Das Londoner Research-Haus Novantigo hat eine neue Studie veröffentlicht, laut derer 58 Prozent der befragten Versicherer planen, ihre Allokation im Bereich Infrastrukturkredite zu erhöhen. Darauf folgen Direct Lending mit 46 Prozent sowie Private Placements mit 38 Prozent.
Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 143 Versicherungsinvestmentprofis, die gemeinsam Vermögenswerte von 4,1 Billionen Euro verwalten. Die Umfrage wurde im zweiten Quartal 2026 in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz durchgeführt und um 25 Experteninterviews ergänzt. Zusätzlich hat Novantigo 200 getrennte Mandate und 148 Fondsinvestments aus der Vergabe-Pipeline 2026 ausgewertet.
Solvency II als Katalysator
Die Reform der Solvency-II-Delegierten Verordnung ist ein wesentlicher Treiber für diese Neuausrichtung der Kapitalanlage. Die Verordnung ist am 10. März 2026 in Kraft getreten und wird ab dem 30. Januar 2027 vollständig anwendbar sein. Branchenschätzungen zufolge könnten die Änderungen zwischen 70 und 90 Milliarden Euro Kapital im europäischen Versicherungssektor freisetzen.
Von dieser Entwicklung profitieren vor allem strukturierte Anlageprodukte. Durch verbesserte Kapitalanforderungen für qualitativ hochwertige STS-Verbriefungen (Simple, Transparent and Standardised) und ausgewählte CLO-Positionen wurde diese Anlageklasse für viele Versicherer deutlich attraktiver. In der Novantigo-Analyse sind knapp 40 Prozent aller neu identifizierten privaten Marktmandate und Fondsinvestments des Jahres 2026 im Bereich strukturierter Produkte.
Die Versicherungsgesellschaften unterscheiden sich in ihrer Kapitalanlage jedoch nach Versicherungstyp und Unternehmensgröße: Schaden-Unfall-Versicherer weisen mit 47 Prozent die stärkste Nachfrage nach strukturierten Produkten auf. Lebensversicherer dagegen liegen bei lediglich 36 Prozent. Größere Häuser mit einem verwalteten Vermögen von über 50 Milliarden Euro sind ambitionierter und streben Allokationen von 11 bis 15 Prozent an. Kleinere Versicherer unter 10 Milliarden Euro agieren zurückhaltender, was laut der Studie auf den höheren operativen und Reporting-Aufwand zurückzuführen ist.
Marktöffnung für neue Manager vor allem bei Structured Credit
Insgesamt erwarten die befragten Versicherer für 2026 die Vergabe von 385 neuen Mandaten und Fondsinvestments, 2015 waren es 524. Der Anteil der Private Markets läge bei 31 Prozent.
Ein strukturelles Merkmal des Marktes bleibt die starke Bevorzugung bestehender Manager: 72 Prozent aller neuen Mandate und Fondsinvestments sollen demnach an bereits etablierte Manager vergeben werden. Das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von rund 9 Prozentpunkten. Der zugänglichste Markt für Neueinsteiger ist laut Studie Italien. Dort geht voraussichtlich knapp ein Drittel der Mandate (32 Prozent) an neue Manager.
Laut André Schnurrenberger (CFA), Co-Gründer und Managing Partner bei Novantigo, bildet Structured Credit hier eine Ausnahme: Da in vielen Häusern die interne Expertise fehlt und in diesem Bereich häufig noch kein externer Manager existiert, sind Versicherer gezwungen, aktiv Manager zu suchen. Das erhöht die Chancen für neue Anbieter. Im Jahr 2026 entfallen 23 von 61 identifizierten privaten Segregated Mandates auf strukturierte Produkte, ein Anteil von rund 38 Prozent. Im Durchschnitt werden 48 Prozent der privaten Vermögensallokationen von Versicherern extern verwaltet. Das ist in der Bilanz der höchste Wert aller Anlageklassen.
Blackstone führt Managerpräferenz deutlich an
Im Rahmen der Studie wurden die Befragten gebeten, die Wahrscheinlichkeit zu bewerten, mit der sie 29 Asset Manager als bevorzugten Anbieter für Private Assets auswählen würden. Blackstone liegt mit 73 Prozent Zustimmung deutlich vorn. Darauf folgen Apollo (62 Prozent), BlackRock und CVC (je 51 Prozent), PIMCO (45 Prozent) sowie J.P. Morgan Asset Management (43 Prozent).
Tonia Schöler ist Volontärin bei F.A.Z. Business Media und hat neben dpn – Deutsche Pensions- & Investmentnachrichten bereits für weitere Publikationen des Verlags gearbeitet, wie die Personalwirtschaft und F.A.Z. Konferenzen. Zuvor hat sie Ihr Masterstudium in Medienwissenschaften und Unternehmensführung an der Universität Siegen absolviert.
