich, welchen Wert der Zinseszinseffekt bei der Anlage hat. So kommt jemand, der nur 25 Jahre lang einzahlt und mit 45 aufhört, im Median auf über 400.000 Euro. Wer andererseits erst mit 45 zu sparen beginnt und ebenfalls 25 Jahre einzahlt, kommt bei gleicher Einzahlsumme nur auf knapp 120.000 Euro.

Bei dem 40-jährigen Arbeitnehmer liegt der Median für die 70-prozentige Aktienquote bei 167.000 Euro, vorausgesetzt, dass 70.200 Euro eingezahlt wurden. Die Analyse beachtet auch das Life-Cycling, das für das Standarddepot vorgegeben ist. So reduziert die Umschichtung zwar das Verlustrisiko von rund 6 Prozent (80 Prozent Aktien) auf ungefähr 2 Prozent (Absenkung auf 30 Prozent Aktien) und erhöht damit die Planungssicherheit, senkt aber auch die mögliche Rendite. So ergäbe eine Absenkung von 80 auf 70 Prozent einen Median von 179.000 Euro, während die Absenkung auf 30 Prozent nur 163.000 Euro ergäbe.

Am wenigsten profitiert der 60-jährige Sparer vom Zinseszinseffekt. Bei einer Einzahlsumme von 23.400 Euro ergibt sich für ihn bei einer Aktienquote von 70 Prozent im Median nur ein Guthaben von 31.000 Euro. Es gibt jedoch den Vorteil, dass bei der Anlage im Altersvorsorgedepot selbst im schlimmsten simulierten Szenario aufgrund der 30-prozentigen Förderquote, die selbst eingezahlten 18.000 Euro erhalten bleiben.

Allgemein zeigt die Studie also auf, dass ein frühzeitiger Einstieg am attraktivsten für Sparer ist, um überproportional von dem Zinseszinseffekt zu profitieren.

Was die Auszahlphase betrifft, deutet Sven Ebert darauf hin, dass eine zu starke Reduktion der Aktienquote, wie sie gesetzlich für das Standarddepot vorgesehen ist Rendite kostet. Denn die Entnahmephase dauert oft 20 Jahre oder länger, wodurch bei einem zu frühen Umstieg in defensive Fonds über die gesamte Laufzeit potenzielle Rendite verloren geht.

Volontärin F.A.Z. Business Media

Tonia Schöler ist Volontärin bei F.A.Z. Business Media und hat neben dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten bereits für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, wie die Personalwirtschaft und F.A.Z. Konferenzen. Zuvor hat sie Ihr Masterstudium in Medienwissenschaften und Unternehmensführung an der Universität Siegen absolviert.

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