Die Unternehmenszukäufe und Beteiligungen in der Schweiz erreichten 2021 einen Wert von 96 Millionen US-Dollar. Das ist ein markanter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. In Europa hat sich der Transaktionswert gar verachtfacht.

Die Zahl der chinesischen Firmenübernahmen in Europa hat sich 2021 von 132 auf 155 erhöht, nachdem sie 2020 pandemiebedingt eingebrochen war. Auch das Transaktionsvolumen beziehungsweise der Wert der Beteiligungen und Übernahmen hat sich von 1,5 auf 12,4 Milliarden US-Dollar mehr als verachtfacht.

Investitionsvolumen in der Schweiz ist sprunghaft angestiegen

In der Schweiz haben chinesische Firmen 2021 neun Unternehmen gekauft oder Beteiligungen an diesen erworben. Das ist eine Transaktion mehr als im Vorjahr. Ein sprunghafter Anstieg ist beim Investitionsvolumen zu verzeichnen: So erreichten die vollzogenen Unternehmenszukäufe und Beteiligungen einen Wert von 96 Millionen Dollar. Das ist ein markanter Anstieg von 7 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahreswert.

Vier in der Schweiz ansässige Unternehmen mit chinesischen Muttergesellschaften haben andere Unternehmen ausserhalb der Schweiz gekauft oder Beteiligungen an diesen erworben. Das sind die Ergebnisse einer jährlich erscheinenden Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die Investitionen chinesischer Unternehmen in der Schweiz und in Europa untersucht.

Hürden für ausländische Beteiligungen sind teilweise hoch

Die inzwischen hohen Hürden für ausländische Beteiligungen gerade in bestimmten kritischen Branchen sowie die zunehmende Konkurrenz durch kapitalstarke Finanzinvestoren wirken sich allerdings dämpfend aus, wie Michael Messerli, Leiter Strategy & Transactions bei EY in der Schweiz, erklärt. Die zuletzt stark gestiegenen Kaufpreise auf dem M&A-Markt hatten laut Messerli auch Folgen für Investoren aus China: «In einigen Fällen wollten die chinesischen Interessenten da nicht mehr mitgehen. Besonders die börsennotierten chinesischen Unternehmen fürchten, mit teuren Zukäufen den eigenen Aktienkurs unter Druck zu setzen.»

Interesse der Chinesen am Gesundheitssektor steigt

Die meisten Deals entfallen laut Messerli nach wie vor auf klassische Industrieunternehmen: «Auch 2021 fanden 30 der 155 Transaktionen in Europa im Industrie-Sektor statt. Allerdings ist deren Zahl rückläufig; 2020 wurden europaweit noch 36 Industrietransaktionen gezählt.»

Dagegen ist die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen im Bereich Gesundheit von 16 auf 26 Transaktionen gestiegen. «Vor allem für die Schweiz wird der Gesundheitssektor – ob Pharma, Biotech oder Medizintechnik – zu einem der wichtigsten Zielsektoren chinesischer Unternehmen, weil es in diesem Bereich einen grossen Nachholbedarf in China gibt. Dies insbesondere bei der Forschung und Entwicklung», weiss Hubert Stadler, Leiter des China Desk von EY in der Schweiz. Das Interesse chinesischer Investoren richtet sich in der Schweiz also vor allem auf den Gesundheitssektor: Drei von neun Transaktionen entfielen 2021 auf diesen Sektor, gefolgt von zwei Transaktionen im Bereich Verbraucherprodukte und Dienstleistungen.

Interesse an High Tech und Softwareunternehmen in Europe ist gross

Auf High Tech/Softwareunternehmen entfielen im vergangenen Jahr europaweit 27 Transaktionen (Vorjahr: 20): «Da sehen wir ein gestiegenes Interesse an Spieleentwicklern und Softwareprogrammierern. Gerade der aktivste chinesische Investor Tencent hat sich im vergangenen Jahr in diesem Segment stark engagiert», erklärt Messerli.

Grossbritannien löst Deutschland als Top-Ziel in Europa ab

Die meisten Transaktionen wurden im vergangenen Jahr in Grossbritannien verzeichnet. Mit 36 Übernahmen und Beteiligungen liegt Grossbritannien knapp vor Deutschland (35 Transaktionen) und deutlich vor den drittplatzierten Niederlanden (13). Die Schweiz liegt in diesem Ranking auf Platz 6 (9 Transaktionen). Im Vorjahr war die Reihenfolge an der Spitze noch umgekehrt: 2020 lag Deutschland mit 28 Transaktionen vor Grossbritannien mit 21 Deals. «In dem Mass, wie sich das Interesse chinesischer Investoren weg von klassischen Industrieunternehmen hin zu Technologie-, Software- und Medienunternehmen entwickelt, gewinnt der Zielmarkt Grossbritannien an Bedeutung», erläutert Messerli.

Die europaweit grösste Investition war im vergangenen Jahr der Verkauf der Haushaltsgeräte-Sparte von Philips an die Investmentfirma Hillhouse Capital mit Sitz in Hong Kong für 4,4 Milliarden Dollar. Und die zweitgrösste Transaktion war die Übernahme des britischen Entwicklerstudios Sumo Digital durch Tencent für 1,1 Milliarden Dollar, gefolgt von der Übernahme des dänischen Kühlcontainer-Herstellers Maersk Container Industry durch China International Marine Containers für ebenfalls 1,1 Milliarden Dollar.

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